Die Fachhochschule, von der JP Morgan und Goldman Sachs reihenweise anheuern

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ESB

Auch Dirk Albersmeier, Co-head M&A EMEA von JP Morgan, ist Absolvent der Fachhochschule Reutlingen.

Das QS University Ranking verzeichnet die angeblich 500 besten Unis der Welt. Doch ein Name fehlt in der Kategorie Sozialwissenschaften und Management: die (Fach-)Hochschule Reutlingen. Mittlerweise nennen sich die wirtschaftswissenschaftlichen Fächer stolz European School of Business (ESB). Über ein Promotionsrecht verfügen die Reutlinger allerdings nicht, weshalb die Bezeichnung Fachhochschule angemessener wäre.

Doch aus der württembergischen Provinz scheinen geheime Wege nach Mainhatten, in die Londoner City und an die Spitze des internationalen Investment Bankings zu führen. Einer der erfolgreichsten Alumni ist Dirk Albersmeier, Co-Head M&A für Europa, den Mittleren Osten und Afrika bei JP Morgan. Tatsächlich scheinen genau bei dieser Bank besonders viele Alumni der ESB unterzukommen.

Wir haben untersucht, wer von den Beschäftigten der renommierten US-Banken einen Abschluss aus Reutlingen mitbringt – gleich ob sie im Investment Banking oder dem Asset und Wealth Management arbeiten. Die Liste ist der Hierarchie nach geordnet (Managing Director, Executive Director, Vice President, Associate):

JP Morgan

Dirk Albersmeier, MD, Co-head EMEA, Frankfurt/London

Franz-Josef Loerch, ED, Client Portfolio Manager Global Fixed Income Products, Frankfurt

Frederik Michel, Associate, Corporate Finance / M&A, Frankfurt

Goldman Sachs

Regina Wiedmann, ED, Asset Management Sales, Frankfurt

Nadine Urseanu, ED, Private Wealth Management, Frankfurt

Christian Hertrich, VP, TMT Advisory, Frankfurt

Franck Pascault, ??, ECM & Equity-Linked Germany, London

Morgan Stanley

Till Schneider, ED, European Head of Mulit-Asset Sales Fixed Income, London

Christian D. Geissinger, ??; M&A, Frankfurt

Lazard

Michael Schmidt, Director, M&A Industrials and Automotive, Frankfurt

Citigroup

Borja Ramirez Segura, Equity Research Analyst (für französische und italienische Bankaktien), London

Was die ESB dazu sagt

„Der Schlüssel besteht im Studienaufbau“, betont Rolf J. Daxhammer, Prof. für internationale Finanzmärkte der ESB. Die meisten im Investment Banking erfolgreichen Absolventen hätten Internationales Management studiert, wobei sie zwei Jahre in Reutlingen und zwei weitere bei einer der zwölf Partnerhochschulen im Ausland verbringen und so einen Doppelabschluss erwerben.

„Damit befinden sich die Studenten bereits in einem sehr internationalen Umfeld und bewerben sich zum Teil auch von den Partnerhochschulen aus“, ergänzt Daxhammer. In der zweiten Studiumshälfte biete die ESB überdies Vorlesungen zu internationalen Finanzmärkten, Risikomanagement und Behavioral Finance an. Weiter würden Praktiker aus Bereichen wie IPO, M&A, Private Equity oder Wealth Management in ihre jeweiligen Gebiete einführen.

Der schwindende Unterschied zwischen Unis und Fachhochschulen

Die alte Regel: „Tier 1-Banken stellen nicht von Fachhochschulen ein“ scheint zumindest teilweise revisionsbedürftig. „Die Hochschule Reutlingen hatte unter Personalern immer einen sehr guten Ruf. Von den Fachhochschulen zählt sie sogar zu den drei besten in Deutschland“, meint Headhunterin Sabrina Tamm von Financial Talents in Frankfurt, die viele junge Investmentbanker vermittelt. Die traditionelle Unterscheidung zwischen Unis und Fachhochschulen spiele heute ohnehin eine geringere Rolle als früher. „Die Unterscheidung löst sich langsam auf. Die Frankfurt School war früher ebenfalls eine Fachhochschule und ist heute völlig etabliert“, sagt Tamm. Wer allerdings einen Einstieg ins Investment Banking anstrebe, für den gäbe es näher liegende Adressen. „Da drängt sich Reutlingen nicht gerade auf.“

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