Trotz Aussicht auf einen harten Brexit haben es Londoner Banken nicht eilig umzuziehen

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Trotz Aussicht auf einen harten Brexit haben es Londoner Banken nicht eilig umzuziehen

Photo by Erik Odiin on Unsplash

Angesichts der Aussicht auf einen harten Brexit sollten die Banken eigentlich nichts Besseres zu tun haben, als ihr Personal von London nach Frankfurt oder Paris zu verlegen. Doch das ist nicht der Fall. Wie Trader warten die Banken ab, was aus der Angelegenheit herauskommt.

„Während des gesamten Brexit-Prozesses waren die Banken der Entwicklung immer einen Schritt voraus“, erzählt ein Personalvermittler. „Sie haben die erste Runde von Leuten vor der offiziellen Deadline verlegt, doch seither haben sie den Leuten Verträge gegeben, die eine Option auf einen kurzfristigen Umzug enthält. Einige haben die Gelegenheit ergriffen, andere nicht.“

„Die Umzugspläne wurden angehalten – ausser für die Leute, die gehen wollen“, erzählt ein anderer Personalvermittler aus London.

Die Banken geben ihre Brexit-Pläne ungern preis, dennoch werden Informationen immer wieder durchgestochen. So ist JP Morgan beispielsweise darauf vorbereitet, ihre Leute im letzten Moment am 31. Oktober zu verlegen. Im vergangenen Oktober hat Citi angekündigt, 63 Mitarbeiter nach Frankfurt zu transferieren, nachdem anfangs von einer Verlegung von bis zu 250 Jobs die Rede gewesen war. Auch Goldman Sachs will bis zum Ende des Quartals in seine neuen, wesentlichen grösseren Räumlichkeiten im Frankfurter Marienturm umziehen. Lediglich die Bank of America hat den Umzug tatsächlich schon bewältigt und ein altes Postgebäude im achten Pariser Arrondissement bezogen.

Doch selbst die Bank of America lässt sich nicht zur vorschnellen Verlegung zusätzlichen Personals drängen. Derzeit beherbergt die Pariser Niederlassung 300 Mitarbeiter, für weitere 100 wäre Platz. Zwischenzeitlich heuert die Bank of America lieber Trader vor Ort an, als sie von London zu transferieren. Im Juli hat die Bank den Aktienhändler Michael Voltz von Morgan Stanley in Paris abgeworben, Equity Sales-Trader Mickael Chouraqui von der Credit Suisse und Christine Majdalani von Sycomore Asset Management. Im Juni wurde Equity Derivative Sales Valentin Malrieux von Goldman Sachs in London nach Paris geholt.

Die US-Banken haben mehr Vorsorge getroffen als ihre europäischen Rivalen, die allerdings ohnehin gut in Kontinentaleuropa vertreten sind. „Amerikanische Banken haben immer stark auf London gesetzt und nur wenig Infrastruktur in Kontinentaleuropa unterhalten. Daher haben sie auch mehr Hausaufgaben zu erledigen“, erzählt ein Insider einer europäischen Bank. Institute wie die Credit Suisse haben zwar wenige Mitarbeiter vor Ende März transferiert, seither ist aber wenig geschehen. Die branchenweite Brexit-Pause wird von Rechtsanwälten bestätigt, die für Trader an den erforderlichen Änderungen ihrer Arbeitsverträge arbeiten. „Ich habe Leuten zu tun gehabt, wo alles ‚on hold‘ gestellt wurde“, sagt Rechtsanwalt Dan Begbie Clench von der Kanzlei Doyle Clayton. „Der Umzug wurde für den ursprünglichen Brexit-Termin geplant, doch seit der Termin verschoben wurde, warten alle, was als nächstes passiert.“

Gleich wie das Brexit-Drama endet, würden die meisten Sales & Trading-Mitarbeiter lieber in London bleiben. „Wir kennen nicht viele Kandidaten, die proaktiv von London nach Paris oder Frankfurt gehen wollen“, sagt Personalberater Kumaran Surenthirathas von Rosehill Search. „Es sieht so aus, dass die meisten Leute auf dem Markt lieber in London bleiben wollen, weil es das Finanzzentrum Europas wenn nicht der Welt ist.“

Für viele Banken spielen die EU-Erträge nur eine vergleichsweise geringe Rolle. 2017 sagte Credit Suisse-Finanzchef David Mathers, dass der Brexit lediglich 15 Prozent des Umsatzes in Grossbritannien betreffe. In diesem Jahr bezifferte Mathers den Anteil der EU 27 in der Sparte Global Markets der Credit Suisse auf lediglich 2 Prozent. Aus diese Sicht relativiert sich die Bedeutung des Brexits.

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