Die Deutschen wollen nicht in Paris arbeiten, die Franzosen nicht in Frankfurt

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Die Deutschen wollen nicht in Paris arbeiten, die Franzosen nicht in Frankfurt

Der 1. Januar rückt näher und für Banken stellt sich jetzt ernsthaft die Frage, welche Mitarbeiter nach dem Brexit umziehen müssen. Gleichzeitig taucht ein neues Problem auf: Nach London sind alle immer gerne gegangen – in die Finanzzentren der EU hingegen wollen die Leute nur ungern wechseln.

JP Morgan ist das Problem bei der Verlegung seiner Sales-Mitarbeiter nach Paris begegnet. Französische JP Morgan-Mitarbeiter freuen sich fast alle über den Umzug nach Paris – bei Bankern aus Deutschland, Italien, den Niederlanden und Spanien sieht das anders aus. Sie würden lieber entweder in London bleiben oder aber in ihre Heimatländer zurückgehen. Aus diesem Grund bietet JP Morgan Berichten zufolge für alle, die nach Paris gehen, Französisch-Kurse an.

Ähnliches findet auch in Deutschland statt. Andreas Halin, Managing Partner bei Global Mind Executive Search Consultants in Frankfurt sagt, dass französische Banker ungern in die Mainmetropole wechseln. „„Die Deutschen wollen nicht in Paris arbeiten, die Franzosen nicht in Frankfurt“, so Halin. „Das liegt an der Sprachbarriere, ist aber auch kulturell bedingt.“

Aufgrund der wechselseitigen Antipathie haben es französische Banken schwer, in Frankfurt Leute zu finden. „Wenn Deutsche die Wahl haben, gehen sie lieber zu einer deutschen oder amerikanischen Bank. Sie haben Angst, sich aufgrund von mangelnden Sprachkenntnissen in einem französischen Unternehmen nicht durchsetzen zu können“.

Die Unwilligkeit, in einem nicht-englischsprachigen Land zu arbeiten, aus dem man selbst nicht kommt, ist ein weiteres Problem für Banken, die – so will es die EZB – jetzt innerhalb der EU Standorte aufbauen müssen. Im Februar diesen Jahres hatte die EZB erklärt, Banken müssten dafür sorgen, dass Einheiten, die unter Aufsicht der EU stehen, über genügend Mitarbeiter verfügen, um „den Betrieb zu gewährleisten, inklusive Risikomanagement und Front Office.“

In einigen Fällen haben Banken mehrere Standorte auf Europa verteilt aufgebaut, um Mitarbeitern zu ermöglichen, in ihren jeweiligen Heimatländern tätig zu sein. So hat Barclays beispielsweise mittlerweile Büros in Irland, Frankreich, Spanien, Deutschland, Italien und in den Niederlanden. 

Nach Auskunft von Halin beruht ein solch dezentrales Modell eher auf Line Managern als auf Divisions-Verantwortlichen. „Einigen hochrangigen Führungskräften ist es wichtig, ihre Leute nah bei sich zu haben. Andere wollen lieber, dass sie nah beim Kunden sind.“

Andere Banken haben sich darauf konzentriert, Teams an Schlüsselstandorten zu stärken. Kristine Braden, Head des Broker-Geschäfts bei Citi in Frankfurt, hatte unlängst geäussert, dass die Bank in Deutschland händeringend nach Mitarbeitern suche. „Wir müssen uns im Bereich Trading, Compliance und Finance verstärken und brauchen M&A-Banker – und es ist erstaunlich, wie schwer es ist, Leute zu finden“, sagte Braden im letzten Monat auf einer Konferenz.

Banken gehen nach Angabe von Halin mit diesen Komplikationen so um, dass sie erfahrene Mitarbeiter aus London holen und junge Mitarbeiter vor Ort suchen. Erschwert wird dies allerdings dadurch, dass erfahrene Mitarbeiter in London sofort alle Hebel in Bewegung setzen, um nicht gehen zu müssen. „Wenn ein langjähriger Banker gebeten wird, nach Frankfurt zu wechseln, sagt er erst mal ja, fängt aber gleichzeitig an, sich weg zu bewerben. Wenn er etwas findet, zieht er nicht mit um.“

Der Optimalpunkt für deutsche Sales-Spezialisten, die infolge des Brexits einen Job in Frankfurt suchen, sind laut Halin Junior-Stellen. „Besetzt werden nur wenige Senior Market-Positionen, aber auf dem Mid- und Junior-Level werden jede Menge Leute gesucht, also Associates und Vice Presidents. Diese Jobs werden oft mit Deutschen besetzt, häufig mit deutlich niedrigeren Gehältern.“

Halin fügt hinzu, dass die Deutschen am begehrtesten sind, die Kunden nicht nur in Deutschland, sondern europaweit betreuen können. „Hilfreich ist, wenn man bereits länderübergreifend gearbeitet hat, beispielsweise mit Skandinaviern oder Niederländern.“

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