Die Wahrheit über Schlaf im Banken- und Finanzsektor

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Die Wahrheit über Schlaf im Banken- und Finanzsektor

Als wir Anfang der Woche nach Vorsätzen für 2020 fragten, gab keiner der Befragten an, mehr Schlaf bekommen zu wollen. Dies überrascht: Schlaf ist ein grosses Thema, ganz besonders in der Bankenwelt.

Schlaf im Investmentbanking

Der Bereich Investmentbanking ist bekannt für lange Arbeitszeiten. Hier wird 80 bis 100 Stunden pro Woche gearbeitet – man sitzt regelmässig bis 1 Uhr nachts am Schreibtisch.

Eine Londoner Analystin Mitte zwanzig berichtete uns, dass sie unter der Woche vier Stunden schlafe und den Schlaf am Wochenende nachhole. Ein Investmentbanker in New York City sagte, dass er sich weniger an den langen Arbeitszeiten an sich störe, sondern an der Intensität und Unvorhersehbarkeit der Arbeitsbelastung. „Woche für Woche, jahrein, jahraus… eine E-Mail oder eine Pressemitteilung genügt, und schon muss wieder eine Nacht durchgearbeitet werden.“

Ein Fünftel aller Beschäftigten im Investmentbanking gibt an, weniger als fünf Stunden pro Nacht zu schlafen. Die anhaltende Erschöpfung in diesem Bereich hält an – auch wenn Banken versuchen, die Arbeitszeiten für jüngere Mitarbeiter einzuschränken. So bemühen sich die Banken darum, die Wochenenden frei zu halten, aber junge Investmentbanker sagen, dass dies kaum gelingt. Beklagt wird, dass man sich an „freie Wochenenden“ nicht halte, und dass der „freie Samstag“ lediglich dazu führe, dass donnerstags und freitags mehr gearbeitet wird, und dass man zwar den Samstag frei habe, aber am Sonntag wieder arbeiten müsse.

Besser sieht es in den Tech-Abteilungen der Banken aus: 95 Prozent der Beschäftigten hier sagten uns, dass sie mehr als fünf Stunden pro Nacht schlafen. Doch auch hier gab es Klagen über nächtliche Telefonate mit Vorgesetzten in anderen Zeitzonen.

Auch Beschäftigte in Compliance und Risk sind müde

Müde Banker finden sich nicht nur im Investmentbanking. Auch in den Prüfbereichen leiden Mitarbeiter unter Schlafmangel. Der Anteil derer, die weniger als fünf Stunden pro Nacht schlafen, ist überraschenderweise ähnlich hoch. Grund ist die Vergütung: Wer in einer „control function“ arbeitet, verdient weniger als Banker und Händler im front office, und wohnt tendenziell weiter ausserhalb, wo das Wohnen günstiger ist. Die Folge: Ein längerer Arbeitsweg und weniger Zeit im Bett.

Sales- und Trading-Jobs sind gut für die Schlafgewohnheiten, aber es gibt Ausnahmen

Möchte man gut verdienen und dennoch genug Schlaf bekommen, so scheint ein Job in Sales und Trading eine gute Wahl zu sein.

Tatsächlich haben allerdings auch diese Stellen ihre Nachteile. Angestellte in Sales und Trading gehen früh schlafen (50 Prozent gehen vor 22 Uhr ins Bett). Sie stehen allerdings auch früh auf (50 Prozent sind vor 6 Uhr wach). Trader geben an, dass ihre Arbeitszeiten „menschlicher“ seien. Gleichzeitig wird beklagt: „Man arbeitet in Sales und Trading von 7 bis 20 oder 21 Uhr, und verfolgt auch nachts die Nachrichtenlage, ist also mindestens 14 bis 15 Stunden täglich im `Arbeitsmodus`, und hat tagsüber noch nicht einmal Zeit, in Ruhe zu frühstücken oder Mittag zu essen.“

Die Müdigkeit nimmt zu, nicht ab

Anders als gemeinhin vermutet wird, wird eine Karriere im Finanzsektor nicht weniger anstrengend, wenn man älter wird.

Finanzprofis über 40 bekommen fast ebenso oft wie 20-25-jährige weniger als 5 oder 6 Stunden Schlaf. Die Erschöpfung erreicht zwischen 30 und 35 ihren Höhepunkt und steigt dann ab dem Alter von 40 Jahren erneut an. Erstgenanntes scheint mit der Familiengründung zusammenzuhängen („Kinder zu haben ist noch anstrengender [als Banker zu sein]“, sagte ein Befragter). Letzteres scheint schlicht am Älterwerden zu liegen.

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