Trotz Dauerkrise laufen der Deutschen Bank nicht die Leute davon, aber der Commerzbank

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Trotz Dauerkrise laufen der Deutschen Bank nicht die Leute davon, aber der Commerzbank

Foto: Getty Images

Als die Mitarbeiter der Deutschen Bank am Mittwoch die Höhe ihrer Boni für 2018 erfuhren, hat so mancher ein langes Gesicht gemacht. Angeblich soll der Bonuspool um 10 bis 15 Prozent niedriger als im Vorjahr ausfallen. Doch trotz der mittlerweile chronischen Krise schweigen die Telefone bei einschlägigen Frankfurter Headhuntern. „Ich habe noch keinen Anruf von einem Mitarbeiter der Bank erhalten“, erzählt Frankfurter Personalberater, der auf Investment Banking spezialisiert ist. „Die Krise herrscht ja schon einige Zeit. Dennoch registrieren wir keine erhöhten Anfragen aus der Deutschen Bank.“

Dies ist recht ungewöhnlich. Denn aus anderen kriselnden Banken erhält der Personalberater sehr wohl Anfragen. „Aus der Commerzbank haben wir gerade in der letzten Zeit häufiger Anrufe und E-Mails erhalten. Die Leute von der Deutschen und der Commerzbank sind allerdings nicht wirklich vergleichbar“, ergänzt der Headhunter. „Ausserdem ist die Bonussituation bei der Commerzbank noch eine ganz andere. Die haben zwar eine Gehaltserhöhung erhalten, die Boni sind aber fast bei null.“ Tatsächlich berichtet das Handelsblatt heute von einem grossen Ärger unter den 20.000 aussertariflich Beschäftigten der Commerzbank. Tatsächlich Konzernchef Martin Zielke den Bonuspool von 235 Mio. für 2017 auf schmale 134 Mio. für 2018 zusammengestrichen. Dies entspricht einem Minus von 43 Prozent und damit deutlich mehr als das Minus von 10 bis 15 Prozent, von dem bei der Deutschen Bank die Rede ist.

Die Zurückhaltung der Deutschen Banker ist umso unverständlicher als sie auf dem Markt deutlich bessere Chancen hätten als die Commerzbanker. „Vor allem jüngere Mitarbeiter der Deutschen Bank aus den Bereichen M&A, ECM und DCM sind sehr gefragt. Sie haben auch immer noch sehr gute Profile. Schliesslich hat die Bank lange ganz oben mitgespielt“, erzählt der Personalberater. „Auch die US-Banken schauen sich gerne Kandidaten von der Deutschen Bank an.“

„Dass die Leute von der Deutschen Bank kurzfristig vermehrt zum Telefon greifen und uns anrufen, dass ist nicht der Fall“, bekräftigt ein anderer Frankfurter Headhunter, der ebenfalls nicht namentlich genannt werden möchte. „Die Leute sind dort ja Kummer gewohnt und haben sich auf niedrige Boni eingestellt.“ Namentlich die senioreren Leute hätten alte Verträge mit einem hohen Fixum und könnten die niedrigen Boni durchaus verkraften. Dennoch seien die Leute heute leichter ansprechbar als früher. „Die heben schon den Hörer ab und hören sich das Angebot an“, ergänzt er.

Allerdings hätte die Bank schon im vergangenen Jahr einen kräftigen Aderlass verkraften müssen. „Wir haben im Frankfurter Trading Floor so viele Abgänge gesehen wie schon seit zehn Jahren nicht mehr. Manche sind gegangen, andere gegangen worden“, erzählt der Personalberater weiter. „Die machen aber einen guten Job beim Aufbau des Nachwuchses und stellen viele Leute frisch von der Uni an. Sie sorgen dafür, dass von unten etwas nachwächst.“

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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