Cryan liest Investmentbankern die Leviten: Die wichtigsten Punkte aus den Deutsche Bank-Ergebnissen

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John Cryan

John Cryan wurde bei der Deutschen Bank zum Ausputzen eingestellt.

Konzernchef John Cryan wollte nicht verraten, wie hoch der Bonuspool für 2017 ausgefallen ist. Es spricht aber viel dafür, dass die variable Vergütungen sich auf insgesamt 1 bis 1,5 Mrd. Euro summieren, wie es die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtete. Allerdings nutzte Cryan seine Rede bei der Pressekonferenz, um den Investmentbanker die Leviten zu lesen. Er bezeichnete die angesichts der Verlustes von rund 500 Mio. Euro umstrittenen Boni für 2017 als „einmalige Investition". Falls die Ergebnisse sich nicht verbessern sollten, würden die Boni für 2018 kaum auf dieser Höhe bleiben. „Nächstes Jahr ist eine ähnliche Vergütung nur bei besseren Leistungen zu rechtfertigen", warnte Cryan.

Ein Zuckerl für die Investmentbanker hielt Finanzchef James von Moltke bereit: Die Deutsche Bank wird einen grösseren Teil der Boni bar auszahlen. Damit orientiere sich der Konzern an den Marktgepflogenheiten.

Die hohen Halteprämien fallen weg

Offiziell hat die Deutsche Bank für 2016 nur 500 Mio. Euro Boni gewährt - das Schluchzen der Investmentbanker fiel entsprechend laut aus. Allerdings hat die Bank nebenbei Halteprämien in Höhe von 1,1 Mrd. Euro gewährt. Bei der Analystenkonferenz schloss Cryan aus, dass sich dies 2018 wiederholen werde.

Nur 2200 Jobs weggefallen: Stellenaufbau im Investment Banking

Für eine Bank, die sich in einer grundlegenden Umstrukturierung befindet, fällt der Personalabbau erstaunlich gering aus. Ende Dezember beschäftigte der Konzern noch 97.500 Mitarbeiter, was gerade einmal etwa 2200 Stellen weniger als im Vorjahr waren. Ausgerechnet im kriselnden Investment Banking legte die Mitarbeiterzahl sogar um gut 120 auf 17.500 zu. Cryan betonte auch weiterhin in neues Personal investieren zu wollen. Das Gros des Kahlschlags entfiel mit fast 1600 Stellen auf das Filialgeschäft; in der Infrastruktur wurden fast 600 Jobs eingespart.

Kahlschlag bei den Consultants

Grossbanken beschäftigen ganze Heerscharen von Consultants. Sie sind nicht festangestellt, tauchen in den Personalkosten nicht auf und lassen sich im Bedarfsfall schnell nachhause schicken. Die ebenfalls kriselnde Credit Suisse hat vorgemacht, wie sich mit einem Kahlschlag bei den Consultants viel Geld einsparen lässt. Die Deutsche Bank folgt jetzt dem Schweizer Vorbild. Die Ausgaben für Professional Services verminderten sich 2017 gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent auf knapp 1,8 Mrd. Euro.

Einbruch in Sales & Trading

Die solide wirtschaftliche Entwicklung und die angenehme Ruhe an den Märkten sind Gift für das Sales & Trading-Geschäft. Denn bei geringerer Volatilität halten sich die Kunden beim Handel zurück. Im Vergleich zum Vorjahr brachen die Erträge im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen daher um 29 Prozent auf 554 Mio. Euro ein. Über das ganze Jahr purzelten die Erträge um 14 Prozent auf 4,4 Mrd. Euro.

Im Aktienhandel lief es kaum besser. Dort sanken die Erträge im vierten Quartal um 29 Prozent auf 332 Mio. und im Gesamtjahr um 19 Prozent auf 2,1 Mrd. Euro.

Schwächelndes Origination und M&A-Geschäft

Die Erträge im Geschäft mit der Emission von Aktien und Anleihen sowie mit Fusionen und Übernahmen gab im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 3 Prozent auf 531 Mio. Euro nach. Zwar lief das Geschäft bei Anleiheemission vor allem im Investment Grade besser als im Vorjahreszeitraum; dies wurde durch niedrige Erträge vor allem im US-Geschäft mit Aktienemissionen nicht kompensiert. Die Erträge aus dem M&A-Geschäft lagen in etwa auf Vorjahresniveau.

Traurige Zahlen im Transaction Banking

Das Global Transaction stand lange im Ruf, etwas langweilig zu sein solide Profite zu garantieren. Die erfolgsverwöhnte Sparte hat jetzt einen Dämpfer erlitten. Im vierten Quartal purzelten die Erträge im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent auf 953 Mio. Euro. Aufs ganze Jahr gesehen verringerten sie sich um 10,8 Prozent auf gut 2,2 Mrd. Euro. Die Bank führte diesen Einbruch u.a. auf den Rückzug aus einigen Ländern zurück.

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