GASTBEITRAG: Die Kunst seinen Bonus auszugeben oder eben nicht

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GASTBEITRAG: Die Kunst seinen Bonus auszugeben oder eben nicht

In den nächsten Wochen wird Ihr Bonus für 2018 auf Ihrem Konto eingehen – vor allem wenn Sie das Glück haben, für eine US-Investmentbank zu arbeiten. Sobald das geschehen ist, steht er zum ausgeben bereit. Es gibt sogar einige WhatsApp-Gruppen, in denen diskutiert wird, wie sich das Geld am besten ausgeben lässt.

Doch bevor Sie das liebe Geld für eine neue Uhr oder eine Woche in einem Spa verprassen, sollten Sie sich die untenstehende Warnung durchlesen.

Wie hoch sind Ihre Schulden?

Zunächst sollten Sie an Ihre Schulden denken und Ihren Bonus dafür ausgeben.

Es braucht nicht eigens erwähnt werden, dass hochverzinsliche Darlehen wie Kreditkartenschulden, Konsumentenkredite und Privatkredite als erstes abbezahlt werden sollten. Nur wenige Anlagen werfen so viel ab, wie hochverzinsliche Darlehen in Laufe der Zeit kosten.

Zwar ist das offensichtlich, doch meiner Erfahrung nach denken in der Bonuszeit die wenigsten Finanzprofis an ihre Schulden. Viele haben sich so an ihr hochverschuldetes Umfeld bei der Arbeit gewöhnt, dass sie hohe persönliche Schulden für ganz normal halten. Viele sagen sich, dass sie ihre Hypotheken und Studienschulden nicht schneller tilgen müssten als vereinbart, wenn sie in etwas investieren können, das eine höhere Verzinsung abwirft.

Davon halte ich nichts. Diese Herangehensweise funktioniert allein in einem Bullenmarkt. Wollen Sie wirklich das Leben eines Schuldners führen, wenn die Märkte einbrechen oder besonders volatil sind? In einer solchen Situation riskieren Sie nicht allein Ihren Job, sondern einen erhöhten Schuldendienst – z.B. von ihrer Hypothek, während ihr Vermögen entweder in illiquiden Assets feststeckt oder sogar in rasch fallenden Werten wie etwa Aktien.

Was passiert, wenn etwas schiefläuft?

So mancher 25jährige, der es in die Finanzdienstleistungen geschafft hat, hält sich für unbesiegbar. Er ist es aber nicht. Ich kennen jemanden, der hat seinen Job als Associate in einer Investment Banking Division während eines Bärenmarktes verloren. Er musste ein ganzes Jahr vom Arbeitslosengeld leben, bevor er einen neuen Job fand. So etwas kommt vor.

Daher sollten Sie zumindest Geld für drei bis sechs Monate zurücklegen. Was passiert, wenn Sie gefeuert werden? Was passiert, wenn Sie mit Ihrem gesamten Team vor die Tür gesetzt werden? Oder wenn Sie körperliche oder mentale Beschwerden haben, durch die Sie nicht arbeiten können? Oder Sie entscheiden sich, aus der Branche auszusteigen und benötigen dafür eine teure Fortbildung? Nichts davon ist ungewöhnlich.

Haben Sie fürs Alter vorgesorgt?

Wer das Glück hat, bei einem Unternehmen mit einer gescheiten Altersvorsorge zu arbeiten, kann einen Teil seines Bonus womöglich darin investieren. Dabei springen u.U. sogar Steuerersparnisse heraus. Sinnvoll ist auch Geld für langfristige Projekte zurückzulegen wie den Erwerb einer Immobilie, eine Ehe oder die Gründung seines eigenen Unternehmens. Damit erfüllen Sie sich zwar unmittelbar keine Wünsche, aber Sie investieren in Ihre Zukunft.

Erst wenn Sie diese Liste abgearbeitet haben, dürfen Sie sich selbst etwas gönnen. Viele Banker legen sich mit ihrem Bonus eine sündhaft teure Uhr, ebenso teure Handtaschen, Schuhe oder Whiskey zu. Andere besuchen teure Restaurants oder buchen Luxusurlaube. Mancher spendet sogar etwas. Die Versuchung ist gross – ihr sollten Sie widerstehen.

Mai Le arbeitete als Investment Banking Associate für Goldman Sachs, bevor sie sich mit Vietnam Inbound (vietnaminbound.com) selbständig gemacht hat. Neben ihrem eigenen Blog (lequynhmai.com) betreibt sie eine Datenbank für Lebensläufe (coverletterlibrary.com).

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