Wieso Trader Python lernen sollten

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Wieso Trader Python lernen sollten

Foto: Getty Images

Nahezu 40 Jahre ist es her, dass mit „VisiCalc“ der erste Vorläufer einer Excel-Tabelle auf den Markt geworfen wurde und zwar auf der Basis des Apple II – am 4. Juni 1979, um exakt zu sein. Obgleich VisiCalc längst Geschichte ist, gibt es immer noch Excel-Tabellen. Noch heute stellen sie eines der wichtigsten Arbeitsmittel von Tradern dar. Viele halten sie für unerlässlich.

Allerdings scheinen Excel-Tabelle heute schon ein wenig überholt zu sein. Sicherlich lassen sich mit Excel schnell Berechnungen ausführen, doch das Programm kommt nur mühsam mit den Daten zurecht, die für das heutige Marktgeschehen erforderlich sind. Zwar lassen sich die Funktionen durch die Programmiersprache VBA erweitern, doch auch das reicht häufig nicht aus.

Excel reicht aus, wenn man nur mit täglichen Kursen arbeitet, doch bei Intraday-Daten füllen sich die Tabellen in Windeseile. Wer dann F9 drückt, kann fünf Minuten auf die Ergebnisse warten.

Doch worin besteht die Lösung für Trader, denen die Leistung von Excel nicht mehr ausreicht? Eine Antwort könnte in Python bestehen. Durch die Verwendung von Libraries wie Dask kann Python gewaltige Datenberge bewältigen. Für Trader, die riesige Datenmengen durcharbeiten müssen, um Einblicke in die Märkte zu gewinnen, stellt dies einen unschätzbaren Vorteil dar. Wer z. B. beim Trading die beste Ausführung sicherstellen will, kommt um die Nutzung von Intraday-Kursen nicht herum. Python hilft häufig auch bei eher ungewöhnlichen Daten wie Texten weiter, die Trader analysieren wollen. Zugleich ist Python trotz seiner Leistungsfähigkeit nicht so anspruchsvoll wie etwa C++.

Bei Python dreht sich nicht alles ums Hardcore-Programmieren. Traden macht Spass, doch wie bei vielen anderen Jobs gehören dazu viele sich wiederholende Aufgaben. So können Sie beispielsweise regelmässig E-Mails versenden, die mit einer Excel-Tabelle verbunden sind. Die smtplib-Library von Python leistet genau das, ohne dass ein Trader die Excel-Tabelle in jede E-Mail manuell kopieren muss. Vielleicht wollen Sie einfach auch nur regelmässig einen Wert von einer Webseite abschöpfen, um einen Kurs stellen zu können. Dabei hilft die BeautifulSoup-Library von Python weiter.

Eine der wichtigsten Funktionen von Excel besteht in der raschen Visualisierung von Daten – schliesslich schaut sich niemand gerne unendlich lange Excel-Tabellen an. Mit einer Python-Library wie Plotly lassen sich interaktive und sogar animierte Charts erstellen, in die Sie leicht hineinzoomen und die Sie mit Ihren Kollegen austauschen können.

Python zu lernen, hilft auch jenseits des Tradings weiter, weil es sich in vielen unterschiedlichen Feldern einsetzen lässt. Python eröffnet so Karrierealternativen für die Zukunft wie etwa in Data Science oder in Finance anderer Branchen. Es ist schon verblüffend, wie viele Branchen heute Data Science verwenden.

Wer diese Zeilen liest, könnte denken, ich würde Excel überhaupt nicht mehr einsetzen. Doch ich muss gestehen, dass ich Excel immer noch häufig nutze, weil es so einfach und intuitiv ist, auch wenn das Programm nicht für das Zeitalter von Data Science geschaffen wurde. Doch wer Python nutzt, muss sein Excel ja nicht gleich wegwerfen. Mit einem Tool wie xlwings können Sie Ihre Berechnungen mit Python erledigen, während Visualisierung und Dateneingabe weiterhin über Excel erfolgen. Damit werden die Excel-Tabellen kurzgehalten und lassen sich dadurch leichter pflegen. Sie können sogar Excel-Funktionen schreiben, die Python nutzen. Sie können sogar Python-Code an Excel-Buttons anhängen!

Saeed Amen ist ein systematischer Devisenhändler, der seit 2013 sein eigenes Handelsbuch in den zehn grössten Devisen hat. Amen hat schon Handelssysteme für verschiedene Grossbanken wie Lehman Brothers und Nomura entwickelt.

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