Was die G20-Beschlüsse für Schweizer Banker bedeuten?

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Der G20-Gipfel hat einen finanzpolitischen Sandsturm ausgelöst. Die Schweiz war zwar bei dem Treffen in London nicht dabei, aber trotzdem irgendwie mittendrin. Die kleine Alpenrepublik mit ihrem Bankgeheimnis war und ist eine ideale Zielscheibe für Länder wie Deutschland, Frankreich und Grossbritannien.

Die zeigen ungeniert mit dem Finger auf Helvetia, als ob das Bankgeheimnis die schlimmste Krise der Weltwirtschaft seit 80 Jahren ausgelöst hätte - und nicht etwa die Finanzingenieure in den Investmentbankingzentralen London und New York, nicht die US-Notenbank mit ihrer aggressiven Niedrigzinspolitik, nicht die G20-Politiker, die auf eine Regulierung ihrer Finanzindustrie verzichtet haben.

Es ist übrigens kein Zufall, dass von den G20-Ländern kein einziges auf der schwarzen oder grauen Liste gelistet wird. Weder das chinesische Kasinoparadies Macao, noch die britischen Kanalinseln oder die amerikanischen Kaiman-Inseln.

Natürlich geht es hier vor allem um Macht - und die Suche nach Sündenböcken, um von eigenen Fehlern und Unzulänglichkeiten abzulenken. Was aber bedeutet das für die Eidgenossen?

Nun, die Schweiz muss damit rechnen, dass der Druck auf das Bankgeheimnis nach dem G20-Gipfel anhält. Zumindest so lange die Krise andauert. Ausserdem wird in diesem Jahr noch in Deutschland ein neues Parlament gewählt - und SPD-Finanzminister Peer Steinbrück schiesst vor allem deshalb auf seinen Nachbarn, um die politische Konkurrenz zu treffen.

Ex-Nationalrat Rudolf Strahm glaubt trotzdem nicht, dass der Bankenstandort Schweiz wegen der Debatten und das Bankgeheimnis und angeblichen Beihilfe zur Steuerhinterziehung Schaden nehmen wird. Gleichwohl geht er davon aus, dass die Schweiz unter Beobachtung bleibt. Sie könne nicht länger die Strategie von Bundespräsident Merz weiterführen, die da lautet Versprechen abgeben und das Problem aussitzen.

Einen Kollaps des Finanzplatzes werde es schon deshalb nicht geben, weil von den 330 Banken in der Schweiz lediglich 30 bis 40 Banken von den G20-Beschlüssen betroffen sein, die also mit der Akquisition von privaten Kundengeldern aus dem Ausland, die natürlich auch Fluchtgelder sein können, ihre Geschäfte machten.

Die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse werden vermutlich in absoluten Zahlen am stärksten betroffen sein werden. Aber relativ zu ihrer Grösse und zu den übrigen Geschäften werden sie wahrscheinlich weniger leiden. "Hingegen werden einige der 14 Privatbanken ihr Geschäftsmodell massiv ändern müssen", so Strahm weiter.

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