Chief Financial Officer - ein Berufsbild im Wandel

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Der Chief Financial Officer gilt früher wie heute als die Spitze der Karriereleiter im Controllingbereich. Doch abgesehen davon hat sich vieles verändert. Anstelle reiner Zahlenverwaltung gilt es heute, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen.

Die jüngere Vergangenheit mit zahlreichen Fimenpleiten und Bilanzskandalen hat die Rolle des Chief Financial Officers (CFO) in Unternehmen verändert. Dies belegt die weltweite Umfrage der Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton und des Marktforschungsinstitutes CFO Research Services unter 1.600 leitenden Angestellten aus dem Finanzbereich.

Vergangenheitsmessung reicht nicht mehr aus, um den heutigen Anforderungen eines Unternehmens gerecht zu werden. CFOs definieren daher ihre Rolle heute zunehmend weniger als reine Kostenkontrolleure bzw. "nur" in der effizienten Abwicklung von Transaktionen. Vielmehr sehen sie ihren Fokus künftig auf der Leistung eines effektivem Beitrags zur Steigerung des Shareholder Value und im Business Performance Management.

Zu diesem Schluss kommt auch eine von IBM Business Consulting Services präsentierte Studie. Über 450 Finanzchefs aus 35 Ländern nahmen darin zu ihren künftigen Schwerpunkten und dem Wandel ihrer Aufgaben Stellung. Diese wollen der Studie zufolge in den nächsten Jahren mehr beraten und aktiver auf Unternehmens-Entscheidungen Einfluss nehmen.

Vom Controller zum aktiven Wachstumstreiber

Was braucht ein moderner CFO? "Gerade in Krisenzeiten ist Controlling- und Reporting-Wissen allein zu wenig. Tiefes Verständnis für das Kerngeschäft ist notwendig, um Innovationen herbeizuführen und langfristiges Wachstum sicherzustellen", so Dr. Irmgard Heinz, die für die Booz Allen Hamilton-Umfrage im deutschsprachigen Raum verantwortliche Geschäftsführerin.

Ihre Studie zeigt: Jeder zweite CFO übernimmt mehr Verantwortung. Anstatt nur durch Finanzinformationen und Analysen zu unterstützen, tragen sie verstärkt zur Gestaltung der Strategie bei. Dabei stehen nicht mehr ausschliesslich die Kosten im Vordergrund. Drei von vier Finanzchefs gehen davon aus, dass Wachstum in den kommenden drei Jahren einen grösseren Beitrag zur Gewinnsteigerung des Unternehmens leisten wird als Einsparungen.

"Angesichts dieser neuen Herausforderungen ändert sich auch die Rolle und das Anforderungsprofil des CFO", erklärt Gerhard Müller, Wirtschaftsprüfer bei Ernst & Young und verantwortlicher Partner für den Bereich TCE (Technology, Communication and Entertainment Industry): "Von Finanzchefs wird nicht mehr nur finanzieller Sachverstand und Scharfsinn verlangt, sondern sie werden zunehmend auch in strategische Entscheidungen des Unternehmens eingebunden".

Unternehmenslenker, Stratege und Ratgeber

Der Finanzchef von heute arbeitet daher eng mit dem CEO (Chief Executive Officer) zusammen. Gleichzeitig muss er mit dem Vorstand und Aufsichtsrat sowie mit externen Stakeholdern kooperieren und sich als vertrauenswürdiger Ratgeber positionieren.

"Der CFO darf heute nicht mehr allein ein Zahlenjongleur sein," bestätigt Werner Brandt, Chief Financial Officer beim Global Player SAP, die Ergebnisse der Booz Allen Hamilton-Studie aus seiner eigenen Erfahrung. "Als unabhängiger Businesspartner muss er die Geschäftsbereiche bei der Festlegung der Strategie unterstützen, indem er die finanziellen Auswirkungen unterschiedlicher Szenarien klar herausarbeitet und die Operationalisierung der Strategie mit den jeweiligen Geschäftsbereichsleitern beziehungsweise Geschäftsführern auf Landesebene vorantreibt. Der CFO treibt die Gestaltung von Strukturen, Systemen und Prozessen."

"Die Unternehmensausrichtung sollte sich immer in der jeweiligen Finanzorganisation wiederfinden, um wirklich effektiv zu sein. Dabei geht es nicht nur um betriebswirtschaftliche Fragestellungen, sondern auch um die langfristige strategische Ausrichtung", resümiert Heinz.

Der Schlüssel zum Erfolg

Durch diese steigende Komplexität der Aufgaben werden erfolgreiche Finanzmanager immer mehr zu Schlüssel-Stellen ihrer Unternehmen. Die Finanzchefs reagieren in ihren Planungen darauf: Allein in den nächsten drei Jahren soll sich der Booz Allen Hamilton-Studie zufolge der zeitliche Anteil unternehmerisch orientierter Tätigkeiten mehr als verdoppeln (von derzeit 15 auf 37%).

Weitere Schwerpunkte stellen demzufolge das Management von Corporate Governance und Risiko-Controlling (54%) sowie Kosten-Reduktion und die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse (52%) dar. "Managing the balance sheet" sehen weniger als 40% noch im Bereich künftiger Kernaufgaben.

Verschiedene CFO-Typen

Booz Allen Hamilton und CFO Research Services haben die 1.600 befragten Finanzverantwortlichen in vier verschiedene Profile gegliedert.

Mit 52% gehören die meisten in die Gruppe der aggressiven Wachstumstreiber. Ihre Unternehmen wachsen. Gemeinsam mit dem CEO wollen sie die Profitabilität steigern - durch organisches Wachstum und einen ausgewiesenen Akquisekurs. Sie finden sich am häufigsten im Bankwesen, der Pharma- und der High Tech-Industrie sowie im Dienstleistungssektor.

Knapp ein Drittel (28%) der Befragten sind so genannte pragmatischen Umsetzer. Diese richten ihre Arbeit strikt am betrieblichen Erfolg aus und verhelfen dadurch dem Unternehmen zu einer Wertedisziplin. Diese CFOs sind in der Regel in der Energiebranche, in der Versicherungsindustrie, im Transportwesen, Einzelhandel und in der Freizeitindustrie zu finden.

Auch Sanierungen fallen gelegentlich in den Aufgabenbereich der CFOs. Unter wachsamen Blicken der Aufsichtsräte müssen Finanzchefs unliebsame Entscheidungen treffen, die andere nicht verantworten wollen. Dieses Profil des konsequenten Sanierers passt auf etwa 12% der befragten CFOs. Es kommt meistens in der Automobilindustrie, bei Investitionsgütern, in der Gebrauchsgüterindustrie und in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie vor.

Mit 8% die kleinste Gruppe bilden die innovativen Strategen. Das Profil tritt am häufigsten im Gesundheitswesen, in der Konsumgüterindustrie, in der Immobilienbranche und speziellen Finanzdienstleistungen auf. Diese Finanzchefs identifizieren Möglichkeiten für Innovationen und Produktneuheiten und implementieren diese durch die sanfte Anpassung von Geschäftsmodellen und Organisationsstrukturen.

Die Schweiz zeigt, wie es geht

"Das Anforderungsprofil des modernen Finanzchefs ist in den letzten 5 bis 10 Jahren neu geschrieben worden. Jene, die ihm gerecht werden wollen, sehen sich mit gewaltigen Herausforderungen auf theoretischer, empirischer und praktischer Ebene konfrontiert," beschreibt Prof. Dr. Josef Marbacher, Leiter des Instituts für Finance (IFF) der Fachhochschule Aargau / Nordwestschweiz (FHA) die Probleme, vor denen angehende Finanzchefs mit klassischer Hochschulausbildung stehen.

Sein Institut bietet in einem Aufbaustudium "Corporate Finance CFO" die Möglichkeit an, die an einen modernen CFO gestellten Anforderungen zu erlernen. Das Studium richtet sich an Führungs- und Fachkräfte aus dem Finanzbereich eines Industrie- oder Dienstleistungsunternehmens oder der Finanzdienstleistungsbranche, die sich beruflich weiterentwickeln wollen und eine höher qualifizierte Tätigkeit anstreben. Das Ziel des Studiums ist es, den traditionellen Finanzchef zum modernen Finanzchef auszubilden.

Das Nachdiplomstudium umfasst inhaltlich die Tätigkeiten eines modernen Finanzchefs, nämlich Unternehmensstrategien, wertorientierte Unternehmensführung, Bewertungsfragen, Kapitalstruktur, Dividendenpolitik, Management des Working Capital, Finanzierung mit Fremd- und Eigenkapital, Investitionsanalyse, Controlling, Internationale Rechnungslegung, Risikomanagement, Spezialfälle wie Fusionen und Akquisitionen, Steuern und Compliance, aber auch Investor Relations und Kommunikation.

Der erste Studienjahrgang hat den Weg zum modernen Finanzchef bereits erfolgreich zurückgelegt und das Nachdiplom FH in Richtung Corporate Finance CFO im letzten Herbst erhalten. Die zweite und die dritte Klasse sind seit November 2003 bzw. 2004 unterwegs. Der Beginn des vierten Kurses ist der 4. November 2005.

Auch für deutsche angehende Finanzchefs ist das Studium interessant, da die Unterrichtssprache vorwiegend Deutsch ist. Zumindest für solche in Südwestdeutschland: Der berufsbegleitende Unterricht findet in Zürich statt. Die Weiterbildung ist nicht ganz billig: 24.000 Schweizer Franken, umgerechnet 15.000 Euro, kostet der anderthalb Jahre dauernde Studiengang. Doch das Geld sollte einem die Top-Vorbereitung für eine Tätigkeit als Finanzchef moderner Prägung schon wert sein.

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