DER BERATER: Das erste Interview - bei den Big Four

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Unser Gastautor arbeitet als Consultant im Kapitalmarktumfeld und ist auf der Suche nach einem neuen Job. In einem Blog berichtet unser Kolumnist über seine Erfahrungen bei diesem Unterfangen.

So, nun hatte ich knapp zwei Monate meinen Lebenslauf hoch geladen und regelmässig Kontakt mit Headhuntern. Hier möchte ich anmerken, dass es eine gute Idee zu sein scheint, regelmässig seinem Lebenslauf ein Update zu verpassen. Nach jedem Update wurde mein Lebenslauf 10 bis 20 Mal aufgerufen. Nach einem solchen Update kam auch ein Headhunter einer kleinen deutschen Boutique auf mich zu. Nachdem wir ein paar Wochen in Kontakt waren, gab es ein interessantes Stellenangebot. Es ging um die Beratung einer der Big Four.

Zur Vorbereitung schaute ich mir die Homepage, insbesondere den Bereich Advisory an. Damit war die Vorbereitung für mein erstes Interview eigentlich schon gelaufen. Das Interview fand unter der Woche um 19.00 Uhr in der gleichen Stadt statt. Bei meiner Arbeit sorgte ich dafür, dass ich früher mit meinen Aufgaben fertig war.

Also ging es los. Ich muss zugeben, dass ich mich schon etwas unwohl in meiner Haut gefühlt hatte. Es lagen immerhin zwei Wochen zwischen der Einladung und dem tatsächlichen Gespräch. In dieser Zeit beschlich mich ein komisches Gefühl. Aus Erfahrung wusste ich jedoch, dass ich gut daran getan hatte, das Ganze mit grosser Verschwiegenheit zu behandeln.

Das Gespräch mit einem Manager und einem Partner fand in der Niederlassung des potenziellen Arbeitgebers statt. Zuerst stellten sich die beiden vor und dann wurde ich nach meinem Werdegang befragt. Hier war zunächst von Interesse, was ich vor und neben dem Studium gemacht hatte. Das Praktikum bei einer anderen Beratung war auch interessant, leider durfte ich sehr wenig darüber erzählen (Stichwort Verschwiegenheit). Dies wurde mir aber nicht zu meinem Nachteil ausgelegt.

Schliesslich kamen wir zu meiner aktuellen Anstellung und hier ging es sehr detailliert durch meine Projekte, Artikel und Studien. Ich hatte mich hier vor einiger Zeit entschlossen, nur die vier bis fünf wichtigen Projekte in meinen Lebenslauf aufzunehmen und entsprechend stellte ich diese vor. Interessant war dabei die jeweilige Aufgabenstellung und was ich gemacht hatte. Insbesondere, warum ich genau diesen Lösungsweg gewählt hatte und nicht einen anderen.

Mein Tipp: Für ein Gespräch sollte man ca. fünf bis zehn Minuten über jedes Projekt/Tätigkeit erzählen können. Ich hatte die Originale meiner Unterlagen (Zeugnisse, ...), Ausdrucke meiner Fachartikel und eine Version einer Studie - an der ich mitgearbeitet hatte - dabei. Wenn Ihr so etwas vorweisen könnt und es dabei habt, dann macht das gleich einen sehr guten Eindruck. Ebenfalls scheint es eine vertrauensbildende Massnahme zu sein, wenn man die Originale der Unterlagen mitbringt - und zwar unabhängig davon, dass man diese vorher bereits als Scans gemailt hat.

Schliesslich habe ich mich aus mehreren Gründen gegen das Angebot entschlossen. Zunächst lag es wohl daran, dass die "Chemie" nicht stimmte. Hinzu kam der Aufgabenbereich. Der Partner sah seinen Wettbewerbsvorteil darin, dass er nahezu ausschliesslich regulatorische Themen bearbeitete. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen meine Zukunft darauf aufzubauen, den Gesetzestext um ein Komma genauer zu lesen als jeder Wettbewerber - was aber die Herren mir gegenüber so kommunizierten. Also lehnte ich das Angebot ab und bleibe weiter auf der Suche.

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