Banker sagen, dass zu wenig getan wird, um sie vor dem Virus zu schützen

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Banker sagen, dass zu wenig getan wird, um sie vor dem Virus zu schützen

Vor dem Auftreten des Coronavirus war Wellness bei Banken ein grosses Thema. Ob „Talks at Goldman Sachs“ oder Rennrad-Events für Kunden bei Barclays – es ging darum, Mitarbeiter sowohl geistig als auch physisch voranzubringen. In den letzten Wochen schien das Bekenntnis der Banken zu ihren Leuten allerdings zu bröckeln. Und einigen fällt dies durchaus auf.

„Bei uns hat diese Woche ein Bereichsleiter eine Ansprache gehalten, in der es die ganze Zeit um ‚verantwortungsbewusstes Wachstum‘, ‚business as usual‘ und ‚wir machen unsere Arbeit weiter‘ ging“, berichtet ein Vice President einer US-amerikanischen Investmentbank. „Es wurde getan als sei der Virus keine grosse Sache – und wir alle fragten uns, was um alles in der Welt da los ist.“ 

In der Öffentlichkeit haben einige Banken den richtigen Ton getroffen. Joe Montesano, Head des US-Aktienhandels bei Goldman Sachs sagte vor wenigen Tagen, dass die Sicherheit der Mitarbeiter für Goldman Sachs an erster Stelle stehe. „Es gilt die Devise ‚health before wealth‘, und die Gesundheit unserer Leute ist für uns das wichtigste“, sagte Montesano.

Gleichzeitig beklagen Goldman-Sachs-Mitarbeiter in New York in vertraulichen Gesprächen, dass sie sich verpflichtet fühlen, ins Büro zu kommen obwohl sie nicht wollen. Zwar hatte Goldman Sachs die Möglichkeit eingeräumt, von zuhause aus zu arbeiten, doch nur wenige trauten sich, dies in Anspruch zu nehmen. „Es wurden jede Menge Desinfektionsmittel und Schilder mit Warnhinweisen verteilt“, sagte einer. „Wenn man von zuhause aus arbeitet, dann kann einem das als Schwäche ausgelegt werden. Man riskiert, an Deals nicht mitarbeiten zu können und am Jahresende gesagt zu kriegen, dass man kein Teamplayer sei.“

Die Klagen über Goldman Sachs könnten gestern zum Schweigen gebracht worden sein, als die Bank den Grossteil ihrer Angestellten in Nordamerika und Europa in zwei Gruppen aufteilte, die nun im Zwei-Wochen-Takt zwischen zuhause und dem Büro rotieren sollen. Dasselbe Vorgehen findet auch bei JPMorgan in New York statt, auch wenn die Vereinbarung für einige Mitarbeiter aus den Bereichen Sales und Trading nicht gilt. Die Bank sagt, dass nur 25 bis 50 Prozent ihrer Leute Ende des Monats noch von zuhause aus arbeiten sollten.

Andere Banken scheinen langsamer zu reagieren. JPMorgan hatte im Februar alle nicht-notwendigen Dienstreisen verboten – bei Morgan Stanley erfolgte dies erst gestern. Zudem wurde dort angekündigt, dass nicht ‚notwendige’ Mitarbeiter zuhause bleiben könnten.

Einige der schrillsten Klagen scheinen von der Bank of America zu kommen, die – Stand gestern – ihre Mitarbeiter noch nicht in zwei Teams aufgeteilt hat. Ebenso wenig hatte die Bank in New York oder London dazu aufgerufen, von zuhause aus zu arbeiten – und das obwohl Mayor Bill de Blasio in New York City bereits am Donnerstag den Notstand ausgerufen hatte. Doch damit nicht genug: Vor wenigen Tagen hatte Bank of America in einem Schreiben kategorisch erklärt, dass Mitarbeiter in New York weiter ins Büro kommen sollten. „Wenn man irgendwo in Jacksonville, Florida sitzt, dann kann man sowas natürlich leicht verfügen“, klagt ein Vice President der Bank, der in New York arbeitet. „Ich muss jeden Tag mit der U-Bahn zur Arbeit fahren“, sagt er, „und zwar mit der Linie nach New Rochelle, auf der die Ansteckungsgefahr am höchsten ist. Andere Banken haben ihre Angestellten dazu aufgerufen, von zuhause aus zu arbeiten, bei uns aber ganz und gar nicht.“

Wie besorgt die Mitarbeiter der Bank of America sind, zeigt auch die Tatsache, dass zu einer Betriebsversammlung Anfang der Woche kaum Leute persönlich erschienen waren. Es wird berichtet, dass Geoff Greener, Head of Risk, die Versammlung in einem Auditorium mit mehreren hundert Plätzen abgehalten habe. „Es waren nur etwa zehn Leute da“, sagt ein Risiko-Spezialist. „Alle anderen haben sich per Telefon eingewählt.“

Bank of America wollte sich auf Anfrage nicht äussern, die Bank könnte ihr Vorgehen allerdings heute ändern. Ein Insider in der Bank erklärte dass Anne Walker, Market President der Bank in New York City, gestern Abend per E-Mail mitgeteilt habe, dass es demnächst einen Home-Office-Plan geben werde.

Die Mitarbeiter der Bank of America in London geben an, dass sie auf eine solche Mitteilung noch warten. „Es gibt hier unglaublich viel Frust darüber, dass die Unternehmensführung nicht handelt“, sagt ein Investment Banker in Canary Warf. „Wir bekommen jeden Tag E-Mails mit Informationen zum Virus, die allerdings sehr allgemein sind. Bis dato gab es keinerlei Hinweise, wie wir unser Arbeitsverhalten ändern sollen oder wann Notfallpläne in Kraft treten werden.“

Einige Inisder bei Bank of America sagen, die Klagen seien nicht gerechtfertigt. Die Bank folge lediglich den Anweisungen der Regierung und der übrigen Branche. „Ich habe hier keinerlei Klagen gehört. Alle sind happy und halten zusammen, für das Unternehmen und die Kunden“, sagt einer.

Ob gerechtfertigt oder nicht – die geäusserte Verunsicherung lässt darauf schliessen, dass die Mitarbeiter Gewissheit brauchen und dass einige fürchten, diese nicht zu bekommen.

Es könnte im eigenen Interesse der Bank liegen, den Mitarbeitern Sicherheit zu geben. André Spicer, Professor für „Organizational Behaviour“ bei der Cass Business School, erklärt dass Menschen dazu neigen, konservativer zu werden, wenn sie von Krankheit bedroht sind bzw. ihre Gesundheit gefährdet ist. „Das bedeutet, dass die Leute alles meiden, was irgendwie riskant scheint und komplett auf Sicherheit setzen, was wiederum ihr Urteilsvermögen behindert“, merkt er an.

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