Wieso die Leute von grossen Namen besessen sind und was man bei einer Absage unternehmen kann

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Wieso die Leute von großen Namen besessen sind und was man bei einer Absage unternehmen kann

Wer sich schon einmal bei Investmentbanken, den Big Four oder den grossen Strategieberatungen beworben hat, ist an Absagen gewöhnt. Zehntausende von Bewerbungen gehen ein und nur wenige kommen zum Zuge. Bei Goldman Sachs sind es allein mehr als 100.000 Bewerbungen für 5000 Praktika.

Doch was können Sie unternehmen, wenn das Unvermeidliche eintritt? Und wie geht man mit dem Schmerz von Absagen um? Eine neue Studie von Assistenz-Professor Laurence Daoust von der Wirtschaftshochschule HEC in Montreal gibt Antworten.

Die Besessenheit von grossen Namen

Zwei Jahre lang hat sich Daoust mit kanadischen Studenten beschäftigt, die sich bei den Big Four (PwC, EY, Deloitte und KPMG) beworben haben. Obgleich die Studie lediglich für die Big Four gilt, lassen sich die Ergebnisse doch auch andere renommierte Arbeitgeber übertragen. Um sich von ihrem traditionellen Image als Erbsenzähler abzusetzen, versuchen sich die Big Four zunehmend als „trendy and fun“, „exciting“ und „jet setting“ zu präsentieren, schreibt Daoust in der Studie. Zwar schätzten Studenten die „Aufregung“ und „Wertschätzung“, die mit einer solchen Bewerbung einhergehe, sie stellten sich aber kaum die Frage, ob es sich um eine gute Idee handle. Sie gäben sich einer Illusion hin. Erst nachdem die Absage im E-Mail-Eingang gelandet ist, platze die Illusion.

Wieso Studenten für die Big Four arbeiten wollen

Die befragten Studenten nannten Daoust zahllose Gründe, wieso sie sich bei den Big Four bewerben. Dazu gehörten die „Exitoptionen“, das „Netzwerk“, und der „Übergang“ zu anderen Jobs. Weiter nannten sie das „Renommee“, die „globale Marke“ und den „Stolz“, für einen solchen Arbeitgeber zu arbeiten.

„Es geht um den Status, sobald man einmal den Job erhalten hat. Wenn Sie eine solche Firma hinter Ihren Namen haben, dann betrachten Sie die Leute in einem anderen Licht. Sie verbinden sie mit diesem Unternehmen“, sagt ein Student.

Doch Daoust registrierte auch eine „Erregung der Angst“. So mancher Student sei davon besessen, einen Job bei den Big Four zu bekommen. „Alles dreht sich nur noch um die Big Four. Das setzt sich in ihrem Kopf fest. ‚Ich will nur bei den Big Four anfangen. Kleinere Unternehmen interessieren mich nicht“, erzählte ihm ein anderer Student.

Die Erfolgsgeschichten

Laut Daoust seien die Studenten zunehmend von „Erfolgsgeschichten“ besessen, von Leuten, die es bei den Big Four geschafft hätten. Mitarbeiter der Big Four würden bei Campusveranstaltungen auftauchen und von ihren aufregenden Karrieren berichten. Studenten, die vorher Jobs im Accounting als „lahm“ und „nicht sonderlich sexy“ beschrieben haben, änderten plötzlich ihre Meinung. „Schaut ihn euch an. Er ist jung, einflussreich, erfolgreich und glücklich“, sagte ein Student.

Dazu habe auch beigetragen, dass die Big Four Studenten zu aufregenden Veranstaltungen eingeladen haben. So gab es Segeltouren, Bergsteigen, Schnitzeljagden, Kochevents, Body Pump-Veranstaltungen und Ausflüge nach Disney Land.

Auch wurden sie in Bars, Restaurants und sogar Fünfsternehotels eingeladen. „Ich war überwältigt“, erzählt ein anderer Student nach einer dreitägigen Veranstaltung in einem Fünfsternehotel.

Die Sucht

So mancher Student sei derart von den Big Four besessen, dass er alles andere vergesse. „Es macht keinen Sinn. Ich weiss, dass es keinen Sinn macht…“, erzählte ein Student. „Manchmal frage ich mich, ob es wirklich das ist, was ich will oder ob mir das nur eingeredet wird… Das ist wie eine Sucht. Irgendwie schaffen sie es [die Big Four], dass man sie braucht.

Der Schmerz und die Schande nach einer Ablehnung

Wenn die Studenten tatsächlich einen Job bei den Big Four erhalten, fühlen sie sich grossartig. „Sie versuchen einem wirklich vom ersten Tag an zu vermitteln, dass man dazugehört. Sie erhalten Zeug, mit Logos darauf. Da gibt es Sachen wie T-Shirts mit dem Aufdruck: ,Ich liebe XYZ‘“, erzählt ein Student. Doch die 16 von insgesamt 51 Studenten, die dort keinen Job gefunden haben, fühlen sich schrecklich.

Ein Student fühlte sich am Boden zerstört. Eine Studentin meinte sogar, ihr Leben sei vorbei. Viele seien ausser sich. Laut Daoust bestehe ein Problem darin, dass die Big Four die Studenten in Cliquen einteilen. Wer es nicht schafft, gilt als nicht „schlau“ genug. Sie haben einen geringeren sozialen Status und fühlen sich „beschämt“.

Wie Sie Enttäuschung vermeiden

Doch wie lässt sich Enttäuschung vermeiden? Zunächst hat Daoust festgestellt, dass Studenten auf den Campusveranstaltungen und während des Recruitmentprozesses kaum etwas über die tatsächlichen Jobs erfahren. Die meisten bewerben sich dort, ohne zu wissen, worin Wirtschaftsprüfung überhaupt besteht.

„Ich habe mich schon mit Leuten der Big Four auf einen Kaffee getroffen und gefragt, wie ein typischer Arbeitstag aussieht“, erzählte ein Student Daoust. „Dann sprechen sie viel über Kundenkontakt und dass man nicht die ganze Zeit im Büro sitze. Sie hätten mehr mit Kunden zu tun und würden mit Menschen arbeiten. Aber ich weiss immer noch nicht, womit ich mich darauf einlasse.“

Andere Studenten berichten Ähnliches. „Sie versuchen den Eindruck zu vermitteln, das Leben sei eine Party, sie würden rund um die Welt reisen, an grossartigen Dinnern teilnehmen, tolle Bars und Konferenzen in Florida besuchen. Doch es handelt sich immer noch um einen Job. Sie müssen Arbeit erledigen, Termine einhalten und es gibt eine Hierarchie“, sagt ein Student.

Viele Studenten beklagten sich darüber, dass sie bei den tatsächlichen Arbeitszeiten in die Irre geführt worden seien. So mussten sie bis 22 Uhr arbeiten. Sie hätten kaum Unterstützung erfahren und es habe nur wenige Abendveranstaltungen gegeben. Traum und Realität klaffen oft auseinander.

Zweitens sollten Studenten sich nicht derart auf renommierte Arbeitgeber versteifen, dass sie die Alternativen vergessen. Laut Daoust würden viele Stunden keine anderen Möglichkeiten in Betracht ziehen und dies später bereuen.

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