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INTERVIEW: Wieso ich lieber Schulleiter als Investmentbanker bin

Peter Ferres

Nach 20 Jahren im Investment Banking hat Peter Ferres die Metropolitan School in Frankfurt gegründet. Dort buchen Banken ganze Pakete für die Kinder der Brexitbanker.

Peter Ferres hat 20 Jahre im Investment Banking gearbeitet – vor allem in M&A und im Aktienemissionsgeschäft (ECM). Dabei hat er es bis zum Managing Director und Generalbevollmächtigten der Credit Suisse in Deutschland gebracht. 2006 stieg er aus und hat die Metropolitan School in Frankfurt gegründet, die Kinder und Teenager vom Kindergarten bis zum internationalen Abitur führt. Im Interview erzählt er, wieso er sein neues Leben dem Investment Banking vorzieht und wie der Brexit bei den englischsprachigen Schulen in Frankfurt aufschlägt.

Wir sehen viele Investmentbanker, die der Branche den Rücken kehren, kaum jemand strebt aber eine Zweitkarriere als Lehrer an. Was hat Sie zu dem Schritt bewogen?

Als Banker ist man auch Lehrer – zumindest wenn man gut ist. Man bringt den Emittenten, den DAX- oder FTSE 100-Vorständen bei, wie man effizient Geld am Kapitalmarkt einsammelt oder eine Übernahme einfädelt. Das sind schwierige Schüler, weil sie als Vorstände schon alles wissen. Beides liegt nicht so weit auseinander, wie man denkt. Für beides benötigt man eine Ader fürs Vermitteln. Es gibt rein technische Banker, wie Derivatehändler und Trader, denen das überhaupt nicht liegt, aber für diejenigen, die an der Front mit den Kunden arbeiten, ist dies kein Bruch.

Wie sind Sie mit der Umstellung zurechtgekommen? An der Schule fallen die Verdienstmöglichkeiten deutlich geringer als im Front Office Investment Banking aus, wobei allerdings auch die Arbeitszeiten kürzer sind.

Das Gesamtpaket ist für mich wesentlich interessanter als in den letzten Jahren im Banking. Geld ist nicht alles. Nach 20 Jahren im Banking, davon 17 Jahre im Investmentbanking, wollen Sie Zeit mit Ihrer Familie verbringen, Sie wollen ein ausbalanciertes Leben führen und das habe ich hier an der Schule. Ich kann wieder Sport machen; ich betreibe dreimal wöchentlich Leichtathletik. Während meiner Zeit im Banking hatte ich dazu keine Chance. Lebensqualität heisst für mich die Verbindung zwischen intensiver Arbeit und Dingen, die das Leben wertvoller machen. Ich arbeite trotzdem 50 oder 60 Stunden die Woche, kann aber Sport, Familie und Freundeskreis pflegen, wie ich das vorher nie konnte.

Als Banker bleibt man immer Angestellter. Ich war Managing Director und Generalbevollmächtigter von Credit Suisse Deutschland, dennoch bleibt man immer abhängig von Committees, Chairmans und anderen Vorgesetzten. Als Selbständiger habe ich heute Freude am Gestalten. Ich habe hier an der Schule z.B. mit den anderen Lehrern zusammen das gesamte Curriculum entwickelt und mit Leben ausgefüllt. Ich wollte, dass hier Business unterrichtet wird und siehe da, es ist ein Prüfungsfach inklusive Bilanzanalysen und Cashflow Forecast.

Das scheint hier ja eine wahre Kaderschmiede für Investmentbanker zu sein?

Wir unterrichten hier einen Durchschnitt der Frankfurter Bevölkerung: die Kinder von Handwerkern, Universitätsprofessoren, Anwälten, Wirtschaftsprüfern und Bankmanagern bis in die höchsten Stufen. Wir wollen diese Schule für alle offenhalten und nicht selektiv sein.

Was kostet es, seine Kinder bei Ihnen unterrichten zu lassen?

Das ist vom Schuljahr abhängig und variiert von 405 bis etwa 1300 Euro pro Monat. Es gibt aber auch Stipendien und wir haben rund 40 Eltern mit reduziertem Schulgeld, damit die Schule sozial offen bleibt. Bei einem Teil der Schülerschaft werden darüber hinaus die Gebühren von den Arbeitgebern übernommen – das ist bei uns aber nur bei weniger als einem Viertel der Schülerschaft der Fall. Bei anderen internationalen Schulen in Frankfurt können es aber auch weit mehr als die Hälfte sein.

Lassen Sie uns zum Thema Brexit kommen Herr Ferres:  Was ist vom Brexit bislang bei Ihnen angekommen?

Erste Banken haben schon Plätze für die Kinder ihrer Mitarbeiter bei uns im laufenden und im kommenden Schuljahr gebucht, es handelt sich also um Paketbuchungen. Ich darf Ihnen aber nicht verraten, wer das ist. Dadurch hat sich unsere jährliche Wachstumsrate von 5 auf 12 Prozent mehr als verdoppelt. Wir werden die Zahl unserer Plätze von 560 auf geplant 600 steigern. Dass wir schon so früh Buchungen für den Herbst 2018 erhalten haben, ist absolut neu. Dies zeigt, dass die Brexitüberlegungen nicht nur theoretisch sind, sondern in der Praxis ankommen.

Spricht dies nicht dafür, dass auch viele internationale Investmentbanker nach Frankfurt kommen werden und nicht nur deutschsprachige? Naheliegender wäre es doch, erst einmal sämtliche Desks für die deutschsprachigen Länder von London nach Frankfurt zu verlegen…

Das geht technisch nicht. Sie brauchen hier nicht das deutsche Team aus London, sondern die Leute, die die Trading-Books managen. Schliesslich müssen Sie künftig die Trades auf EU-Boden durchführen. Sie brauchen also die Experten für Swaps und Derivate, die in New York, London und Hongkong herumgekommen sind. Es wäre reiner Zufall, wenn dies Deutsche sein sollten.

Die Deutschen sind in der Regel die Client Relationship Manager, die Coverager Banker. Sie müssen die Sprache des jeweiligen Landes sprechen. Der Trade aber, der muss innerhalb der EU durchgeführt werden und das Underwriting Agreement muss hier unterschrieben werden. Dazu müssen die technischen Experten vor Ort sein. Wenn diese erst einmal nach Frankfurt gekommen sind, dann kommen die Coverage Banker ebenfalls, denn sie müssen ja mit den technischen Experten sprechen, um die interessanten Produktpakete für ihre Kunden zu schnüren: z.B. die Verknüpfung von einem Forward Rate Agreement und einem Asset Swap. Dazu muss er ins nächste Stockwerk laufen und mit dem Experten für Derivate sprechen.

Abgesehen von den Paketlösungen, gibt es auch schon individuelle Anfragen für Schulplätze, die auf den Brexit zurückgehen?

Die Tendenz geht dahin, dass nicht mehr die breite Masse, sondern nur noch Spitzenkräfte in den Genuss der gesamten Relocation Packages gelangen. Angestellte auf mittleren oder sonstigem Level erhalten nur noch Teilpackages oder gar keine Relocation Packages mehr. Die Eltern, deren Schulgebühren nicht vom Arbeitgeber übernommen werden, fragen auch individuell an. Sie kommen hierher und schauen sich die Schule an. Da ist aber noch keine Welle infolge des Brexits erkennbar. Das bewegt sich noch im Rahmen des normalen Wachstums.

Bei den Paketen für Schulplätze handelt es sich noch um die Vorreiterwelle. Das kann im kommenden Jahr anders aussehen. Mit der Hauptwelle werden auch Mittelmanager und Angestellte ohne derartige Relocation Packages nach Frankfurt ziehen. Im Sommer 2018 wird es voraussichtlich bei den Plätzen an internationalen Schulen zu Engpässen kommen.


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