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Karriereturbo Rauchen? Wie ich mich mit Managing Directors angefreundet habe

Making friends with MDs in banks

Zugegeben, Rauchen stellt schon ein übles Laster dar. Es ist etwas für Abhängige und Nihilisten – was ganz von Ihrer Perspektive abhängt. Doch je mehr wir dreckigen und nihilistischen Raucher verdammt werden, desto enger schliessen wir uns zusammen – und das bringt auch Vorteile mit sich.

Ich bin Banker und Raucher. Je nach meiner Stimmung ziehe ich mich zum Rauchen in eine stille Ecke zurück oder aber ich gehe in den zentralen Raucherbereich. An diesem zentralen Raucherbereich kommt man sich vor wie im Hauptquartier der Managing Directors.

Denn viele Managing Directors sind in ihren 40ern und waren schon abhängig, bevor sämtliche Folgen des Rauches wirklich bekannt waren. Falls Sie jedoch ein junger Banker wie ich sind und in die Raucherzone gehen, dann befinden Sie sich unter Führungskräften. Dabei unterscheidet sich das Gespräch bei einer Zigarette beträchtlich von den sonstigen Gesprächen im Büro. Sie sind entspannter, informeller und vertraulicher. Wenn Sie ebenfalls an einer roten Marlboro ziehen, dann lernen Sie die Leute auf einem ganz anderen Niveau kennen.

Und das spielt schon eine Rolle. Für jeden jungen Banker stellen Managing Directors so etwas wie Götter dar. Doch dank des Rauchens habe ich bereits als Associate eine Menge Managing Directors und andere Führungskräfte kennengelernt. Manchmal taucht einer von ihnen an meinem Schreibtisch auf, was meine Kollegen mit offenem Mund bestaunen. „Was will der von Dir”, fragen sie üblicherweise. (Vielleicht einfach auch nur ein Feuerzeug?)

Es kommt aber gar nicht darauf an, was sie wollen. Was jedoch zählt, ist, dass ich im Zusammenhang mit diesen Vorbildern gesehen wurde und einen kleinen Teil von ihren Glanz abbekam. Im Banking kommt es nicht allein darauf an, wie gut Sie sind, sondern auch wen Sie kennen. Und ich kenne eben diese rauchenden Führungskräfte. Dabei habe ich mich niemals eingeschleimt. Wir haben einfach nur eine miteinander geraucht und uns ein wenig unterhalten. Ich habe mich dabei an eine gewisse Etikette gehalten: So bin ich nie auf sie zugegangen, sondern ich liess sie auf mich zukommen. Ich habe sie auch niemals um etwas gebeten – nicht einmal um eine Zigarette. Dennoch hat sich eine Beziehung aufgebaut, was sich in meiner Aura auszahlte. Kurzzeitig war ich so etwas wie ein Promi und das interne Gesicht meines Teams. Mein Vorgesetzter hat mich sogar gebeten, die Interaktionen mit den anderen Teams der Bank zurückzufahren – wahrscheinlich war er ein wenig paranoid. Ich wurde schneller als gewöhnlich zum Vice President befördert – zumindest rede ich mir das ein.

Sicherlich gibt es auch andere Wege eine Beziehung zu Managing Directors aufzubauen. So berichten die Leute, die ins Fitnessstudio gehen, dass sie in Kontakt mit Managing Directors kommen, wenn sie an den Geräten trainieren oder bei den Duschen herumhängen. Doch seien wir mal ehrlich: Es kommt kaum zu ernsthaften Gesprächen, wenn Sie Gewichte stimmen oder irgendwo nackig herumstehen. Da ist beim Rauchen völlig anders. Schliesslich arbeiten Sie daran, sich selbst umzubringen. Dabei entsteht schon so etwas wie Kameraderie.

Das Rauchen ist auch eine rasche Angelegenheit. Sie können rauchen und arbeiten. Das stellt einen perfekten Hebel für Beförderungen dar – allerdings nur wenn Sie lange genug leben, um die Früchte Ihrer Anstrengungen zu geniessen. Aber niemand von uns wird ewig leben. Mag irgendwer eine Marlboro?

Sean Riley arbeitet bei einer US-Investmentbank. Es handelt sich um ein Pseudonym.

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