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Goldman Sachs: Was vom Brexit-Stellensegen in Frankfurt ankommt

Goldman Sachs

Im Messeturm dürfte es bald enger werden. Dort residiert Goldman Sachs in Frankfurt.

Die Frankfurter dürfen sich die Hände reiben: Goldman Sachs will womöglich nicht nur 200, sondern bis zu 600 Jobs von London nach Frankfurt verlagern. Für das Rhein-Main-Gebiet erweist sich der Abgang der Briten zunehmend als Brexsegen. Doch worum handelt es sich bei den Jobs überhaupt?

Prof. Martin Hellmich von der Frankfurt School of Finance & Management erwartet, dass ein wesentlicher Teil der Stellen auf das Middle und Back Office entfallen wird und nur ein kleinerer Teil auf das Front Office. „Es werden auch Front Office-Stellen verlagert werden. Aber den Hauptteil stellen die Jobs im Middle und Back Office dar“, erläutert Hellmich. Auf ein genaues Verhältnis der Front zu Middle und Back Office-Jobs wollte sich der Professor fürs Risikomanagement jedoch nicht festlegen. „Das hängt von zu vielen Faktoren ab. Entscheidend wird natürlich sein, was aus den Austrittsverhandlungen herauskommt.“

Tatsächlich betreibt Goldman Sachs wie die meisten US-Banken mit rund 200 Mitarbeitern in Deutschland vor allem das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) sowie mit Eigen- und Fremdkapital-Emissionen (ECM und DCM). Darüber hinaus gibt es noch Sales- und Strukturierer. Grosse Teile des Tradings sowie das Mittel- und Back Office werden dagegen von London aus betrieben. „Die Auslandsbanken halten in Deutschland meist nur einen ,Brückenkopf‘ mit Jobs vor, die nahe am Kunden sein müssen“, erläutert Hellmich, der früher selbst im Sales der britischen Grossbank Barclays Capital in Frankfurt gearbeitet hat. Wie dieser „Brückenkopf“ aussehe, variiere indes erheblich. „In Frankfurt sitzen Sie näher an den Kunden und in London näher an den Informationen“, erläutert Hellmich. „In der Vergangenheit wurde die Nähe zur den Informationen meist für wichtiger befunden.“

Diese Brückenkopf-Funktion sei mit dem Brexit obsolet geworden. Die Auslandsbanken müssten Trading-Jobs und vor allem Middle und Back-Office-Jobs in die Rest-EU verlagern. „Dabei gilt das doppelte Proportionalitätsprinzip“, erläutert Hellmich. Die Jobs in Risikomanagement, Compliance, Controlling und Internal Audit müssten also der Grösse und Komplexität des Geschäftsmodells proportional sein. „Wenn die Banken künftig mehr Geschäft in Frankfurt exekutieren, dann müssen sie hier auch mehr Stellen in diesen Bereichen schaffen“, betont Hellmich.

Dabei geht es um ein erkleckliches Potenzial, wie ein Blick in die Geschäftsberichte von Goldman Sachs belegt. Während die Goldman Sachs AG (Frankfurt) Ende 2016 gerade einmal 138 Mitarbeiter zählte, waren es bei Goldman Sachs International (London) immerhin 6125. Das Verhältnis von Front zu Middle- und Back Office fällt indes in beiden Konzerngesellschaften höchst unterschiedlich aus. Während in Frankfurt z.B. 51 Front Office-Investment Banker beschäftig sind, sind es in London 729. Ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung fällt in Frankfurt mit 37 Prozent deutlich höher aus als in London mit 12 Prozent. In London sind prozentual also deutlich mehr Leute in Middle und Back Office als in Frankfurt beschäftigt. Auch dies spricht dafür, dass ein erheblicher Teil der bis zu 600 neuen Jobs in Frankfurt in Support-Funktionen geschaffen wird.

Doch ein Teil der Back Office-Jobs wird womöglich gar nicht nach Deutschland, sondern nach Polen verlegt. „Es gibt auch im Banking Jobs, die wie am Fliessband sind“, sagt Hellmich. Diese könnten durchaus automatisiert oder nach Polen verlagert werden. „In den vergangenen Jahren sind aber sehr viele Jobs mit hohen Qualifikationsanforderungen im Regulierungsumfeld entstanden, die eher nach Frankfurt verlagert werden“, erläutert Hellmich. Dazu zählt der Professor Jobs aus dem Internal Capital Adequacy Assessment Prozess (ICAAP). „Komplexe Anforderungen aus Risikomanagement, Compliance und Internal Audit können nicht ohne weiteres in Polen umgesetzt werden.“


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