Trader werden es in Zukunft ruhiger angehen lassen können

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Trader werden es in Zukunft ruhiger angehen lassen können

Trader verdienen normalerweise sehr gut. Die Kehrseite sind lange Arbeitszeiten. Auf den europäischen Aktienmärkten wird von 8 bis 16.30 Uhr gehandelt. Dies klingt zunächst nicht weiter schlimm – Trader müssen allerdings schon mindestens eine Stunde früher an ihren Schreibtischen sitzen und anschliessend noch mindestens eine weitere Stunde lang bleiben. Die Association for Financial Markets in Europe setzt sich dafür ein, die Öffnungszeiten zu verkürzen.

Kürzere Öffnungszeiten sind meiner Meinung nach jedoch eine falsche Fährte. Ich bin seit über 20 Jahren Trader und denke, dass die Öffnungszeiten über die Jahre hinweg quasi bedeutungslos geworden sind.

Ich habe im Handel mit Zinssatzoptionen begonnen. Wir haben mit Britischem Pfund und Euro gehandelt und mussten zum Start der europäischen Märkte um 8 Uhr da sein. Unser Chef bestand darauf, dass alle um 7.30 Uhr da sein mussten – wer zu spät kam, musste dem ganzen Team Frühstück spendieren.

Nach Marktöffnung wurde manuell gehandelt. Aktienoptionen wurden über Voice-Broker gehandelt. Das Hedging erfolgte über eine primitive Web-Oberfläche, die von einem Menschen über ein Mauspad gesteuert wurde. Das Trading endete um 16.30 Uhr, das Büro verlassen konnte ich normalerweise um 17.30 Uhr, nachdem ich alle meine Trades abgezeichnet hatte.

Der Handelstag war anstrengend. Für strategische Aufgaben wie das Bepreisen von neuen Produkten blieb herzlich wenig Zeit. Mitunter blieb noch nicht einmal genug Zeit um zur Toilette zu gehen.

Später wechselte ich zu einem Hegdefonds, der systematisch handelte. Es ist allgemein bekannt, dass die Arbeitszeiten auf der Käuferseite sehr viel kürzer sind, und dies gilt insbesondere für Firmen im systematischen Trading.

Wir haben 24 Stunden am Tag gehandelt. Die offiziellen Arbeitszeiten gingen von 9 bis 17.30 Uhr mit einer Stunde Mittagspause. Wie an anderer Stelle beschrieben, war ich normalerweise um 8.15 Uhr im Büro und machte um 17.45 Uhr Feierabend.

Im systematischen Trading sind Handelsentscheidungen computergesteuert, sodass eine Büroanwesenheit während der Börsenzeiten fast nicht notwendig ist. Das Auf und Ab des Börsentages war eine lästige Ablenkung von meiner eigentlichen Aufgabe, dem Recherchieren von Tradingstrategien, die für viele Jahre Bestand haben sollten. Was es stattdessen gab, waren Teams aus ausführenden Tradern und IT Spezialisten, die im Schichtdienst von London und Hongkong aus tätig waren und die Computer überwachten.

Smarte Quant-Fonds behandeln ihre Researcher wie Wissenschaftler. Starre Arbeitszeiten sind hier nicht das Wichtigste. Es geht vielmehr darum, den Mitarbeitern Zeit und Raum zum Denken zu geben. Wenn ein super-smarter Analyst am besten spät abends arbeiten kann, dann reicht es, wenn er morgens erst um 10 Uhr ins Büro kommt.

Das Trading wird immer mehr von Computern dominiert und in der Folge hat sich der Händlerberuf radikal verändert. Statt manuell zu handeln, verbringen Trader ihre Zeit zunehmend damit, automatisierte Systeme zu überwachen.

Beim Überwachen der Systeme muss man während der gesamten Börsenzeiten anwesend sein. Wenn die Systeme stärker werden, kann diese Aufgabe jedoch an Fachkräfte im Schichtdienst abgegeben werden. Hierdurch bekommen Händler mehr Zeit, ihre automatisierten Tradingsysteme weiterzuentwickeln und neu einzustellen. Sie haben dann Zeit und Raum zum gründlichen Nachdenken – und feste Arbeitszeiten werden der Vergangenheit angehören.

Robert Carver has worked on the buy side as an options trader at Barclays, and on the sell side as Head of Fixed income at quantitative hedge fund AHL. He is the author of 'Systematic Trading', 'Smart Portfolios' and ‘Leveraged Trading’. Robert still uses computers to trade his own money, 24 hours a day whilst he spends his time cycling and thinking up new trading strategies.

Photo by Ben Sweet on Unsplash

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