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Consulting-Boom: „Wer ,Digitalisierung‘ buchstabieren kann, wird händeringend gesucht“

Digitalisierung

Der Consultant der Zukunft.

Der Boom im Consulting-Geschäft ist ungebrochen. Erstmals verdient PwC Deutschland mit seiner Consulting-Sparte mehr als mit der traditionellen Wirtschaftsprüfung. Gut für die Beschäftigung. So legte die Mitarbeiterzahl im Geschäftsjahr 2016/17 um 263 auf 10.626 zu. Kein Einzelfall. Bei Deloitte kletterte die Beschäftigung sogar um 796 auf 6927 Mitarbeiter. Ein Wachstum von über 10 Prozent.

Von den Strategieberatungen über die Big 4 bis hin zu den Spezialberatungen – alle suchen nach Personal. Doch geeignete Kandidaten zu finden, fällt immer schwerer. „Der Markt von Consultants mit fünf bis zehn Jahren Berufserfahrung ist wie leergefegt“, versichert Headhunter Marcus Michel von contagi in Frankfurt. „Es gibt zwar genügend Einsteiger und ausreichend Partner. Aber in den Zwischenebenen gibt es grosse Lücken. So werden erfahrene Project Manager händeringend gesucht.“

„Consultants mit drei bis acht Jahren Berufserfahrung werden stark gesucht“, bestätigt Personalberater Raphael Rosenfeld von Argos Advisors in München. Bei den Strategieberatungen werde der Personalmangel durch den Trend verstärkt, dass einschlägige Kandidaten oft lieber für Digital-Start-ups arbeiten.

Laut Headhunter Mike Boetticher von der match personalberatung wiederum sind besonders Consultants mit zwei bis fünf Jahren Berufserfahrung gefragt. Viele Consultants würden nach einigen Jahren zu anderen Branchen abspringen. „Viele scheuen einfach die hohe Reisetätigkeit“, weiss Boetticher. Dennoch empfiehlt der Personalberater jungen Consultants wenigstens zwei Jahre bei ihrem ersten Arbeitgeber zu bleiben, bevor sie sich neu orientieren. „Das erste Jahr brauchen Sie zur Orientierung. Im zweiten Jahr wird es spannender und Sie bekommen mehr mit“, meint Boetticher.

„Der Bedarf ist mittlerweile derart gross, dass viele Beratungen ihre Ansprüche abgesenkt haben. Das hat sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich verändert. Mittlerweile haben selbst Absolventen von Fachhochschulen und mit bescheidenen Abschlüssen Chancen“, ergänzt er. Lediglich die renommierten Strategieberatungen wie McKinsey und Boston Consulting würden weiterhin auf erstklassige Noten von guten Universitäten und entsprechende Berufserfahrung bestehen.

„Durch die hohe Nachfrage nach Consultants und die häufige Kontaktaufnahme durch Personalberater haben viele Kandidaten den Eindruck, sie hätten absolut freie Wahl“, erzählt Rosenfeld. „Doch das ist nicht so. Sie überschätzen manchmal ihren Marktwert und bereiten sich nur noch schlecht auf Vorstellungsgespräche vor.“

Zwar sind Consultants branchenübergreifend gesucht, dennoch gibt es Felder, die besonders begehrt sind. „Wer im Consulting ,Digitalisierung‘ buchstabieren kann, wird händeringend gesucht“, betont Michel. Dabei sei nebensächlich in welchen Schnittstellen, Hauptsache jemand habe bereits an Digitalisierungsprojekten mitgearbeitet oder diese geleitet.

Laut Rosenfeld gehe es dabei nicht um IT-Experten oder Entwickler im engeren Sinne. „Gesucht werden Leute, die daran mitgearbeitet haben, bislang analoge Prozesse in die digitale Welt zu überführen“, erläutert Rosenfeld. Es gehe um die Konzeption und die Umsetzung derartiger Projekte.

Dabei treiben längst nicht nur Kundenprojekte die Nachfrage an. Auch die Big 4 selbst planen einen Grossteil ihrer eigenen Arbeitsschritte zu automatisieren. „Wir schätzen, dass 50 Prozent unserer derzeitigen traditionellen Tätigkeiten in fünf Jahren nicht mehr von Menschen ausgeführt werden. Unsere Arbeit wird sich in den nächsten Jahren umverteilen. Shared Services und Automatisierung werden einfache Tätigkeiten ersetzen“, kündigte PwC Deutschland-Chef Norbert Winkeljohann in der vergangenen Woche an.

Wer also im Consulting eine Chance haben möchte, muss sich schleunigst Kenntnisse und Berufserfahrung in der Digitalisierung aneignen. „Wer als Consultant von der Digitalisierung profitieren möchte, sollte möglichst früh in seiner Karriere an der Konzeption und Umsetzung solcher Projekte mitarbeiten“, betont Rosenfeld. „Dann sind die Berufsaussichten glänzend.”


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