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Die sechs Fluchtwege aus der Vice President-Karrierefalle

Vice President

Ein Vice President muss mehr können als Execution.

„Da kommt der Vizepräsident von der Deutschen Bank“, flüstert ein Mitglied einer deutschen Wirtschaftsredaktion ehrfurchtsvoll. Der Journalist glaubte tatsächlich, dass gerade der zweite Mann nach dem damaligen Konzernchef Josef Ackermann durch die Tür spaziere – weit gefehlt.

Investmentbanken beschäftigen jeweils tausende von Vice Presidents – es handelt sich also lediglich um einen mittleren Karrierelevel. Denn nach zwei bis drei Jahren als Analyst und weiteren zwei bis drei Jahren als Associate wird jeder junge Investmentbanker quasi automatisch zu Vice President befördert. Doch die meisten Banker haben damit die letzte Sprosse ihrer Karriereleiter erklommen. Die Beförderung zum Executive und später Managing Director gelingt den wenigsten.

„Im Investment Banking bringt es nur eine Minderheit zum Director-Level“, bestätigt Headhunterin Sabrina Tamm von Financial Talents in Frankfurt. Die Personalberaterin will sich jedoch nicht auf eine genaue Quote festlegen. Ganz ähnlich sieht dies Headhunter Jan Graffelder von Look & Graffelder in Frankfurt: „Es handelt sich um eine Minderheit. Wie gross sie ausfällt, sieht allerdings von Bank zu Bank anders aus.“

Doch Vice Presidents und Junior Investmentbanker stehen einige Fluchtwege offen, um der Vice President-Karrierefalle zu entkommen. Konkret:

1. Rechtzeitig abspringen

„Analysten und Associates kommen voran, wenn sie in Analyse und ,Execution‘ sehr gut sind“, erzählt Tamm. „Beim Vice President sieht das anders aus. Sie kommen voran, wenn sie in Origination, Kundenkontakt und Marketing gut sind. Es sind leider oft recht unterschiedliche Persönlichkeiten, die diese Eigenschaften mitbringen.“

Aus diesem Grund sollten sich Analysten und Associates schon vor der Beförderung zum Vice President selbstkritisch fragen, ob sie das Zeug zum Director mitbringen. „Ein Ausstieg auf Analysten- und Associate-Level fällt wesentlich leichter als auf Vice President-Level“, betont Tamm.

2. Branchen-Expertise erarbeiten

Viele Investmentbanken in Frankfurt arbeiten mit Junior Pools. Sie weisen also Analysten und Associates je nach Bedarf den einzelnen Projekten zu – gleich aus welcher Branche sie stammen. Dagegen sind die Branchenteams besonders von ausländischen Instituten regelmässig in London angesiedelt. Um es aber weiter als zum Vice President zu bringen, empfiehlt Tamm jungen Investmentbankern sich zielstrebig eine Branchenexpertise zu erarbeiten. Dazu könnten sich Vice Presidents z.B. freiwillig für einschlägige Projekte melden. „Auch eine Rotation zu einem Branchenteam in London ist sehr sinnvoll, um seine Expertise und seine Kontakte auszubauen“, sagt Tamm.

3. Kundenkontakt herstellen

Es braucht kaum noch extra betont zu werden: Wer es im Investment Banking zu etwas bringen möchte, muss sich im Kundennahkampf bewähren. Leichter gesagt als getan. „Es gibt Banken in Frankfurt, die lieber fünf Managing Directors als auch nur einen Executive Director mit zum Kunden schicken“, kritisiert Tamm. Die Managing Directors hätten ein Interesse daran, ihre Kundenkontakte eifersüchtig zu verteidigen. Schliesslich sind sie es, die das Geld hereinbringen. „Ich empfehle beim ,Pitchen‘ aktiv mitzuarbeiten, bei der ,Execution‘ gezielt den Kundenkontakt zu suchen und sich so langsam zum Ansprechpartner des Kunden zu entwickeln.“

4. Der Aufwärtswechsel

Der Wechsel zu einer anderen Investmentbank samt gleichzeitiger Beförderung zum Vice President stellt natürlich den Königsweg aus der Vice President-Karrierefalle dar. Er gelingt allerdings nur wenigen. Graffelder rät jedem Vice President nach ab drei Jahren in der Position sich zumindest nach Alternativen umzuschauen. „Die Situation sieht bei den Banken unterschiedlich aus. Was bei einer Bank unmöglich ist, kann anderswo möglich sein“, sagt Graffelder. Entsprechend sollten sich Vice Presidents Altersstruktur, Fluktuation usf. bei den einzelnen Teams anschauen. Angesichts der überschaubaren Verhältnisse in Frankfurt sollte dies keine ,Mission Impossible‘ sein. „Realistisch ist ein solcher Wechsel aber nur von z.B. einer Tier 1-Bank wie Goldman Sachs zu einer Tier 2-Bank wie der UBS“, betont Graffelder.

5. Der Seitwärtswechsel

Ein bewährter Weg stellt ein rechtzeitiger Seitwärtswechsel zu einer gleichrangigen Bank wie z.B. von Goldman Sachs zu JP Morgan dar – ohne gleichzeitige Beförderung zum Director. „Denn womöglich fallen die Chancen bei einer anderen Organisation höher aus, in den kommenden zwei bis drei Jahren zum Director befördert zu werden“, sagt Graffelder. Auch dieser erfordert eine eingehende Vorabrecherche. „Ein Seitwärtswechsel ist besonders für Vice Presidents sinnvoll, die bislang nur für eine Investmentbank gearbeitet haben. Natürlich ist ein solcher Wechsel immer auch mit einem Risiko verbunden. Er kann einen richtigen Karriereschub geben, sich aber auch als Bremse erweisen.“

6. Der Abgang

Graffelder kennt keine Vice Presidents, die ihr Leben lang bei einer Investmentbank auf dieser Karrierestufe verblieben sind. „Es gibt keine ewigen VPs. Irgendwann ist dann die Karriere im Investment Banking vorbei“, kommentiert der Personalberater. In einem solchen Fall sei die erste Wahl ein Wechsel zu Corporates oder in die Private Equity Branche. Dies sei aber kein Zuckerschlecken.

Auch Tamm empfiehlt den Wechsel zu grossen und mittelständischen Unternehmen. Nach zehn und mehr Jahren im Investment Banking würden die Aussteiger aber nur selten mit offenen Armen empfangen, zumal die Arbeitskultur dort regelmässig anders als im Investment Banking aussehe und die Vergütungen niedriger ausfielen. „Der Wechsel von Vice President zu Corporates ist zwar schwierig, aber nicht unmöglich“, versichert Tamm. „Am Ende gibt es nur zwei Alternativen: Vollgas geben oder abspringen.“

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