GASTBEITRAG: Weshalb selbst hochbezahlte Investmentbanker nicht mit ihrem Gehalt auskommen

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Why do bankers need a bonus

Viele Leute von ausserhalb der Finanzdienstleistungen denken, Investmentbanker wären aussergewöhnlich reich. Doch das ist keinesfalls ausgemacht, schon gar nicht am Karrierebeginn.

Als ich 1999 im Banking angefangen habe, erhielt ich ein Jahresgehalt von 40.000 Dollar. Mir ist nicht ganz klar, wie ich damit in New York überleben konnte, aber es gelang mir. Sicherlich habe ich kein „Banker-Leben“ geführt. Vielmehr bin ich gerade so zurechtgekommen. So habe ich lange gearbeitet und mein Abendessen während der Woche am Arbeitsplatz eingenommen, um Geld zu sparen. Manchmal habe ich sogar am Wochenende am Arbeitsplatz gegessen – aus dem gleichen Grund.

Natürlich weiss ich, dass Leute mit weniger auskommen müssen, leicht ist es aber sicher nicht. Nach Steuern und Abgaben bleiben von 40.000 Dollar in New York nicht viel übrig. Mein Bruttogehalt war fast schon weg, bevor es mein Konto erreichte.

Glücklicherweise gab es damals noch so etwas wie einen Bonus. Seinerzeit habe ich meinen Bonus verwendet, um meine Studienkredite zurückzuzahlen. Von meinem Gehalt habe ich mein – bescheidenes – Leben finanziert und mit dem Bonus habe ich meine Schulden abgebaut. Nach wenigen Jahren war ich auf diese Weise meine Studiumsschulden los.

Unterdessen stieg mein Gehalt. Von 40.000 schnellte es erst auf 100.000 und dann auf 150.000 Dollar empor. Angesichts meines bisher bescheidenen Lebensstils sollte ich in der Lage gewesen sein, von dem höheren Gehalt etwas Geld zurückzulegen. Doch ich begann, mehr auszugeben. Tatsächlich habe ich mein ganzes Gehalt auf den Kopf gehauen und musste sogar einen Teil meines Bonus darauf verwenden, meine monatlichen Ausgaben zu bestreiten.

Leider stellt mein Fall in den Finanzdienstleistungen keine Ausnahme dar. Wenn Sie im Investment Banking arbeiten, dann steigen zwar Ihr Gehalt und Ihr Bonus linear an, Ihre Ausgaben und Ihre Lebenshaltungskosten aber exponentiell – besonders wenn Sie Kinder haben.

Dieses Phänomen ist auch als „Cash burn rate“ bekannt, also die Geschwindigkeit, mit der Sie Ihr Geld verbrennen. Als ich noch im Investment Banking arbeitete, betrug meine „Cash burn rate“ 175.000 Dollar und mehr. Und das ist noch wenig. Denn damals war ich vergleichsweise bescheiden. Bei einigen meiner Freunde beläuft sich die „Cash burn rate“ auf mehr als 350.000 Dollar. Sie müssen also brutto 650.000 Dollar verdienen, nur um zurechtzukommen. Doch sehr wenige Banken zahlen jemanden ein Gehalt von 650.000 Dollar. Wer also ein solches Ausgabenniveau erreicht, greift mit hoher Sicherheit auf seinen Bonus zurück.

Doch wie kann es so weit kommen? Tom Wolfe illustriert dies in seinem Roman „Fegefeuer der Eitelkeiten“. Dort erinnert sich sein Protagonist, der Banker Sherman McCoy, wie er sein letztes Jahresgehalt ausgegeben hat:

„Trotz einer Million Dollar im Jahr bin ich pleite! Diese beängstigende Zahl springt ihm ins Gehirn. Sein Einkommen belief sich im vergangenen Jahr auf 980.000 Dollar. Allerdings muss er im Monat 21.000 Dollar für einen Kredit über 1,8 Mio. Dollar für sein Apartment zahlen. Doch was sind schon 21.000 Dollar für jemanden, der im Jahr eine Million verdient? So hatte er seinerzeit darüber gedacht – und tatsächlich handelte es sich um eine nahezu erdrückende, bohrende Last! Das summierte sich auf 252.000 Dollar im Jahr, nichts davon war steuerlich absetzbar, weil es sich um einen persönlichen Kredit und keine Hypothek handelte. (Die Genossenschaftsvorstände in den Gebäuden der Good Park Avenue lassen es nicht zu, dass jemand auf sein Apartment eine Hypothek aufnimmt.) Inklusive der Steuern sind also 420.000 Dollar erforderlich, um die 252.000 Dollar zu bestreiten. Von den 560.000 übrigen Dollar im vergangenen Jahr gingen weitere 44.400 Dollar für die Nebenkosten drauf, 116.000 Dollar für das Haus in Old Drover’s Morring Lane in Southampton (84.000 Dollar für die Hypothek und Zinsen, 18.000 für Heizung, Nebenkosten, Versicherung und Reparaturen, 6000 für das Rasenmähen und Schneiden der Hecken, 8000 für Steuern [den Rest lasse ich hier aus]. Die Rechnung für Möbel und Kleidung belief sich auf etwa 65.000 Dollar und es gab wenig Hoffnung, daran etwas zu ändern. Denn Judy war immer noch eine Dekorateurin und wollte alles auf einem gewissen Standard halten. Die Bediensteten kosteten 62.000 Dollar im Jahr… Die entsetzliche Wahrheit lautet: Er hat im vergangenen Jahr mehr als 980.000 Dollar ausgegeben. Sicherlich konnte er hier und da ein wenig sparen, aber nicht annähernd genug, um gerüstet zu sein, falls das Schlimmste eintreten sollte.“

Sherman ist in die hedonistische Tretmühle geraten, worüber ich bereits zuvor geschrieben habe. Wenn Sie erst einmal in ihr sind, dann wollen Sie etwas nicht nur, nein, Sie müssen bestimmte Dinge einfach haben. Sie glauben, ohne das einfach nicht auskommen zu können. Ein besseres Haus, ein besseres Auto, einen Sommer in den Hamptons oder in Südfrankreich, Restaurantbesuche, neue Klamotten und eine Zweitwohnung.

Das sehe ich immer wieder. Es ist nicht einmal Ihre Schuld. Vielmehr liegt es in der menschlichen Natur. Die Menschen gewöhnen sich einfach schnell an die neuen Verhältnisse und wollen dann einfach mehr. Wir schauen uns um und sehen, wie unsere Freunde etwas machen, und schon wird es normal.

Dabei sollten Sie sich klar machen: Nur weil Sie sich etwas leisten können, müssen Sie es sich noch längst nicht leisten. Investment Banking stellt keinen stabilen Karriereweg dar: Oft wird Personal abgebaut und rasch finden Sie sich in einer Situation wieder, in der Sie Ihre Ausgaben einfach nicht mehr bestreiten und Ihre Schulden nicht zurückzahlen können.

Für manche kommt das böse Erwachen zu spät, wenn sie erst einmal ihren 40. Geburtstag ohne nennenswerte Ersparnisse hinter sich haben.

Ich habe mit einem Freund gesprochen, der kürzlich seinen 58. Geburtstag gefeiert hat. Als Lehman Brothers zusammengebrochen ist, hat er viel Geld verloren und dann musste er auch noch für die Hochzeit seiner Kinder aufkommen. Theoretisch stand er also wenige Jahre vor seinem Ruhestand, dennoch benötigte er einen Job mit einem Jahresgehalt von 500.000 Dollar, weil er keine Ersparnisse hatte.

Hören Sie also auf, Ihren Bonus auszugeben, und beginnen Sie etwas von Ihrem Gehalt zu sparen. Verlassen Sie die Tretmühle, bevor Sie von ihr abgeworfen werden.

Der Autor arbeitete als Managing Director bei Goldman Sachs und bloggt auf „What I Learned on Wall Street“ (WilowWallStreet.com.

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