GASTBEITRAG: Meine wilden, hedonistischen Jahre im Investment Banking

eFC logo
GASTBEITRAG: Meine wilden, hedonistischen Jahre im Investment Banking

Foto: Getty Images

Können Sie sich noch daran erinnern, wo Sie das Wochenende nach dem Lehman-Untergang verbracht haben?

Ich habe mir ein Feuerwerk in der Bucht von Monte Carlo angesehen. Ein russischer Oligarch hatte von seiner Superjacht sein eigenes Feuerwerk veranstaltet. Denn im September 2008, kurz nach dem Ende von Lehman Brothers, hatte Goldman Sachs eine Gruppe von Bankern in ein Fünfsternehotel eingeladen, das von der Société des Bains de Mer betrieben wurde.

Damals war ich noch Analyst im Investment Banking und es handelte sich um unseren Jahresausflug, der komplett vom Unternehmen bezahlt wurde – inklusive Flüge, Luxusunterkunft etc. Es braucht nicht eigens erwähnt zu werden, dass es sich um das letzte Mal handelte, dass Goldman Sachs für so etwas tief in die Tasche griff. Nach dem September gab es zwar immer noch Ausflüge, die aber allesamt von den Partnern, teilweise sogar von den Managing Directors gesponsort wurden.

Dies stellte das Ende des „Bullenmarktes“ dar, wie wir das später genannt haben. Unter dem „Bullenmarkt“ verstehen wir die Zeit, in der jeder Tonnen von Geld verdiente. Die Managing Directors von Goldman Sachs fuhren mit Porsches vor, was man jeden Morgen mitverfolgen konnte. Vice Presidents auf Dienstreise haben am Flughafen einen kurzen Stopp bei Hermès eingelegt, um einige Krawatten zu kaufen, ohne darüber zweimal nachzudenken. Manchmal haben sie einfach auch eine neue Rolex gekauft. Unterdessen haben sich Associates mit Heliskiing vergnügt. Einige meiner Mit-Analysten haben Tausende am Wochenende ausgegeben, indem sie VIP-Tische in angesagten Nachtclubs buchten. Seinerzeit wurde man jedes Jahr zu drei oder vier Weihnachtsfeiern eingeladen – des Teams, der Abteilung und des Geschäftsbereichs. Natürlich konnte man bestellen, was man wollte und wir sprechen nicht von Prosecco, sondern von Champagner, und das in den extravagantesten Lokalen.

Doch nicht nur zu Weihnachten wurde man zu opulenten All-Inclusive-Partys eingeladen. Man wurde zu Drinks eingeladen, wenn eine Führungskraft abmusterte und sich das letzte Mal blicken liess. Dies bedeutete bei einer meiner Führungskräfte, dass eine Magnumflasche Dom Pérignon nach der anderen in einem „Members only club“ in Mayfair bestellt wurde.

Dann gab es da auch noch in jedem Sommer all die Recruitment-Veranstaltungen für Praktikanten. Ich kann mich sogar daran erinnern, dass jemand aus HR einer Kellnerin steckte, dass der Alkohol in Strömen fliessen müsse. Selbst Goldman Sachs musste um die besten Talente kämpfen und daher einen guten Eindruck hinterlassen. Mein persönlicher Favorit war eine Veranstaltung auf einem Dach in Manhattan während eines Analysten-Trainings.

Mittlerweile haben Weihnachtsfeiern und Networking-Veranstaltungen ihren Weg zurück ins Banking gefunden. Allerdings haben billige Pizzen und Burger die Petits Fours der Vergangenheit abgelöst. Und meistens ist nur noch ein Getränk frei. Man kann sich auch nicht länger darauf verlassen, dass der Abteilungsleiter alle Spesen einer solchen Veranstaltung wie in Monte Carlo für alle Leute – vom Managing Director bis zum Analysten – absegnet.

So sah die Welt vor dem Untergang von Lehman Brothers aus. Danach ging alles schnell den Bach herunter. Ich kann mich noch erinnern, wie mir ein Managing Director erzählte, während ich beim Verfolgen des Feuerwerks eine Zigarre rauchte: „Sind wir mal ehrlich: Wenn Du jetzt einen Job bei der BNP Paribas bekommen kannst, dann solltest Du ihn annehmen.“ Wenig später wurde er vor die Tür gesetzt. Ich beherzigte seinen Rat und habe mich wenige Wochen später bei BNP Paribas vorgestellt, aber das war es schon zu spät…

Bei Amit Itelmon handelt es sich um ein Pseudonym.

Beliebte Berufsfelder

Loading...

Jobs suchen

Artikel suchen

Close
Loading...