Die kuriosen Gründe, wieso es bei Goldman Sachs in Frankfurt kaum Vice Presidents gibt

eFC logo
Die kuriosen Gründe, wieso es bei Goldman Sachs in Frankfurt kaum Vice Presidents gibt

Im Frankfurter Messeturm residiert Goldman Sachs (Foto: Getty Images)

Pünktlich zu Weihnachten hat Goldman Sachs konzernweit 1500 Mitarbeiter zu Vice Presidents befördert. Nur Frankfurt scheint leer ausgegangen zu sein. Das Ausbleiben ist erstaunlich, erfolgt im Investmentbanking doch die Beförderung fast schon automatisch nach zwei bis drei Jahren als Analyst und weiteren drei Jahren als Associate. Die US-Investmentbank war bislang zu keiner Stellungnahme zu bewegen.

Der Mangel an Beförderungen liegt aber keinesfalls daran, dass Goldmann Sachs kein Herz für die Mainmetropole hat. „In Frankfurt gibt es bei Goldman traditionell keine Vice Presidents. Die Associates werden gleich zu Executive Directors befördert“, erzählt Headhunterin Sabrina Tamm von Financial Talents in Frankfurt.

Dies bestätigt Headhunter Jan Graffelder von Look & Graffelder in Frankfurt: „Was anderswo als Vice President bezeichnet wird, heisst bei Goldman Sachs in Frankfurt Executive Director. Im Gespräch mit Kandidaten sorgt das regelmässig für Verwirrung.“ Denn als „Directors“ oder „Executive Directors“ werden bei den meisten Investmentbanken Mitarbeiter bezeichnet, die vorher schon einige Jahre als Vice President gearbeitet haben. Es handelt sich im Branchenjargon also beim „Director“ um eine Zwischenstufe zwischen Vice President und Managing Director, der als Abteilungsleiter so etwas wie die Krönung einer Investment Banking-Karriere darstellt.

Tatsächlich belegt ein flüchtiger Blick auf die Profile der Frankfurter Goldmänner (und -frauen), dass die Expressbeförderung tatsächlich in Frankfurt Usus ist. So wurde Eva Maria Wiecko bereits 2011 direkt vom Associate zum Executive Director befördert. Ebenso: Philipp de la Chevallerie 2014, Matthias Wich 2017 oder Alexander Kretzberg 2018.

An dieser Praxis gibt es nichts zu beanstanden. Schliesslich ist nirgendswo festgelegt, welche Titel Arbeitgeber ihren Investmentbankern verleihen. Über die Gründe herrscht indes Unklarheit. „Wieso das so ist? Keine Ahnung“, gibt Graffelder zu.

Vice Presidents befinden sich karrieremässig allerdings in einer Sandwichposition zwischen Juniors (Analyst und Associates) und Seniors (Directors und Managing Directors). Während die Beförderung bis zum Vice President alle paar Jahre fast automatisch erfolgt, geht es in der Karriere nur für eine Minderheit der Investmentbanker zum Director oder gar Managing Director weiter.

Daher hält Tamm dies für einen klugen Schritt: „Der Titel Executive Director ist natürlich für Bindung und Motivation der Mitarbeiter gut. Wer Executive Director ist, wird es sich zweimal überlegen, zu einer anderen Investmentbank als Vice President zu wechseln, nur um dann irgendwann einmal zum Executive Director aufzusteigen“, meint Tamm. „Mal ganz abgesehen davon, dass das die Bank keinen Euro kostet.“ Mit dieser Massnahme stehe Goldman Sachs in Frankfurt nicht allein da. Auch bei der UBS würden Associates direkt zu Directors befördert.

Einen ganz ähnlichen Trick setzt Goldman Sachs übrigens bei den Analysten ein. „Zwar werden Analysten vereinzelt auch bei anderen Investmentbanken bereits nach zwei Jahren zum Associate befördert, aber keine betreibt diese Expressbeförderungen so systematisch wie Goldman Sachs“, erläutert Tamm.

Mittlerweile sei es branchenüblich, dass ein Grossteil der jungen Investmentbanker nach zwei Jahren Berufserfahrung zu Private Equity-Gesellschaften oder Grossunternehmen wechsle. „Davon ist Goldman Sachs besonders betroffen“, sagt Tamm. „Denn für viele grosse Private Equity-Gesellschaften stellen Analysten von Goldman Sachs die erste Wahl dar.“

 

 

Close