Banken werden trotz Finanzkrise immer grösser

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Europas Banken gehen aus der Kreditkrise grösser als früher hervor. Damit stellen sie ein höheres Risiko für die Volkswirtschaften der Länder dar, in denen sie beheimatet sind.

Seit Anfang 2007 sind bei mindestens 353 europäischen Kreditinstituten die Bilanzsummen gestiegen. 15 Banken haben eine Bilanzsumme, die grösser ist als das Bruttoinlandsprodukt ihrer Heimatländer - vor drei Jahren waren es lediglich zehn.

Die Europäische Union hat zwar Banken zerschlagen, die Staatshilfe in Anspruch nahmen - unter anderem mussten die Commerzbank, ING Groep und Lloyds Banking Group Sparten abstossen. Bei Kreditinstituten, die keine staatlichen Gelder benötigten, aber trotzdem "zu gross sind, um zu scheitern", hat sich jedoch nichts getan.

Die Bilanzsumme europäischer Banken ist seit Anfang 2007 um 25 Prozent gestiegen, zeigen Bloomberg-Daten. In den USA hat der vergleichbare Wert nur um 20 Prozent zugelegt. "Wir säen die Saat für die nächste Krise", warnt David Lascelles, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Centre for the Study of Financial Innovation in London. "In den vergangenen zwei Jahren haben wir die Banken tatsächlich viel grösser werden lassen. Das geht eigentlich gegen die aktuelle Strömung."

Massiv ausgeweitet hatten die Banken ihre Bilanzen während der Kreditblase, die in die Finanzkrise mündete. So stieg die Bilanzsumme der Royal Bank of Scotland (RBS) in den zehn Jahren bis Ende 2008 um 2.914 Prozent, angetrieben von Akquisitionen sowie dem Ausbau des Handels und des Kreditgeschäfts. In dem Zeitraum investierte die RBS 140 Mrd. Dollar in Übernahmen.

Die letzte Akquisition, ABN Amro, im Jahr 2007, löste dann die bislang grösste staatliche Rettungsaktion für eine Bank aus. Die RBS musste sich verpflichten, ihre Bilanzsumme in den nächsten fünf Jahren um 50 Prozent zu reduzieren.

Andere Banken wachsen auch in der Krise. Seit Januar 2007 hat beispielsweise die französische BNP Paribas ihr Bilanzvolumen um 59 Prozent ausgeweitet auf 2,29 Bio. Euro. Die Summe entspricht 117 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von Frankreich. Bei der in London beheimateten Barclays ist die Bilanzsumme um 55 Prozent gestiegen auf 1,55 Bio. Pfund (1,7 Bio. Euro), was 108 Prozent des britischen BIP entspricht. In Spanien verzeichnete Banco Santander ein Plus von 30 Prozent bei der Bilanzsumme, die mit 1,08 Bio. Euro ungefähr den Umfang des spanischen BIP hat. Insgesamt haben 38 unter den 100 grössten Banken in Europa laut Bloomberg-Daten derzeit eine höhere Bilanzsumme als zu Jahresanfang.

Die risikogewichtete Eigenkapitalquote bei einigen Instituten liegt laut einer Studie der Ratingagentur Standard & Poor's vom 23. November unter dem Durchschnitt.

Dazu gehören beispielsweise die Deutsche Bank, Banco Bilbao Vizcaya Argentaria aus Spanien und die italienische Unicredit.

Weitere Schwächen bei Banken dürften zutage treten, wenn die Europäische Zentralbank kein billiges Geld mehr zur Verfügung stellt. Am 20. November brachen die Kurse der Commerzbank und des Staatsfinanzierers Dexia um bis zu 4,4 Prozent ein, nachdem EZB-Präsident Jean-Claude Trichet erklärte, der Kapitalfluss müsse gebremst werden.

Die Kreditkrise zeige, dass grosse Institutionen ein zu hohes Risiko für ihre Heimatländer darstellten, sagt Tom Kirchmaier, Dozent an der London School of Economics. "Es spricht meiner Ansicht nach einiges dafür, Banken zu zerschlagen, die zu gross zum Scheitern sind", erklärt er. "Wenn es einen weiteren systemischen Schock gibt und eine oder mehrere dieser sehr grossen Banken zusammenbrechen würden, bin ich mir nicht sicher, ob einige der kleineren Länder ein zweites Mal solche Verluste verkraften würden."

Im Gefolge der Kreditkrise musste bereits Island nach dem Zusammenbruch seines Bankensystems um Unterstützung des Internationalen Währungsfonds (IWF) nachsuchen. Das Land erholt sich laut IWF nur langsam von der schlimmsten Rezession unter den Industrieländern, die Kurse am Aktienmarkt sind um 98 Prozent eingebrochen.

Die zunehmende Komplexität der Banken erschwere den Aufsichtsbehörden und Staaten die Risikokontrolle, kommentiert Johannes Wassenberg, Managing Director europäische Banken bei Moody's Investors Service in London. "Bei der UBS ging man von einem sehr guten Management aus, aber das ist grandios gescheitert", führt Wassenberg aus. "Der Markt hat enormes Vertrauen in die Selbstaufsicht der Banken, aber es ist schwer zu erkennen, ob sie es wirklich richtig tun. In dieser Hinsicht sind kleinere Banken eine sicherere Sache."

Die in Zürich beheimatete UBS hat seit Beginn der Kreditkrise 57,5 Mrd. Euro Schweizer Franken (38 Mrd. Euro) an Verlusten und Abschreibungen ausgewiesen, womit sie in Europa an der Spitze liegt. Der Schweizer Staat unterstützte die Bank mit sechs Milliarden Franken.

Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, äusserte im November, es sei die Höhe des Risikos, nicht die Grösse einer Bank an sich, die höhere Eigenkapitalanforderungen rechtfertige. In einer Marktwirtschaft dürfte die Grösse eines Unternehmens per se nicht automatisch als schädlich angesehen werden.

Zu den von Politikern angedachten Lösungen gehört eine Verpflichtung der Banken, das Investmentbankengeschäft vom Privatkundengeschäft zu trennen. Zudem sollen die Banken sich äussern, wie sie bei einem Zusammenbruch aufgespalten würden.

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