Mit einer Verdopplung der Beschäftigung in Frankfurt ist Standard Chartered für den Worst-Case-Brexit bereit

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Mit einer Verdopplung der Beschäftigung in Frankfurt ist Standard Chartered für den Worst-Case-Brexit bereit

Foto: Getty Images

Noch ist unklar, ob der Brexit ein drittes Mal auf Ende Januar verschoben wird. Dennoch sind die meisten Auslandsbanken mit ihren Brexit-Vorbereitungen durch. So hat laut einem Insider die Bank of America ihr Personal von 80 auf 150 Mitarbeiter fast verdoppelt.

Auch die Standard Chartered Bank AG (Europa) hat ihren operativen Betrieb im März in Frankfurt aufgenommen. Nach dem ersten Geschäftsbericht für 2018, der noch aus der Anlaufphase stammt, will die britische Bank in der neuen Gesellschaft 260 Mitarbeiter beschäftigen.

„Wir sind mit den Brexit-Vorbereitungen durch. Derzeit beschäftigen wir rund 230 Mitarbeiter“, erzählt Standard Chartered (Europa)-Chef Heinz Hilger. In Frankfurt sei die Beschäftigung von 100 auf 200 Mitarbeiter verdoppelt worden. Hinzu kämen noch ca. 35 Mitarbeiter in Paris und Skandinavien. „Das stellt aber auch etwa eine Verdoppelung dar“, ergänzt Hilger.

Die meisten Stellen seien in Risikomanagement, Compliance und Regulierung geschaffen worden, wie sie für den Erhalt einer Banklizenz erforderlich sind, die Standard Chartered Ende Dezember in Frankfurt erhalten hat. „Sie müssen der Finanzaufsicht nachweisen, dass Sie solche Funktionen ab ‚day one‘ bewältigen können“, erzählt Hilger. Dies wäre nach der ursprünglichen Brexit-Planung Ende März der Fall gewesen.

„Es gibt aber auch Funktionen, die erst ab ‚day two‘ in Frankfurt angesiedelt sein müssen.“ Dazu gehörten vor allem einzelne Funktionen im Bereich Financial Markets Sales & Trading , die noch nicht alle von London nach Frankfurt verlagert worden sind. Sie müssen erst von Frankfurt aus arbeiten, wenn sich hier tatsächlich das Geschäftsvolumen aufbaut.

Hilger betont, dass selbst bei einem harten Brexit keine umfangreichen Änderungen über die bisherigen Planungen hinaus erforderlich würden. „Wir sind – wie andere Banken auch – bereits von einem Worst-Case-Szenario ausgegangen“, versichert Hilger.

Von den bereits hundert in Frankfurt geschaffenen Stellen seien rund 60 intern besetzt worden. Diese kämen aber nicht nur aus London, sondern auch den Konzernstandorten weltweit. „In Frankfurt arbeiten mittlerweile 28 Nationen für Standard Chartered“, betont Hilger. Der Rest sei mit externen Kandidaten besetzt worden.

Fortan will Standard Chartered von Frankfurt, Paris und Skandinavien aus Dienstleistungen in „Debt Capital Markets, Projekt- und Exportfinanzierung, Handel, Corporate Finance, Kreditvergabe, usw.“ anbieten. „Abgesehen vom Sales & Trading sind alle erforderlichen Mitarbeiter schon vor Ort“, versichert Hilger.

„Es macht viel Spass, mit den neuen Kollegen aus den Produktbereichen zusammenzuarbeiten“, erzählt Hilger. Vertriebsmitarbeiter könnten mit den Produktexperten gegenüber den Kunden viel überzeugender auftreten.

Erstaunlicherweise scheint Standard Chartered wenig Probleme gehabt zu haben, Kollegen von anderen Konzernstandorten von Frankfurt zu überzeugen. „Am meisten überrascht waren sie über die kurzen Pendelzeiten in Frankfurt. Da bleibt einfach mehr Zeit für die Familie“, sagt Hilger.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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