Goldman Sachs-COO: Home Office könnte der Unternehmenskultur schaden

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Goldman Sachs-COO: Home Office könnte der Unternehmenskultur schaden

Bei Goldman Sachs hat man es nicht eilig damit, die Angestellten wieder zurück in die Büros zu holen. Das Unternehmen hat eben erst seine Niederlassung in Paris wieder aufgemacht – mit nur 20 Prozent der Mitarbeiter, die vor Ausbruch der Pandemie dort tätig waren. In einem kürzlich verschickten Memo geben Goldman Sachs-CEO David Solomon, CFO Stephen Scherr und COO John Waldron an, dass sie nur 50 Prozent der Mitarbeiter in den Büros haben wollen, solange das Virus noch wütet. Doch das Arbeiten im Home Office könnte Nachteile haben, die sich erst allmählich bemerkbar machen.

Auf der Bernstein Strategic Decisions Conference sagte Waldron heute, dass das „Ausbildungsmodell“ von Goldman Sachs durch die Arbeit im Home Office möglicherweise gefährdet werde. Bei Goldman Sachs sei es üblich, so Waldron, dass Mitarbeiter eng zusammenarbeiten und sich gegenseitig durch Mentoring unterstützen. „Aktuell ist das sehr viel schwerer“, sagte er. „Ich habe die Sorge, dass das Ausbildungsmodell mit der Zeit in sich zusammenfallen könnte.“

Ähnlich wie Waldron hatte sich bereits Paco Ybarra, Head der Investmentbank bei Citigroup geäussert. In einem Interview mit der Financial Times vom vergangenen Wochenende sagte Ybarra, dass das Home Office im Bankwesen gut funktioniere, weil man auf Sozialkapital aus der Zeit vor Corona zurückgreifen könne. „Irgendwann wird dieses Kapital allerdings anfangen zu bröckeln und dann wird es Probleme geben“, prophezeit Ybarra. Eines dieser Probleme ist laut Ybarra das „learning on the job“.

Trotz seiner Vorbehalte gegenüber dem Arbeiten im Home Office sagte Waldron heute, dass Goldman Sachs künftig wahrscheinlich ein stärker „dezentrales“ Modell fahren werde. Aktuell arbeiten rund 30 Prozent der Mitarbeiter von Goldman Sachs an „strategischen Standorten“ wie Salt Lake City, Bangalore und Warschau, so Waldron. In Zukunft könnte der Anteil derer, die nicht an den Haupt-Finanzplätzen arbeiten steigen – und ebenso der Anteil derer, die im Home Office arbeiten.

Waldron gab an, dass die Einnahmen bei Goldman Sachs gut seien, die Ziele erreicht würden und es nicht geplant sei, die im Januar verkündeten Kostensenkungen (1,3 Milliarden über die nächsten drei Jahre) noch zu erhöhen. Klar ist jedoch auch, dass die Pandemie neue Möglichkeiten für das Streben nach „Effizienzsteigerungen“ zum Vorschein gebracht hat.

„Kein Zweifel: Wir lernen gerade viel über Betriebseffizienz“, erklärte Waldron im Hinblick darauf, wie das Unternehmen die Corona-Zeit erlebt. Die letzten 60-70 Tage haben gezeigt, so Waldron, dass Goldman Sachs die Automatisierung und Transformation von Prozessen schneller „auf die Strasse“ bringen kann, als man dies früher für möglich gehalten hatte. In einigen Bereichen, in denen man „menschliches Eingreifen“ früher unerlässlich fand, habe man dieses mittlerweile beseitigt.

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