GASTBEITRAG: Welches ist die bessere Karriere für Sie: Consulting oder Banking?

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GASTBEITRAG: Welches ist die bessere Karriere für Sie: Consulting oder Banking?

Sind Sie auch ein Frühaufsteher? Photo by Jorge Vasconez on Unsplash

Was ist besser, eine Karriere im Investment Banking oder Consulting? Sollten Sie womöglich sogar das Banking zugunsten einer Karriere im Consulting aufgeben?

Genau dies war bei mir der Fall. Nach einer Karriere in der Aktienanalyse bin ich jetzt Consultant bei einer der drei grossen Strategieberatungen (McKinsey, Boston Consulting und Bain). Ich bedauere den Schritt nicht, aber sicherlich gibt es einige Punkte, die ich so nicht erwartet hätte wie etwa die Arbeitszeiten. Falls Sie auch vor der Frage stehen, in welcher der beiden Branchen Sie arbeiten wollen, dann habe ich hier einige Missverständnisse, Ähnlichkeiten und Unterschiede zusammengestellt, wie ich sie erfahren habe.

Consultants gehen nicht um 19 Uhr nachhause

Consultants haben eine deutlich bessere Work-Life-Balance als Aktienanalysten – nicht wahr? Dann dürften Ihnen Überraschungen bevorstehen.

70-Stunden-Wochen sind bei den Top-Strategieberatungen eher die Norm als die Ausnahme. Als Consultant verbringen sie Ihre Arbeitstage von Montag bis Donnerstag in den Büros der Kunden. Wenn Ihr Kunde um 18 Uhr Feierabend macht, gehen Sie in Ihre lokale Niederlassung oder Ihr Hotel, um weiterzuarbeiten. Vor 22/23 Uhr ist selten Schluss. Auch müssen Sie meist arbeiten, wenn Sie am Donnerstag nachhause reisen.

Dagegen dauerte meine Arbeitswoche im Aktienresearch nur 60 bis 65 Stunden und die Arbeitszeiten waren vorhersagbarer. Darüber hinaus müssen Sie ein Frühaufsteher sein. 6.30 bis 7 Uhr sind übliche Zeiten für den Arbeitsbeginn, was auf den Nachrichtenfluss vor der Markteröffnung zurückgeht. Der Vorteil dabei: Ihre Arbeitszeiten orientieren sich stärker an den Öffnungszeiten der Märkte, weshalb man nur selten länger als 20 Uhr im Büro sitzt.

Falls Sie also auf eine gute Work-Life-Balance aus sind, dann sollten Sie sich überraschenderweise für die Aktienanalyse entscheiden. Die gute Nachricht dabei: In keinem von beidem müssen Sie an den Wochenenden arbeiten.

Consulting wird sehr gut bezahlt

Die Bezahlung in der Aktienanalyse variiert je nach der Performance Ihres Teams, ihrer eigenen Leistung und der Grösse Ihres Arbeitgebers beträchtlich. Doch bei Analysten und Associates ist ein Bonus von 50 bis 80 Prozent nichts Aussergewöhnliches. Dagegen fällt die Gesamtvergütung von Consultants meist geringer aus, was besonders in Europa der Fall ist. In der Beratung belaufen sich die Boni normalerweise auf nur 10 bis 15 Prozent Ihres Grundgehalts.

Falls Sie vor allem für das Geld arbeiten, sollten Sie also die Aktienanalyse vorziehen.

Consulting ist weniger hierarchisch

Als Associate im Consulting arbeiten Sie eng mit dem Projektleiter zusammen. Sie haben auch Kontakt zu Ihren für das Projekt zuständigen Partnern, die an den Calls oder Meetings teilnehmen. Zwar ist diese Zusammenarbeit risikofrei, dennoch müssen Sie ständige Bewertungen über sich erdulden.

Im Vergleich dazu fällt das Aktienresearch weniger hierarchisch aus. Ihr Managing Director sitzt meist neben Ihnen, was eine informellere Zusammenarbeit erleichtert. Darüber hinaus hängt Ihre Performance im Aktienresearch viel mehr von dem Input von Leuten ab, mit denen Sie täglich zusammenarbeiten.

Im Consulting werden die Partner oft nach einer Einschätzung über Sie gebeten, auch wenn sie Sie nur während eines einzigen Calls kennengelernt haben. Dagegen besteht in der Vielfältigkeit der Aufgaben ein Vorteil des Consultings, weil Sie oft gleichzeitig an mehreren Projekten arbeiten.

Consultants hausen in Hotels in den Vororten

Sind wir einmal ehrlich: Die Situation wird im Banking – vor allem in Europa – nicht besser, was namentlich für die Aktienanalyse gilt. Mit der Einführung von MiFID II und dem Siegeszug der passiven Investmentstrategien geraten die Erträge der Banken unter Druck. Wer also im Aktienresearch in Europa anfängt, sollte sich also auf Einschränkungen bei Reisekosten und ausbleibende Gehaltssteigerungen einstellen.

Im Vergleich dazu geht es im Consulting opulent zu, weshalb Sie wahrscheinlich schneller befördert werden als in der Aktienanalyse. Auch müssen Sie sich keine grossen Sorgen um Gehaltssteigerungen machen. Diese stellen sich mit Ihrem Aufstieg auf der Karriereleiter automatisch ein. Während die Kosten in der Aktienanalyse wahrscheinlich weiter gedrückt werden, dürften Consultants weiterhin mit Stil reisen, Meilen sammeln und in schicken Hotels nächtigen. Auch werden sie häufiger an Kunden-Dinners in luxuriösen Restaurants teilnehmen.

Consultants sind Branchenspezialisten

Viele Denken, Consultants wären auf eine Branche spezialisiert, was eine arge Einschränkung darstelle. Im Laufe der Zeit ist das auch so. Doch am Karrierebeginn sind Consultants Generalisten und ihnen stehen daher vielfältigere Ausstiegsmöglichkeiten offen. Die meisten Leute verlassen das Consulting in Richtung Business Development, Strategiepositionen bei Grossunternehmen, Start-ups oder Private Equity-Gesellschaften.

Aktienanalysten können dagegen hauptsächlich zu normalen Fonds, Hedgefonds und Investor Relations wechseln. Wer sich breite Optionen offenhalten oder ins Private Equity gehen möchte, sollte lieber Consulting wählen.

Hier mein Ratgeber für die Entscheidungsfindung:

In die Aktienanalyse sollten Sie gehen, …

… wenn Sie sich leidenschaftlich für die Aktienmärkte und das Investieren interessieren und sich langfristig bei einem Fonds oder Hedgefonds sehen.

… wenn Sie kein Problem mit dem frühen Aufstehen haben und gerne in festen Teams arbeiten.

… wenn Ihnen die Bezahlung sehr wichtig ist.

Ins Consulting sollten Sie gehen…

… wenn Sie Erfahrungen in unterschiedlichen Branchen sammeln und mit wechselnden Teams und Kunden arbeiten wollen.

… wenn Sie Spass am Reisen haben.

… wenn Ihnen gute Ausstiegsmöglichkeiten wichtig sind. Viele renommierte Private Equity-Gesellschaften heuern gerne Consultants an.

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