Ehemaliger Goldman Sachs-Banker schildert einen Geschäftsführer am Rande des Burnouts

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Ehemaliger Goldman Sachs-Banker schildert einen Geschäftsführer am Rande des Burnouts

Wie fühlt es sich an, als Geschäftsführer einer Investmentbank vor dem Burnout zu stehen? Andrew Stead, vormals Executive Director bei Goldman Sachs und ehemaliger Chef des Handels mit europäischen Wandelanleihen, kennt dies nicht aus eigener Erfahrung – doch er kennt jemanden, bei dem dies der Fall ist.

Wie zuvor berichtet, arbeitet Stead nicht mehr im Bankwesen. Er hat die Branche nach knapp zehn Jahren 2004 verlassen und ist mittlerweile als Happiness-Coach tätig. In dieser neuen Funktion begegnete Stead einem Geschäftsführer aus dem Sales-Bereich, der am Rande eines Zusammenbruchs stand.

Der betreffende Geschäftsführer, so berichtet Stead auf seinem Blog, war Ende 40, hatte zwei Kinder, eine „äusserst erfolgreiche Bankkarriere“, und war seit 15 Jahren verheiratet. In seiner Niederlassung war er einer der grössten Umsatzträger und hatte in seiner Zeit dort das Geschäftsvolumen vervierfacht. Doch nicht alles lief gut.

Die Ausgaben für seinen Lebensstil führten dazu, dass er seine Stelle halten musste – schliesslich galt es, Schulgebühren zu bezahlen. Ständiges Reisen war unabdingbar: Der Geschäftsführer war auf drei Kontinenten tätig. Stress und Erschöpfung gewannen die Oberhand.

Der Geschäftsführer „litt so sehr unter Stress, dass er Panikattacken hatte, sowohl zuhause als auch im Büro“, so Stead. Am Wochenende verliess er das Haus nicht, sondern lag „erschöpft im Bett“, stand „teilweise noch nicht einmal zum Essen auf“. In der Folge verlor er den Bezug zu seinen Kindern – und seine Frau war enttäuscht, seine Abkapselung beunruhigte sie. Die Scheidung stand im Raum.

Im Büro sah es nicht viel besser aus. Auch wenn der Geschäftsführer, so berichtet Stead, sich bei der Arbeit zusammenriss, vergass er doch immer wieder Termine, brachte Kundenspezifika durcheinander und hatte Wutausbrüche vor seinem Team. Binnen eines Jahres hatte er drei Sekretärinnen verschlissen.

Was konnte in dieser Situation getan werden? Stead würde eine Intervention durch einen Branchenkenner wie ihn selbst raten. An anderer Stelle hatte er gesagt, dass Banken bestimmte Persönlichkeitstypen anziehen und einstellen – typischerweise „unsichere Streber“, die „sehr kompetent und bereit zu Überstunden sind“, und die keinen Halteknopf haben.

Im Fall des betreffenden Geschäftsführers, so Stead, bestand der erste Schritt darin, den heftigen Stress zu lösen und ihm wieder Raum zum Atmen zu geben. Mentalübungen halfen dabei, Emotionen und Wut zu entladen. Der Geschäftsführer begann mit Tai Chi. „Die wiedergewonnenen Ruhe schlug sich deutlich in seiner Arbeit nieder und seine persönlichen Beziehungen kamen wieder ins Gleichgewicht“, so Stead.

Es war kein einfacher Weg. Wie die meisten erfolgreichen Männer wollte sich der Geschäftsführer, so Stead, den Ernst der Lage nicht eingestehen. Hilfe in Anspruch nehmen wollte er nicht – er befürchtete, dass dies seine Karriere und seine Vergütung gefährden könnte.

„Das offensichtliche Problem der Branche ist die Geld-Besessenheit“, hatte Stead an anderer Stelle gesagt. „Direkt nach der Uni ist es nicht schlecht, gut zu verdienen. Fünf oder zehn Jahre später wird Geld dann aber zur einzigen Messgrösse, anhand derer das Leben beurteilt wird.“

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