Womit Studenten in einem Vorstellungsgespräch einer Investmentbank wirklich punkten

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Womit Studenten in einem Vorstellungsgespräch einer Investmentbank wirklich punkten

Photo by Daniel Jensen on Unsplash

Bei den Investmentbanken haben derzeit Vorstellungsgespräche für Einstiegsjobs Saison. Falls Ihr ein Absolvent seid, der im kommenden Jahr ein Praktikum oder einen Einstiegsjob als Analyst anstrebt, dann habe ich folgenden Ratschlag für Euch:

Leidenschaft verhilft Euch zu einem Job; das Abhaken von Punkten jedoch nicht.

Nachdem ich an sehr vielen Vorstellungsgesprächen mit Einsteigern teilgenommen habe, habe ich den Trend beobachtet, dass junge Kandidaten gerne Märchen von Investmentclubs und der Teilnahme an irgendwelchen Investitionswettbewerben erzählen als ob ihnen das einen Job brächte. Meistens ist das allerdings nicht der Fall.

Wer 21 Jahre alt ist, dürfte kaum eine eigene Investmentstrategie besitzen, die die Benchmarks übertrifft und eine Sharp-Ratio von 2 und mehr aufweist. Obgleich Eure Teilnahme an einem Investmentclub schön und gut ist, unterscheidet Ihr Euch damit nicht von der Masse der Bewerber. Den entscheidenden Unterschied machen vielmehr Persönlichkeit und Leidenschaft aus.

Wer bereits die automatisierten Hirevue-Interviews bewältigt hat, der bringt sicherlich die akademischen Voraussetzungen und die erforderlichen Kompetenzen für den Job mit. Deshalb geht es in den Vorstellungsgesprächen jetzt um Eure Persönlichkeit. Gebt also den Gesprächspartnern gute Gründe, um sich für Euch zu entscheiden. Sprecht bloss nicht über die gleichen Dinge wie alle anderen auch. Schliesslich werden Eure Gesprächspartner an dem gleichen Tag noch mindestens acht andere Kandidaten treffen und Eure Lebensläufe liegen ihnen ebenfalls vor. Falls sie also nicht den Investmentclub ansprechen, dann solltet Ihr das nicht von Euch aus tun.

Ein Beispiel stellt eine Bewerberin aus dem Master of Financial Engineering-Programm der Universität Berkeley dar, die ich vor ein paar Jahren im Vorstellungsgespräch hatte. Ihr Lebenslauf war spektakulär: 95 Prozent schien das schlechteste Ergebnis zu sein, das sie jemals bei einer Prüfung erhalten hatte. Darüber hinaus hatte sie ihre drei vorherigen Praktika in Private Equity und im Derivate-Geschäft absolviert. Allerdings gehörte sie zu einer Kohorte von ebenfalls sensationell guten Kandidaten und sie wäre wahrscheinlich unter diesen untergegangen, wenn sich nicht ein Wort unter ihren Hobbies gefunden hätte: „Horrorfilme“.

Als ich sie darauf ansprach, glaubte sie sich verteidigen zu müssen. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass sie tatsächlich selbst einige billige Horrorfilme produziert und dabei Regie geführt hatte. Obgleich sie studierte und nebenbei gearbeitet hat, fand sie doch genügend Zeit, um ihrer wahren Leidenschaft nachzugehen. Dazu musste sie sich um die Finanzierung, die Schauspieler und die Drehorte kümmern und die Drehbücher schreiben. Alles Dinge, die für die Bankenbranche relevant sind.

Bevor Ihr in ein Vorstellungsgespräch spaziert, müsst Ihr Euch überlegen, was an Euch und Eurem Leben einzigartig ist. Das macht Euch wesentlich interessanter als wenn Ihr im Lebenslauf nur das anführt, was jeder andere auch darin stehen hat. Ich werde die Top-Absolventin von Berkeley mit dem Faible für Horrorfilme niemals vergessen. Dagegen habe ich den Präsidenten des Investmentclubs des Imperial College mit Sicherheit vergessen.

Doch was macht man, wenn man keine vergleichbaren Leidenschaften hat? Dann müsst Ihr Euch welche zulegen! Sie werden Euer Leben bereichern und Euch höchstwahrscheinlich beim Einstieg ins Banking helfen. Wer regelmässig Vorstellungsgespräche führt, bemerkt rasch, wenn jemand ihm Interesse an Dingen vorgaukelt, von denen er glaubt, dass sie gerne gehört werden. Dagegen bleibt wahre Leidenschaft im Gedächtnis. Und in einem zunehmend umkämpften Markt für Einstiegsstellen sind es Leidenschaft und Persönlichkeit, die wahrscheinlich darüber entscheiden, ob jemand einen Job bekommt oder nicht.

Brennan Huff ist das Pseudonym eines ehemaligen Managing Directors mit 20 Jahren Berufserfahrung im Banking.

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