Nicht kochen oder putzen müssen: Junge Banker ziehen wieder bei den Eltern ein

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Nicht kochen oder putzen müssen: Junge Banker ziehen wieder bei den Eltern ein

Abends ab 20 Uhr im Büro auf Kosten des Arbeitgebers Essen bestellen – besser kann es doch kaum kommen. Oh doch – man denke an selbstgekochtes Essen zuhause bei den Eltern, die sich ausserdem auch noch um die Wäsche kümmern, während man selbst im Dienst des Arbeitgebers jeden Tag 12 Stunden vor dem Bildschirm verbringt. So sieht sie aus, die neue Lebenswelt von jungen Investmentbankern während des Corona-Lockdowns.

„Ich bin bei meinen Eltern, weil meine Mutter mich rund um die Uhr bekocht“, so ein Analyst bei einer US-Bank, der zurzeit vom Gästezimmer seines Elternhauses an der amerikanischen Ostküste aus arbeitet. „Sie darf wegen der Kontaktbeschränkungen nicht arbeiten gehen und hat nichts zu tun. Im Büro bestelle ich fast immer Essen, weil ich quasi rund um die Uhr arbeite, aber bei meinen Eltern gibt es jetzt Truthahn und selbstgekochte Suppen.“

Als im März der Lockdown ausgerufen wurde, stellten manche Banken ihren Analysten und Associates frei, ob sie in London oder New York bleiben oder wieder bei ihren Eltern einziehen wollten. Letzteres schien vielen die bessere Option zu sein.

„Zuhause bei meinen Eltern bin ich genauso produktiv wie im Büro“, sagt ein Analyst, der bei einer US-amerikanischen Bank in London arbeitet und zurzeit im Home Office in Frankreich  sitzt. „Die Hausarbeit wird hier von anderen erledigt und ich spare mir den Weg ins Büro“, fügt er hinzu.

Die meisten, die den Lockdown zuhause verbringen, sind in einer ähnlichen Zeitzone. „Die Vorgabe war, dass man maximal zwei Stunden von der britischen Sommerzeit abweichen darf“, berichtet ein Berufsanfänger, der als Analyst bei einer Boutique in London arbeitet und den Lockdown in seiner Heimat in Italien verbringt. „Viele junge Banker sagen, dass sie schlicht aus Bequemlichkeit wieder bei den Eltern eingezogen sind.“

Und doch gibt es auch Hindernisse. Der junge Banker, dessen Mutter ihm Truthahn kocht, berichtet, dass er im Gegenzug im Haushalt helfen und mit dem Hund gehen muss. Ein junger Goldman-Sachs-Mitarbeiter, der aktuell in Spanien ist, erzählt dass seine Eltern doch recht überrascht waren, dass er sogar während der Mahlzeiten ans Telefon gehe. „Sie fanden das total übergriffig und konnten nicht verstehen, dass ich aufstehe und Anrufe von Kollegen entgegennehme.“

Auch für Eltern kann es schwierig sein, ihre schwer beschäftigten Kinder wieder zuhause zu haben. Ein Headhunter, der zurzeit im Home Office ist, berichtet von seinem Sohn, der im Finanzwesen arbeitet und den elterlichen Esstisch zum Büro umfunktioniert hat. „Überall fliegen seine Unterlagen rum.“

Bei den meisten scheint es allerdings gut zu laufen. Eltern freuen sich, ihre erwachsenen Kinder, die sonst sowohl unter der Woche als auch am Wochenende arbeiten, endlich einmal zu sehen. Und die Kinder wiederum werden umsorgt und können sich so voll und ganz in ihre Arbeit stürzen. „Ich habe hier alles, was ich brauche und es ist hier viel sicherer als in einer Grossstadt“, so der Banker an der Ostküste. „Meine Eltern merken erst jetzt, wie fordernd meine Arbeit ist. Ich kann mir meine Zeit allerdings selbst einteilen, mir Zeit für das gemeinsame Essen nehmen und mich danach wieder an den Schreibtisch setzen“, so der Analyst, der bei der Boutique arbeitet.

Könnten sich junge Banker daran gewöhnen, dauerhaft bei ihren Eltern zu leben? „Es ist nicht ideal, aber ich denke, dass die meisten wegen der beruflichen Möglichkeiten und dem sozialen Umfeld in London sind“, so der oben genannte Analyst. „Wenn beides wegfällt, ist es einfach bequemer, bei den Eltern zu sein. Man kann Familie auf eine Art und Weise erleben, für die normalerweise die Zeit fehlt.“

Und dennoch sagen die meisten der Jungbanker, dass sie nicht auf Dauer bei den Eltern leben wollen. „Ich denke, mir würde die Atmosphäre im Büro fehlen”, gibt einer an. Ein anderer befürchtet, zuzunehmen – die Mutter backe so gut. „Ich stecke mir einen Cookie nach dem anderen rein, die sind wirklich gefährlich… Da hilft nur der Sport mit meinem Vater – der ist ein echter Fitness-Freak.“

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