JP Morgan bewertet den Aufschwung der Deutschen Bank mit Vorbehalt

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JP Morgan bewertet den Aufschwung der Deutschen Bank mit Vorbehalt

Gute Aussichten bei der Deutschen Bank: Es sieht ganz danach aus, als könnte man endlich die Kredite in Höhe von 340 Millionen $ abstossen, die man Donald Trump gewährt hatte. Zudem hatte die Bank ein gutes Jahr und ein starkes drittes Quartal – in diesem Sinne sprachen CEO und CFO in der vergangenen Woche von „Dynamik“ und „Client re-engagement“.

Hinzukommt, dass die Deutsche Bank ihre Restrukturierung bereits zu 80 Prozent umgesetzt hat (während Banken wie HSBC damit gerade erst begonnen haben) und ausserdem mit strategisch wichtigen Neuzugängen für Aufsehen gesorgt hat. Es fragt sich: Ist die Deutsche Bank wieder ein verlässlicher Partner?

Bei JPMorgan scheint man davon noch nicht überzeugt zu sein. So erklärte Kian Abouhossein, Head of Banks Equity Research bei JPMorgan in London, vergangene Woche, dass die Deutsche Bank dank „Rückenwind im Ertragsumfeld ihre Ziele erreiche“, dass es aber noch ein langer Weg sei, bis man Renditen erzielen kann, die höher sind als die Eigenkapitalkosten.

Die Deutsche Bank sei „stark auf ihre Investmentbank ausgerichtet“, so Abouhossein. Und die Investmentbank wiederum hänge sehr stark am Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen (FICC), auf den in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 fast 80 Prozent ihrer Erträge entfallen waren.

In einem Jahr, in dem sich der FICC-Handel überall gut entwickelt, konnte die Deutsche Bank quasi gar nicht anders, als hier zu punkten.

Dennoch wird angemerkt, dass der Erfolg der Deutschen Bank im dritten Quartal 2020 besonders darum hervorsticht, weil das dritte Quartal 2019 so schwach war. So habe man im Bereich Fixed Income Market keine Marktanteile von der Konkurrenz abgejagt, sondern lediglich verlorenes Terrain zurückgewonnen (die Konkurrenz bei HSBC allerdings hat die Deutsche Bank zugegebenermassen überflügelt – dort hatte man im Fixed Income Trading sowohl im dritten Quartal 2019 als auch im dritten Quartal 2020 Marktanteile im verloren).

Die grosse Frage ist, ob der Aufschwung im Fixed-Income-Geschäft der Deutschen Bank sich als nachhaltig erweist. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern in CIB lag in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 bei 10,1 Prozent – ein guter Wert, wenn man bedenkt, dass dieser Wert in dem vergleichsweise normalen Umfeld letztes Jahr, in dem die Erträge um 35 Prozent niedriger waren, bei nur 1,9 Prozent lag.

Die Leistung der Investmentbank ist laut Abouhossein ein „Risiko“ – und riskant sei auch, dass die Deutsche Bank im Middle- und Back-Office auch dann noch Leute einstellt, wenn im Front Office Stellen gestrichen werden. So fielen in der Investmentbank der Deutschen Bank in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 383 Front-Office-Stellen weg – in anderen Bereichen wurden allerdings 270 Stellen neu geschaffen. Gehaltskürzungen sind damit wohl nur schwer vermittelbar, insbesondere angesichts der Tatsache, dass es kaum Leute gibt, die die Bank ohne Abfindung verlassen wollen.

Trotz aller Vorbehalte scheint die Deutsche Bank allerdings auch vieles richtig zu machen. Headhunter berichten, die Bank suche neue Leute für ihr Fixed-Income-Geschäft. Die Neuaufstellung des Zinsgeschäfts im vergangenen Jahr scheint ein durchschlagender Erfolg gewesen zu sein. Die Neuzugänge hätten innerhalb von zwölf Monaten die Zinserträge verdoppelt, sagte CEO Christian Sewing letzte Woche. Dies könnte ein Anstoss dafür sein, auch für andere Positionen die besten Köpfe abzuwerben – sofern man ignoriert, dass sich (nach Berechnungen des Branchendiensts Coalition) die Einnahmen aus dem Zinsgeschäft auf dem gesamten Markt in der ersten Jahreshälfte verdoppelt haben.

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