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Die acht verheerendsten Karrierefehler von Schweizer Bankern

Karrierefehler

Jüngst auf der Bahnhofstrasse.

Der Aufbau einer Karriere gleicht weniger einem Sprint denn einem Marathon. Was kurzfristig verheissungsvoll erscheint, erweist sich auf lange Sicht manchmal als verheerender Karrierefehler, der sich nur mühsam oder gar nicht mehr korrigieren lässt. Wir haben erfahrene Headhunter aus Zürich gefragt, welche Fehler Banker und Finanzprofis besonders häufig begehen und wo die feine Grenze zwischen richtig und falsch verläuft.

1. Zu lange Auslandsaufenthalte

Der Gang ins Ausland, nach Singapur, New York oder London, gilt vielen Finanzprofis als Karriereturbo. Dies trifft für jüngere Banker oft zu, bei älteren ist dies jedoch nicht immer der Fall. „Man muss wissen, dass man bei internationalen Transfers immer nur ein ,One-Way-Ticket‘ löst. Die Rückkehr ist dabei nicht garantiert“, warnt Headhunter Stephan Surber von Page Executive in Zürich.

„Wenn man fünf Jahre im Ausland ist, dann hat sich zuhause vieles verändert. Die alten Seilschaften und Kontakte existieren so nicht mehr“, ergänzt Headhunterin Karin Signer von Signer Beratungen in Zürich. „Ein längerer Auslandsaufenthalt ist zwar kein Karrierefehler, aber ein Risiko.“

Üblicherweise würden Auslandsaufenthalte am meisten für die Karriere bringen, wenn sie nicht zu lang ausfallen und früh in der Karriere stattfinden, meint Surber. In mittleren Jahren, mit 40 bis 50 und in der Familienphase, fielen Auslandsaufenthalte besonders schwer.

2. Der Gang in die Selbständigkeit

Sich selbständig zu machen, stellt natürlich keinen Karriere-Fauxpas dar. Dennoch sollte der Schritt wohl überlegt sein. „Die Rückkehr aus der Selbständigkeit in eine abhängige Beschäftigung fällt schwer“, warnt Signer. „Arbeitgeber unterstellen dann, dass man mit seiner Geschäftsidee gescheitert ist.“ Auch falle es vielen Rückkehrern aus der Selbständigkeit schwer, sich wieder in Hierarchien, feste Arbeitszeiten und Zielvorgaben einzufügen.

3. Der Wechsel von der Privatwirtschaft zu öffentlichen Arbeitgebern

Auch ein Wechsel aus der Privatwirtschaft in den öffentlichen Dienst und zu ähnlichen Arbeitgebern sollte zweimal überlegt sein. „Wenn jemand z.B. vom internationalen Investment Management zu einer Schweizer Pensionskasse wechselt, dann wird der Rückweg schwierig“, warnt Surber. Damit will der Headhunter keinesfalls von einem solchen Schritt abraten, er sollte jedoch gründlich abgewogen werden.

4. Lücken im Lebenslauf

Nach eingehender Lebenslauflektüre kennt Surber sie alle, die Formulierungen, die eine Lücke in der Karriere kaschieren sollen: „Beratung, Consulting, Sabbatical oder Jobsuche.“ Vor allem wiederholte und längere Lücken im Lebenslauf hinterliessen bei Recruitern und Arbeitgebern in spe einen schalen Nachgeschmack.

5. Jobhopping

Lücken im Lebenslauf stellen oft nur die eine Seite der Medaille dar. Auf der anderen finden sich zu viele kurze Stationen im Lebenslauf. „Alles unter zwei Jahren ist problematisch“, sagt Signer. „Vor allem wenn es mehrere kurze Stationen im Lebenslauf gibt“. Am Anfang der Karriere werde dies eher toleriert als bei Kandidaten mit langjähriger Berufserfahrung.

Auch Headhunter Emanuel Kessler von kessler.vogler in Zürich warnt eindringlich vor Jobhopping. „Zu viele Stellenwechsel sind ein Problem, allerdings mit abnehmender Tendenz. Die Zeiten sind heute dynamischer und vieles ist im Umbruch. Entsprechend sehen die Lebensläufe heute auch anders als in der Vergangenheit aus“, erzählt Kessler. Outsourcing, Fusionen oder Rückzug aus Geschäftsbereichen – viele Kandidaten könnten heute nichts für einen Jobwechsel.

Umgekehrt lohnt es sich gemäss Kessler für Finanzprofis etwa alle fünf bis sieben Jahre einen internen oder externen Entwicklungsschritt zu prüfen. Ansonsten könne ihnen ein Mangel an Flexibilität und Ehrgeiz unterstellt werden. „Zwischen zu häufigen und seltenen Wechseln gilt es eine Balance zu finden.“

Bei jedem internen Wechsel oder auch nur beim Wechsel des Vorgesetzten empfiehlt Kessler sich ein Zwischenzeugnis ausstellen zu lassen. „Es kommt immer wieder vor, dass jemand sich mit einem neuen Vorgesetzten nicht versteht und dann sind allenfalls alle die guten Leistungen aus den Jahren vor dem Vorgesetztenwechsel nicht oder zu wenig dokumentiert“, warnt Kessler.

6. Branchenhopping

Prekärer sind Wechsel von Branchen oder Funktionen. „Nach Möglichkeit sollte jeder Lebenslauf einen roten Faden aufweisen“, betont Signer. Andernfalls würden Arbeitgeber rasch einen sprunghaften Charakter und mangelnden Erfolg unterstellen. Bei jüngeren Mitarbeitern werde dies noch eher als bei berufserfahreneren Beschäftigten akzeptiert. „Allerdings sind Banken besonders konservative Arbeitgeber“, warnt Signer. Ein Wechsel der Branche oder des Berufsfeldes sollte also wohl überlegt und langfristig orientiert sein. „Bei einem Branchenwechsel muss man sich festlegen.“

Nach einem Wechsel der Branche sei ein Rückweg schwierig, meint auch Surber: „Das Executive Search kann da selten weiterhelfen. Dann hilft nur noch Vitamin B.“

7. Mangelnde Fortbildung

Wer seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt wahren möchte, sollte regelmässig an Fortbildungen teilnehmen. „Ich sehe immer wieder, dass Leute keine Fortbildungen mehr besuchen, wenn sie sich erst einmal in ihrer beruflichen Komfortzone eingerichtet haben“, warnt Kessler. „Das kann sich rächen, wenn man sich dann doch beruflich neu orientieren muss.“ Das gelte selbst für Leute, die lediglich eine Fachkarriere und keine Führungsverantwortung anstreben. „Auch dabei gilt es, immer am Ball zu bleiben. Überlegen Sie sich nur, wie viel sich z.B. in der Compliance ändert.“

8. Der schwache Abschied aus dem alten Job

So mancher Finanzprofi ziehe sich nach oder bereits vor seiner Kündigung in die „innere Kündigung“ zurück und lege die Füsse hoch. Mancher würde sogar einen unfreundlichen Abgang wagen. „Das kann einem natürlich bei Referenzen und beim Arbeitszeugnis auf die Füsse fallen“, warnt Kessler. Da die Finanzbranche in Zürich überschaubar sei, spreche sich ein schlechtes Verhalten rasch herum. „Schliesslich trifft man sich immer zweimal im Leben“, sagt Kessler. „Wie man ankommt und wie man geht, so bleibt man in Erinnerung.“


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