Hört auf zu träumen: Im Banking wird nicht mehr gut verdient

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Hört auf zu träumen: Im Banking wird nicht mehr gut verdient

Nach fast drei Jahrzehnten als Trader habe ich aufgegeben. Ich habe die Finanzbranche komplett verlassen: Für Leute wie mich gibt es dort keine Jobs mehr.

Ich selbst bin Realist, aber ich kenne viele Leute, die es nicht sind. Die meisten meiner alten Kollegen sind – wie ich – nicht mehr am Markt, und bekommen von Headhuntern zu hören, dass sie einfach bis zum ersten Quartal nächstes Jahr abwarten sollen – als ob der Brexit und die UK-Wahl die grosse Wendung brächten. Als ob 2020 eine grosse Einstellungswelle käme. Es wird keine kommen.

Unsere Jobs werden nicht wiederkommen, und niemand wird wieder so gut wie früher verdienen. Mittlerweile läuft alles über Computer. Ein Fonds-Manager kann buchstäblich „Alexa“ bitten, Aktien zu kaufen und zu verkaufen – es braucht dazu keinen Händler mehr. Ich stehe im Kontakt zu über 40 der grössten Pensionsfonds und Asset Manager weltweit – doch warum sollte man über mich handeln, wenn ich 5 bis 7 Basispunkte als Marge behalte und ein Computer nur einen? Wer ein echter Trader ist, für den gibt es schlicht nichts mehr zu tun.

Liegt dies schwer im Magen? Ja, das tut es. Ich habe für meine Zulassung zahllose Prüfungen abgelegt, aber heutzutage kann sich jeder am Markt tummeln: Ein Computer braucht keine Qualifikationen und das aktive Verwalten ist tot. Als ich meine Laufbahn begonnen habe, waren wir 125 Händler auf dem Parkett, heute ist fast keiner von uns mehr dort. Lebensgrundlagen wurden zerstört und es gibt kein Sicherheitsnetz.

Die hohen Gehälter haben das Ganze nur noch schlimmer gemacht. Die hohen Vergütungen früher bedeuteten, Risiken einzugehen. Das Grundgehalt war gut, aber der Grossteil der Vergütung bestand aus Boni. In einem guten Jahr gab es einen dicken Bonus. In einem schlechten Jahr war dieser nicht so üppig. Aufgrund von EU-Regulierungen mussten Gehälter steigen, Boni wurden gedeckelt – wenn Banken wieder profitabel werden wollen, müssen sie Personal abbauen und ihre Kosten senken.

Wer also für 2020 mit einer Einstellungswelle rechnet, sollte aufhören zu träumen. Sie wird nicht kommen. Das Risko liegt nicht mehr bei den Mitarbeitern, und diese sind ihre hohen Gehälter nicht mehr wert. Banking ist kein Personengeschäft mehr und nicht einmal Hedgefonds können noch Rendite machen.

Ich war immer davon ausgegangen, dass ich durchkomme, wenn ich mich gut spezialisiere, aber dies ist nicht mehr der Fall. Das Bankgeschäft hat sich verändert: Zeit, den Horizont zu weiten. Ja, das wird erst einmal wehtun, aber es ist nötig, die Niederlage hinzunehmen und die Karriere neu auszurichten. Je früher man sich das eingesteht, desto besser wird es einem langfristig gehen.

Keith Williams (Pseudonym) ist einer der langjährigsten (Ex-)Aktienhändler Londons.

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