Wie ein Managing Director das Coronavirus auf dem Trading Floor einschleppte

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Wie ein Managing Director das Coronavirus auf dem Trading Floor einschleppte

In einem Enthüllungsbericht über die Woche vom 9. März, dem Beginn der Coronavirus- und Börsenkrise, berichtet das Wall Street Journal über einen Fall von COVID-19 auf dem Trading Floor der JP Morgan-Zentrale in der Madison Avenue. Pikant: Es handelt sich dabei um einen Managing Director.

JP Morgan hatte sämtliche Mitarbeiter weltweit am 13. März ins Home Office geschickt. In der Woche zuvor waren nach Angaben des Wall Street Journals noch nicht alle Mitarbeiter der Bank mit einem Computer ausgestattet. Doch auch dort, wo es genügend Computer gab, wurde Händlern anscheinend davon abgeraten, ins Home Office zu gehen – man fürchtete, dass die Performance dort einbrechen würde. Angeblich wurde zudem darauf verwiesen, dass die Leistung in der Phase der hohen Börsenvolatilität entscheidend sei für die Höhe der Bonuszahlungen – hiermit wurde ein weiterer Anreiz dafür gesetzt, Präsenz im Büro zu zeigen. Ein solches Missverhalten wird allerdings keineswegs nur JP Morgan, sondern auch vielen andere Banken vorgeworfen – insbesondere in den Tagen Anfang März, als die Bedrohung durch das Virus noch nicht absehbar war und Home Office vielen als sehr drastisch erschien.

Sowohl bei JP Morgan als auch bei Goldman Sachs  war das Virus jeweils durch einen Managing Director eingeschleppt worden, der mit COVID-19-Symptomen ins Büro gekommen war. Während sich bei Goldman Sachs (soweit bekannt) niemand ansteckte, infizierten sich bei JP Morgan 20 Mitarbeiter auf dem Trading Floor. 65 weitere mussten darüber hinaus in Quarantäne geschickt werden. Der Managing Director war Berichten zufolge am 9. März mit Husten auf dem Trading Floor im fünften Stock der JP Morgan Zentrale eingetroffen. An den Börsenmärkten ging es an diesem Tag drunter und drüber. Der Mitarbeiter habe den ganzen Tag über gehustet und sich zunehmend schlechter gefühlt. Am darauffolgenden Tag sei er zuhause geblieben – zu spät allerdings, da sich bereits Kollegen angesteckt hatten. JP Morgan scheint diesen anfänglichen Fehler durch eine langsame Kommunikation über die Infektion zusätzlich verschlimmert zu haben (Mitarbeiter wurden tagelang nicht informiert), zudem habe man die Infizierten nicht konsistent beraten.

Mitarbeiter wurden angewiesen, dem Büro sieben Tage lang bzw. bis zum Abklingen der Symptome fernzubleiben, danach aber wieder zu kommen, gemäss der damals geltenden CDC-Leitlinien. Zudem wurde gesagt, dass Husten allein kein Anzeichen für eine Infektion sei. Viele wollten sich dem Büro fernhalten. Doch auch dies soll bei anderen Banken genauso gewesen sein.

Erst am 13. März erklärte JP Morgan, dass möglichst alle Mitarbeiter ins Home Office gehen sollten und kam damit anderen Banken zuvor. Dennoch bleiben Büros wie Trading Floors in Back-Up-Büros wie Basingstoke, UK, weiter besetzt – einige der Mitarbeiter dort wurden vor Ort untergebracht, würden aber lieber zuhause in London im Home Office arbeiten. Auch bei anderen Banken arbeiten Rumpfteams mit Tradern und Support-Personal noch in den Büros.

Man bemüht sich, die Mitarbeiter, die nach wie vor ins Büro kommen, zu schützen: Es gibt Desinfektionsmittel, bei JP Morgan wurden die Schreibtische weiter auseinander gerückt. Ob es auch Gesichtsmasken gibt, bleibt unklar. Gleiches gilt für Goldman Sachs. Ob Masken helfen, wenn man mit Kunden telefoniert, sei freilich dahingestellt.

Der Fall bei JP Morgan in der Madison Avenue zeigt, welches Risiko damit einhergeht, wenn ein infizierter Mitarbeiter ins Büro kommt – dies gilt umso mehr angesichts der Tatsache, dass Trader, Compliance-Mitarbeiter und Risk-Profis branchenweit weiter in die Büros kommen. Da die Bonuszahlungen dieses Jahr ohnehin (fast vollständig) ausfallen könnten, dürfte sich der ein oder andere Händler fragen, ob es das Risiko noch wert ist.

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