GASTBEITRAG: Willkommen in der brutalen Welt des Investmentbankings

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GASTBEITRAG: Willkommen in der brutalen Welt des Investmentbankings

Beim Investment Banking kann es sich schon um eine brutale Welt handeln. Das zeigt sich schon an der jüngsten Kündigungswelle bei Nomura. Die japanische Investmentbank schliesst Geschäftsbereiche und setzt Absolventen vor die Tür, die sie erst im vergangenen Jahr angeheuert hatte. Das mag zwar extrem aussehen, ungewöhnlich ist es aber nicht. Selbst wenn Banken keine Geschäftsbereiche dichtmachen, trennen sie sich regelmässig von unterdurchschnittlichen Mitarbeitern. Das stellt eine natürliche Auslese dar. Die Angestellten werden bewertet und die schlechtesten 10 Prozent nachhause geschickt.

Vielleicht denken Sie: Solange Sie in Ihrem Job sehr gut sind, kann Ihnen das nicht passieren. Doch selbst das bewahrt Sie nicht vor der abrupten Beendigung Ihres Arbeitsverhältnisses. Gleich wie viel Profit Sie generieren und wie viel Geld Sie „drucken“, wenn Banken eine strategische Entscheidung fällen, ein Geschäft aufzugeben, dann kann sie nichts davon abhalten. Vielleicht wird sogar die gesamte Bank dichtgemacht (Lehman Brothers). Vielleicht fusionieren auch nur zwei Banken (Deutsche und Commerzbank). Vielleicht werden die Schwerpunkte einfach geografisch oder geschäftlich verschoben. Während Sie an einem Tag noch zu den „Regenmachern“ zählen, müssen Sie sich am nächsten einen neuen Job suchen.

Deshalb sollten Sie sich Ihrer Position im Banking nie allzu sicher sein, besonders wenn Sie eine Führungskraft und entsprechend teuer sind. Bei einer US-Bank, für die ich gearbeitet habe, habe ich selbst miterlebt, wie ein Managing Director eines Morgens zur Arbeit erschien und jemand mit demselben Titel und derselben Stellenbeschreibung neben ihm sass. Sie hatten also einen Ersatz für ihn eingestellt, ohne es ihm mitzuteilen. Bei anderen Banken wurde einem Head of the Team ein Co-Head zugesellt, was für alle ihre Untergebenen eine besonders schwierige Situation darstellte (auf welche Seite sollten sie sich schlagen) und auch für die Kunden (die unterschiedlichen Aussagen von beiden Heads erhielten).

Sie sollten nicht der Illusion verfallen, Sie könnten sich eine Auszeit gönnen und dann wieder einsteigen. Bei einer anderen Bank ist mir eine Kollegin begegnet, die aus der Babypause zurückkam und der mitgeteilt wurde, sie müsse nun „ihre Kunden“ mit einem Kollegen teilen. Bei dem Kollegen handelte es sich um die Person, die sie während ihrer Babypause vertreten hatte und ihre neue Eroberung nicht aufgeben wollte. Willkommen zurück.

Und dann gibt es da auch noch die Beförderungen ins Ausland. Auch dies stellt einen Weg dar, Abteilungen leer zu bekommen und Sie aus dem Geschäft zu drängen. Der Brexit stellt dafür die perfekte Ausrede dar. „Gratulation: Sie werden aus London zum Chef des Frankfurter Desks befördert, wo Sie … nur sich selbst managen.“ Dies ist gerade einem meiner Freunde widerfahren. Er hat einen schlechteren Job akzeptiert, nur um in London bleiben zu können.

Es gibt viele Wege, im Banking unterzugehen. Einige gehen schnell, andere dauern Jahre.

Bei Amit Itelmon handelt es sich um ein Pseudonym eines Senior Investmentbankers aus London.

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