GASTBEITRAG: Trotz meines CFA Level III habe ich keinen Job gefunden, dennoch ist er hilfreich

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GASTBEITRAG: Trotz meines CFA Level III habe ich keinen Job gefunden, dennoch ist er hilfreich

Berlin statt London. Foto: Getty Images

Mein Fall ist ein wenig speziell. Ich habe den CFA Level III vor mehr als zehn Jahren abgelegt. Zu dieser Zeit wollte ich die Qualifikation nicht wirklich absolvieren, aber mein Arbeitgeber zwang mich dazu. Falls ich den CFA nicht bestehe, würde er mich vor die Tür setzen. Zwar habe ich die Prüfungen bestanden, meinen Job habe ich aber dennoch verloren. Natürlich wurde ich von jemanden ersetzt, der keinen CFA besass. Folglich war ich ein Arbeitsloser, der sämtliche CFA-Examen hinter sich hatte.

Auch wenn Sie mir das nicht glauben, das war damals nichts Ungewöhnliches. Seinerzeit arbeitete ich als Aktienanalyst und der CFA stellte nicht die bevorzugte Qualifikation dar. Stattdessen brachten viele Leute eine Accounting-Qualifikation mit. Viele Finanzchefs besitzen ebenfalls irgendeine Accounting-Qualifikation und lieben es, mit Ihresgleichen zu sprechen. Damals benahmen sich die Manager der Top-Investmentbanken als ob der CFA Level III nicht das Papier wert wäre, auf dem er gedruckt war.

Meines Erachtens kann ein CFA schon helfen, wenn man am Beginn seiner Karriere steht. Aber nicht später. Der CFA wird als eine Qualifikation für junge Finanzprofis betrachtet. Wie viele Charterholder zählt man schon auf höheren Karrierestufen?

Mir hat der CFA Level III jedenfalls nicht weitergeholfen. Damit bin ich bei Banken und Fondsgesellschafen hausieren gegangen. Nachdem ich keinen neuen Job im Aktienresearch fand, habe ich London verlassen. Das habe ich nicht bereut. MiFID II stellt für alle meine Freunde ein arges Problem dar.

Mittlerweile lebe ich in Berlin und habe eine grossartige Zeit. Ich verbringe meine Tage mit Volleyballspielen, dem Schreiben von Blogs und folge Nassim Talebs Motto: „Wenn Reichtum weniger als mehr Optionen bedeutet, dann machst Du etwas falsch.“ Vielleicht kommt mein CFA auch meinem Aktienportfolio zugute. Websites wie Stockopedia berechnen und gewichten schon verschiedene Finanz-Ratios, die für eine Investmententscheidung relevant sind.

Manchmal zieht es mich runter, wenn ich an die alten Tage denke. Doch dann lese ich die alten Researchstudien der Royal Bank of Scotland und von Barclays und erinnere mich daran, dass 2010 alle Leute bullisch waren – ausser mir. Ich habe auch noch einige andere 40 Seiten lange Researchstudien auf einer alten Festplatte gespeichert und amüsiere mich heute darüber. Sie behaupten, die Royal Bank of Scotland könne leicht eine Eigenkapitalrendite von 15 Prozent erreichen und 700 Pfund wert sein. Tatsächlich erreicht sie kaum 5 Prozent. Ich habe mich immer darüber gewundert, dass die höchstbewerteten Analysten der Investmentbanken dafür bezahlt werden, einen solchen Unsinn zu produzieren.

Dies soll nicht heissen, der CFA wäre nutzlos. Aber er hilft nicht auf die Art weiter, wie ich es erwartet hatte. Derzeit denke ich darüber nach, mir mit ein paar Freunden einen Craft-Bier-Pub zuzulegen. Die Bank zögert indes, uns das Geld zu leihen. Denn obgleich meine Geschäftspartner Hipsters sind, gewaltige Bärte und schicke Hawaii-Shirts tragen, verfügen sie doch über keinerlei Qualifikationen für das Geschäft. Hingegen kann ich Ihnen versichern, dass der Mitarbeiter der Berliner Sparkasse von meinem CFA sehr beeindruckt ist. Das ist doch schon etwas.

Fall Sie Bier mögen und in Berlin sind, dann sollten Sie bei Kaschk vorbeischauen.

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