Der Aufstieg der Private Banker

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Man möchte meinen, dass in der vornehmen Welt des Private Bankings übereifriges Einstellungsverhalten als unschicklich angesehen würde. Mitnichten! Eine Studie unter 26 Geschäftsführern bei Privatbanken belegt, dass 96 Prozent planen, in den kommenden 12 Monaten zusätzlich Manager für den Bereich Relationshipmanagement einzustellen.

Mark Somers, Leiter des Bereichs Vermögensverwaltung und Asset Management beim Personalberater Gow & Partners, hat die Studie durchgeführt. Er fand heraus, dass die teilnehmenden Banken in den kommenden zwölf Monaten die Anzahl der Relationshipmanager um knapp 25 Prozent von 914 auf 1.142 steigern wollen.

Somers glaubt, dass die Daten für das kommende Jahr eine ungewöhnlich hohe Einstellungsquote für den Bereich Private Banking widerspiegeln: "In den letzten zwei Jahren war die Nachfrage der Privatbanken durch das fehlende Wachstum dieses Sektors sehr gedrosselt. Mittlerweile hat der Markt aber nachgezogen, und alle sind auf der Suche nach weiteren Angestellten, um den eigenen Marktanteil zu erhöhen."

Eine Umfrage von Scorpio Partnership, einem Anlageberatungsunternehmen, hat herausgefunden, dass die von Privatbanken verwalteten Vermögenswerte im Jahr 2004 weltweit um 13,1 Prozent auf über 6 Billionen US-Dollar (knapp 5 Billionen Euro) angestiegen sind. Die Erträge stiegen im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 24 Prozent.

Somers meint, dass sich der Markt zu Lasten der Produktspezialisten, die spezifische Investments beraten, und zu Gunsten der Relationshipmanager verschoben hätte.

Coutts, ein britisches Bankhaus aus der Royal-Bank-of-Scotland-Gruppe, ist eines jener Institute, die nach weiteren Relationshipmanagern Ausschau halten. John Last, Leiter der Personalabteilung der Bank, berichtet, dass sich Coutts in einer Wachstumsphase befände. Last erzählt, dass die Bank in den letzten zwölf Monaten 60 Relationshipmanager neu eingestellt hätte und die Einstellung der nächsten 30 bereits plane. "Die Leute werden immer wohlhabender, und bislang ist noch keine Bank wirklich marktbeherrschend", meint Last.

Somers berichtet, dass Personalknappheit und Abwerbungsversuche von Konkurrenten einigen Banken bei ihren Recruitingvorhaben in die Quere kämen. "Wir bewegen uns in einem endlichen Markt. Zwischen dem Wunsch, jemanden einzustellen und einem Vertragsschluss liegen Welten. Gegen Ende des Jahres werden über die Hälfte der Bankhäuser netto mehr Mitarbeiter freigesetzt als eingestellt haben", meint Somers.

Auch wenn 60 Prozent der Studienteilnehmer angaben, dass eine bereits bestehende Kundenbasis längst nicht mehr eines der wichtigsten Einstellungskriterien sei, glaubt Somers, dass die Banken dennoch bei Neueinstellungen zweimal hinsehen, wenn sie einen Kandidaten ohne Berufserfahrung im Private Banking und ohne eigenen Kundenstamm einstellen. "Die Banken sind hinsichtlich ihrer Neueinstellungen weiterhin sehr konservativ", erklärt Somers.

Höhere Gehälter in Zürich

Mehr Neueinstellungen könnten auch zu höheren Gehältern führen. Nach Angaben der Gow-Studie liegt das Grundgehalt eines britischen Private Bankers mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung durchschnittlich bei 55.000 Pfund (knapp 80.000 Euro). Hinzu kommt ein Bonus von etwa 11.000 britischen Pfund (16.000 Euro). Banker mit fünf bis zehn Jahren Berufserfahrung verdienen 77.000 britische Pfund (111.500 Euro) plus einen durchschnittlichen Bonus von 28.000 britischen Pfund (40.500 Euro). Directors beziehen im Schnitt ein Grundgehalt von 105.000 britischen Pfund (152.000 Euro) und einen Bonus von rund 40.000 britischen Pfund (59.000 Euro).

Eine weitere Studie von Mark Ritter, Senior Consultant beim Züricher Unternehmensberater MCZ Management Consulting, hat festgestellt, dass die Gehaltsschecks von Private Bankern in der Schweiz sogar noch üppiger ausfallen. Ein Customer-Relationship-Manager im Rang eines Directors, der eigene Kundschaft mitbringt, kann mit Gehaltspaketen von 300.000 bis 800.000 Schweizer Franken (192.000 bis 512.000 Euro) rechnen. Ritter berichtet, dass sich die angeschlagenen Schweizer Banken Teams, die neue Kundschaft mitbringen dürften, einiges kosten lassen.

Im Gegensatz dazu fallen die Durchschnittsgehälter von Private Bankern in den anderen europäischen Finanzzentren üblicherweise niedriger aus. Sergio Zanetta, Associate Partner bei Proper Transearch in Mailand, meint, dass die Gehälter in Italien gewöhnlich 25 bis 30 Prozent unter den britischen lägen, auch wenn der italienische Markt ebenfalls boomt. "Private Banking ist der geschäftstüchtigste Markt", meint Zanetta. "Alle sind auf der Suche nach Kandidaten, die mindestens 1 Millionen Euro an zusätzlichem Geschäft mit in die Bank bringen."

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