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GASTBEITRAG: Wie ich Goldman Sachs dazu brachte, mich anständig zu bezahlen

Ein Donut-Bonus lässt sich leicht vermeiden.

Ein Donut-Bonus lässt sich leicht vermeiden.

Das passiert auch bei den besten Banken: Sie arbeiten das ganze Jahr hart und rechnen damit, dafür auch anständig bezahlt zu werden. Doch wenn das vierte Quartal beginnt, also etwa jetzt, tauchen die Probleme auf.

Sie kennen die Anzeichen:

Vielleicht geht sie Ihnen aus dem Weg. Sie wissen schon, wen ich meine: Die Frau, die bei den Bonusmeetings Ihre Interessen vertritt. Sie spricht nicht mehr mit Ihnen und wird unsichtbar.

Glauben Sie mir: Bei Goldman Sachs habe ich das bei einem Freund in der ersten Reihe miterleben dürfen. Wenn Ihnen das gleiche geschieht, wird dies womöglich auf den sprichwörtlichen Donut-Bonus hinauslaufen – also auf so ziemlich gar nichts. Im Falle meines Freundes hat sein Vorgesetzter ihn plötzlich behandelt, als wenn es ihn gar nicht gäbe. Als dann er dann im neuen Jahr in seinen Bonustopf blickte, schaute er ins Nichts.

Ein weiteres Omen besteht darin, nicht mehr zu wichtigen Meetings eingeladen zu werden – an denen Sie in der Vergangenheit regelmässig teilgenommen haben. Auch dies spricht dafür, dass Sie leer ausgehen. Falls der Ausschluss von solchen Meetings beispielsweise im August einsetzt, dann müssen Sie gegensteuern. Gehen Sie einfach sofort in den Konferenzraum.

Doch einmal angenommen: Sie haben tatsächlich keine Vorstellung davon, was Sie in ein paar Monaten erhalten werden, dann stellt dies ein ganz schlechtes Zeichen dar. Denn eigentlich sollten Sie zu dieser Zeit des Jahres bereits eine vage Vorstellung von dem haben, was Ihnen zusteht. Sie kennen schliesslich die Gewinn- und Verlustrechnung Ihrer Abteilung und welchen Anteil Sie daran hatten. Falls Sie keine Ansprüche stellen, dann werden andere das zu ihrem Vorteil nutzen. In diesem Fall sollten Sie schleunigst Ihre Hausaufgaben erledigen.

Was können Sie unternehmen, wenn sich die Vorzeichen mehren?

Simpel: Sie müssen die Kontrolle zurückgewinnen. Banker sind immer schlecht beraten, wenn Sie Bonuslotterie spielen, indem Sie einfach warten und sehen, was am Ende herauskommt. Das müssen Sie ernsthafter angehen. Es macht keinen Sinn, das ganze Jahr über hart zu arbeiten und am Ende die Würfel entscheiden zu lassen.

Sie müssen dafür sorgen, dass Sie nicht unter dem Radar fliegen und Ihre Anstrengungen auch beachtet werden. Versuchen Sie also hervorzustechen, sich ein neues Projekt zuzulegen oder einen Deal abzuschliessen. Noch besser kommt es an, wenn sich ein Kunde lobend über Sie äussert. Hauptsache, Sie fallen positiv auf.

Sie müssen auch nach Ihren Bonus fragen. Natürlich sollen Sie nicht direkt nach Ihrem Bonus fragen. Vielmehr sollten Sie im Team herumfragen, wie Sie sich schlagen und was Sie besser machen können. Auch wenn Sie beiläufig fragen, kommt es doch darauf an, eine Antwort zu erhalten. Das Feedback ist entscheidend.

Dabei müssen Sie herausfinden, wer die sogenannten Stakeholder sind, wer also Einfluss auf die Bonusentscheidung hat. Das sind genau die Leute, denen Sie positiv auffallen müssen.

Früher war ich bei Goldman Sachs Managing Director. Im Jahr 2010 habe ich dort eine eigene Datei für mich selbst angelegt. Es war eine schöne Sache: Es handelte sich um ein einfaches Textdokument, in dem ich meine sämtlichen Leistungen in diesem Jahr auflistete.

Ich wusste, wer meine Stakeholder waren und habe ihnen die Liste zugespielt. Dieses Dokument war ein kleines Vermögen wert. Denn darin schlugen sich Monate von Arbeit nieder und alles war glasklar aufgelistet.

Wenn das bei mir geklappt hat, dann sollte es auch bei Ihnen funktionieren. Falls Sie jedoch einen Donut-Bonus bevorzugen… Es liegt ganz an Ihnen.

Der Autor arbeitete als Managing Director bei Goldman Sachs und bloggt auf „What I Learned on Wall Street“ (WilowWallStreet.com).

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