GASTBEITRAG: Lohnt sich ein Operations-Job im Banking?

eFC logo
Operations job banking

Sie beenden die Uni und wollen ins Investment Banking einsteigen? Sie haben sich erfolglos für einen Front Office-Job in Sales and Trading beworben? Stattdessen haben Sie ein Angebot für einen Operations-Job auf dem Tisch liegen – im Verbuchen der Trades, in Settlement und Clearing.

Doch bevor Sie irgendeinen Job in Operations annehmen, sollten Sie wissen: Wenn die Banken in der Lage wären, ihre Operations-Abteilungen dichtzumachen, würden sie keine Sekunde zögern.

Denn für eine Bank stellt Operations allein Kosten dar. Oft handelt es sich sogar um hohe Kosten, weil sich ihre internen Buchungssysteme in einem armseligen Zustand befinden. Jedem, der dort arbeitet, ist das bewusst.

Meine eigenen Beobachtungen zu aktuellen Karrieren in Operations laufen auf folgende Risiken hinaus: Als ich im Handelssaal arbeitete, sass ich neben einem siebenköpfigen Team aus Operations-Mitarbeitern – Frauen und Männern. Sie arbeiteten wirklich hart, indem sie tagein, tagaus einen Trade nach dem anderen manuell buchten.

Das klingt nicht nur langweilig, das ist es auch. Niemand aus dem Team mochte seine Arbeit. Einige machten es des Geldes wegen, andere weil sie hofften, es auf die andere Seite zu schaffen und als Trader arbeiten zu können. Allen war unklar, wie sie in ihrer Karriere vorankommen könnten.

Nach einem Jahr schien in dem Operationsteam Panik auszubrechen. Es stellte sich heraus, dass das Management ihre Aufgabe von London weg verlagern wollte. Ihnen wurde mitgeteilt, dass sie entweder in ein anderes Land umziehen oder intern einen neuen Job finden müssten. Ansonsten drohe ihnen die Kündigung. Daraufhin verliessen fünf Leute das Unternehmen. Einer wechselte ins Onboarding von Kunden. Und nur einem gelang tatsächlich der Wechsel ins Trading. Er hatte klamm heimlich das CFA-Examen absolviert.

Bei Operations handelt es sich tatsächlich um einen undankbaren Job. Sie machen nichts anderes als Trades zu buchen und das bei manchen Banken sogar in mühseligen Prozessen. Ganz gleich wie gut Sie sind, herrscht ein beträchtliches Fehlerrisiko. Daher werden Sie mit Sicherheit E-Mails mit einem Managing Director im CC erhalten, in denen sich jemand über Sie beschwert. Falls Sie wirklich in Operations arbeiten wollen und bereit zu all dem Stress sind – inklusive dem Neuverbuchen von Trades bis spät in die Nacht wegen eines technischen oder menschlichen Fehlers – dann sollten Sie einen grossen Bogen darum machen.

Falls Sie aber in Operations anfangen, um irgendwann einmal den Schritt ins Sales and Trading zu schaffen, dann wünsche ich Ihnen viel Glück. Auch Sales-Leute und Trader stehen unter Druck, denn das Trading wird immer häufiger von Algorithmen erledigt und der Vertrieb immer simpler. Sofern Sie keine exzellenten Programmier- oder Trading-Kenntnisse mitbringen, fallen die Chancen auf einen Wechsel gering aus. Auch wenn Sie bereits in Operations arbeiten und Ihnen verspricht jemand weiterzuhelfen, sollten Sie nicht zu viel erwarten. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass diese Person innerhalb von ein oder zwei Jahren selbst verschwindet.

Ein Operations-Job stellt also ein zweischneidiges Schwert dar. Denn wenn Sie gut in Ihrem Job sind, dann hat die Firma überhaupt kein Interesse, dass sie sich verändern. Und falls Sie nicht gut sind, werden Sie nicht lange bleiben. In jedem Fall werden Sie sich nicht erfüllt und unterbezahlt fühlen.

Bei Gauthier Bourque handelt es sich um ein Pseudonym.

Close
Loading...