„Die Millennials in meinem Team ziehen nicht mit“

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„Die Millennials in meinem Team ziehen nicht mit“

Es ist gerade Mal Ende Januar und ich bin schon jetzt erschöpft. Es wird oft vergessen, wie erbarmungslos es sein kann, über die Weihnachtstage im Investmentbanking zu arbeiten – die Wirklichkeit ist härter, als die meisten es sich vorstellen. Und die Arbeitshaltung von jüngeren Banker-Kollegen macht das Ganze nicht gerade einfacher.

Ich habe meine Karriere in der Finanzbranche vor über zehn Jahren begonnen und versuche mir immer wieder vor Augen zu führen, wie viel Glück ich habe. Lange Zeit war unklar, ob ich es überhaupt schaffen würde, in der Branche Fuss zu fassen – ich musste kämpfen und Überstunden in einem anderen Job machen, um den Einstieg hinzukriegen. Ich weiss, dass einem nirgendwo etwas geschenkt wird, auch ausserhalb der Finanzwelt nicht. Seitdem ich im Banking bin, gebe ich alles und mache Überstunden, um Kunden zu gewinnen – und das ist in einer europäischen Bank nicht einfach. Mein Arbeitsethos ist einer der Gründe, weswegen ich wieder und wieder befördert worden bin.

Die jüngeren Kollegen in meinem Team teilen diese Haltung nicht. Die Generation der Millennials im Banking ist nicht bereit, ihren Beitrag zu leisten. Noch schlimmer ist, dass Managing Directors der alten Garde nicht anerkennen, dass die Arbeitseinstellung von jungen Analysten und Associates tatsächlich ein Problem darstellt. Es ist vergleichbar mit der globalen Erwärmung: Ich muss mit arbeitsscheuen jungen Kollegen klarkommen, während die MDs deren Existenz leugnen.

Nicht alle jungen Leute sind so, aber bei der Bank, bei der ich arbeite, ist der Begriff „Millennial“ mittlerweile gleichbedeutend mit „faul und desinteressiert“ – ein Millennial ist jemand, der keinen Sinn darin erkennt, sich anzustrengen. Ebensowenig Sinn haben Millennials für Zusammenarbeit und Anteilnahme: Sie begnügen sich damit, den ganzen Tag mit ihren Noise-Canceling-Kopfhörern dazusitzen, alle anderen um sich herum zu ignorieren, ihre Arbeit zu machen und dann zu gehen.

Ich sehe ein, dass man von jemandem, der jeden Tag bis 2 Uhr morgens arbeitet, kaum verlangen kann, empathisch zu sein. Als ich Berufsanfänger war, waren wir es allerdings trotzdem: Wir sassen bis in die frühen Morgenstunden am Schreibtisch, aber wir redeten miteinander, gingen zusammen essen, suchten den Kontakt zu älteren Kollegen und stürzten uns gemeinsam auf e-Mails, um dem Team zu helfen. All dies erlebe ich heute nicht mehr.

Die junge Generation scheint für die Arbeit im Investmentbanking nicht geeignet zu sein. Es geht ihnen vor allem um ihre „Work-Life-Balance“ und darum, ihre Arbeit mit möglichst wenig Aufwand zu erledigen. Aufgaben werden so schnell wie möglich abgehakt, auch wenn die Qualität leidet – und sie sind überhaupt nicht intrinsisch motiviert. Dies ist traurig: Sich mit der eigenen Arbeit zu identifizieren, kann sehr erfüllend sein. Für mich ist all dies auch frustrierend: Ich identifiziere mich mit meinem Tun, ich habe ungezählte Nächte durchgearbeitet – und trotzdem muss ich jetzt auch noch die Arbeit übernehmen, die andere nicht zu leisten bereit sind.

 

Damian Mich ist ein Pseudonym.

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