GASTKOMMENTAR: Wie Personalabteilungen und Headhunter mit Bewerbern umspringen

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Jeder Bewerbungsratgeber hat Tausend gute Ratschläge parat: Anschreiben und Lebenslauf dürfen keinerlei Tippfehler aufweisen, das Layout muss einwandfrei und jedes Detail durchdacht sein - ansonsten kann kein Bewerber gegenüber den hohen Herrschaften aus den Personalabteilungen bestehen. Umgekehrt gelten im Umgang der HR-Leute mit den Bewerbern oft Wildwestmethoden. Nach Jahren im Bankgeschäft habe ich da so einige Erfahrungen sammeln können, andere stammen von meinen Kollegen:

Die zu Guttenberg-Methode bei Absagen

Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg ist nicht er einzige, der die Copy Paste-Funktion seines Computers meisterhaft beherrscht. Auch die HR-Experten bedienen sich ausgiebig dieses Verfahrens, wenn es um das Verfassen einer Absage geht. Anschliessend liest ein Bewerber den immer gleichen Standardtext, wieso Sie nicht in die engere Auswahl gelangt sind, obwohl Ihr Profil sehr interessant und hervorragend ist. Doch leider gibt es einen Kandidaten, der besser auf das Anforderungsprofil passt etc.

Sicher flattern den Damen und Herren aus der "Mitarbeitergewinnungsabteilung" pro ausgeschriebener Stelle hunderte Dokumente auf den Tisch und ausserdem stellt die Copy Paste-Antwort einen Selbstschutz der Unternehmen vor Klagewellen abgelehnter Bewerber dar.

Die vordatierte Absage

Interessant ist auch eine Geschichte, die mir ein Bekannter kürzlich erzählte. Der gute Mann erhielt eine Absage auf eine Bewerbung auf eine ausgeschriebene Stelle. Dankenswerterweise legte ihm die Personalabteilung telefonisch nahe, sich auf eine andere, bessere Position zu bewerben. Rasch wurde hierfür auch ein Vorstellungsgespräch arrangiert.

Dort angekommen wurde er mit einer sehr aggressiven Gesprächsführung konfrontiert, was schon einiges über die Unternehmenskultur aussagt. Die Gesprächsführer versäumten nicht, ausdrücklich auf die korrekte Schreibweise des Unternehmensnamens hinzuweisen: kursiv, kleinkariert, mit kaufmännischen "und" (&), hochgestelltem Ausrufungszeichen oder so ähnlich. Schliesslich flatterte ihm eine Absage ins Haus - datiert auf einen Tag vor dem Bewerbungsgespräch!

Verhandlungssicheres Englisch gilt nicht für Human Resources

Verhandlungssicheres Englisch stellt im Banking eine Selbstverständlichkeit dar. Darüber hinaus konnte ich im Lebenslauf auch einige Stationen im Ausland vorweisen. Dennoch kamen bei einem Telefoninterview für eine Stelle seitens des Personalers Zweifel auf: "Sie haben in Ihrem Lebenslauf stehen, dass Sie fliessend / verhandlungssicher Englisch sprechen. Können wir das Telefonat auf Englisch weiterführen?"

"Sure, go ahead", antwortete ich. Darauf versuchte der Personaler eine Frage auf Englisch herauszubringen, was er nach dem ersten Halbsatz verzweifelt abbrach. Das versetzte mich doch in Erstaunen und ich konnte mir ein kopfschüttelndes Schmunzeln nicht verkneifen. Ich gab der armen Person am anderen Ende der Leitung die Möglichkeit, fragte auf Deutsch nach und beantwortete dann auf Englisch die auf Deutsch gestellten Fragen.

Den Job gab es dennoch nicht. Auf die Nachfrage, wieso ich abgelehnt wurde, gab es dann zur Antwort: "Der Chef möchte lieber jemanden von einem globalen Haus wie Lehman Brothers'" - wir schrieben das Jahr 2010. What a pity!

Der goldene Käfig der Personalabteilung

Wer sich auf eine Stelle bewirbt, sollte sich intensiv mit der betreffenden Position und dem Unternehmen auseinandersetzen. Denn eine profunde Information des Bewerbers zeugt von Interesse und Engagement. So findet sich bei Stellenausschreibungen oftmals der Hinweis: Weitere Informationen bei der Person XYZ.

Doch wenn man dort anruft, kann es durchaus vorkommen, dass man gar keine Informationen erhält. Nach längerem Zögern des Bewerbungsanschreibensammelstelleninhabers (Personalabteilung) folgte die Offenbarung, dass der Personalmitarbeiter gar nichts zu der Stelle sagen konnte, da er den Bereich nicht kannte.

Headhunter sind auch nicht besser

Diese Gilde lässt sich bekanntlich in zwei Kategorien einteilen: die mit festen Kundenaufträgen und diejenigen, die ungefragt Ihren Lebenslauf weiterleiten.

Auch bei Headhuntern ist Anstand keine Selbstverständlichkeit. So vermittelte ein Freund von mir einen Bekannten an einen Headhunter, mit dem er selbst befreundet war. Als der Bekannte sich mit dem Herren bei Starbucks traf, kam die Unterhaltung auf meinen Freund zu sprechen. Obgleich dieser ihm den Kandidaten vermittelt hatte, zog der Headhunter über seinen Freund her und erzählte nebenher mit vor Pomade glänzenden Kopf, was für ein toller Hecht er mit seinen beruflichen Stationen und Fortbildungen sei. Dabei fehlte natürlich jede Arbeitserfahrung in der Bankenindustrie.

Ein Plädoyer für Anstand

Personalvermittler von Banken und Headhunter erwarten von Kandidaten einen tadellosen Auftritt. Dann können die Kandidaten doch auch erwarten, mit einem gewissen Anstand behandelt zu werden: Behandle andere so, wie Du selbst behandelt werden möchtest.

Doch es gibt auch Lichtblicke: Vor einiger Zeit hat ein Bekannter den Tipp bekommen, sich direkt an einen CEO zu wenden. Nach einer ersten Absage erhielt er einen Monat später überraschend eine Email von dem CEO, ob er noch zur Verfügung stehe. Auch ein Initiativanruf bei einem Vorstand führte in einem anderen Fall dazu, dass man sich auf einen Kaffee traf und der Vorstand seine Kontakte auf den Arbeitssuchenden aufmerksam machte.

Letztlich kann ich nur raten: Die andere Seite kocht auch nur mit Wasser und Sie sollten stets ein Lächeln parat haben: nicht aufregen, nur wundern.

Unser Gastkolumnist hat bei verschiedenen Adressen gearbeitet und die "Konsolidierung" des deutschen Bankensektors am eigenen Leib erfahren.

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