2009 - Die Finanzkrise streift den Schweizer Banken-Arbeitsmarkt

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Die gute Nachricht vorweg: Der weltweite Finanz-Feuersturm - entstanden aus einem Schwelbrand namens US-Hypothekenkrise - hat den Schweizer Banken-Arbeitsmarkt bislang verschont. Ende November herrschte in diesem Segment mit einer Arbeitslosenquote von 1,8 Prozent praktisch Vollbeschäftigung.

Leider wird das nicht so bleiben. Serge Gaillard, Leiter der Direktion Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft, sagte bei der Präsentation der Arbeitslosenzahlen für November, dass die konjunkturellen Folgen erst mit einiger Verzögerung auf die Beschäftigung bei den Banken durchschlagen werden.

Gewerkschafter bereiten ihre Mitglieder bereits auf harte Zeiten vor. "In den letzten Jahren schufen die Banken drei bis fünf Prozent mehr Stellen - jährlich", sagte Peter-René Wyder, "In den letzten Jahren schufen die Banken drei bis fünf Prozent mehr Stellen - jährlich", sagte Peter-René Wyder, Zentralpräsident des Bankpersonal-Verbands: "Dies wird jetzt wohl wieder korrigiert."

Wyders Rechnung: Auf dem Höhepunkt Ende 2007 beschäftigten die Banken rund 130.000 Mitarbeiter in Teil- oder Vollzeit. In der letzten grossen Krise nach dem Dotcom-Crash und den Terroranschlägen vom 11. September 2001 waren es rund 110.000 - und dieses Niveau wird jetzt wohl auch wieder angepeilt.

"Ich teile die Befürchtung, dass im Januar weitere Hiobsbotschaften folgen", sagte Barbara Gisi, Leiterin Angestelltenpolitik beim KV Schweiz.

Zugleich verweist die Arbeitnehmervertreterin auf die 200 freien Stellen bei der Credit Suisse. Die sollten doch möglichst mit Mitarbeitenden besetzt werden, deren Arbeitsplätze dem Rotstift zum Opfer fallen.

Tatsächlich finden sich auf den Webseiten fast aller Finanzdienstleister mehr oder weniger viele Vakanzen. Vor allem im Sales. "Gute Vertriebsleute werden immer gesucht", sagt Gerold Guggenbühl, Headhunter bei Guggenbühl & Bächer Recruitment AG in Zürich.

Stark bedroht sind vor allem Investmentbanker.

Dagegen können die Mitarbeitenden im Privat- und Firmenkundengeschäft aufatmen. In der Vermögensverwaltung ist sogar ein regelrechter Wettlauf um die besten Mitarbeiter entstanden, sagt ein Headhunter, der nicht genannt werden möchte. Privatbankiers, aber auch Kantonal- und Raiffeisenbanken, wilderten ausserdem im Personalpool der beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse, so der Branchenkenner.

Auch scheinen viele Spezialistenstellen weiterhin sicher: "Hier gibt es immer einen Markt, und hier zögern die Banken auch mit dem Abbau", sagt der spezialisierte Personalvermittler Philip Jung. Risk Management, Internal Audits, Revision - viele Tätigkeiten sind derzeit gefragter denn je.

Unter Druck geraten hingegen allgemeine Dienst-, Stabs- und Back-Office-Stellen. "Am ehesten trifft es die Leute in den Back-Offices", so Jung. "Man muss Spezialist sein, oder Kunden bringen."

Hohe Lohnsteigerungen sind ebenfalls Vergangenheit. "Die Bankangestellten müssen damit rechnen, dass die Löhne unter Druck kommen", sagt Doris Aebi von der Executive-Search-Firma Aebi+Kuehni: "Es ist die logische Konsequenz aus den jüngsten Entwicklungen. Am Ende dürften die Banken verglichen mit der Industrie immer noch höhere Löhne bezahlen, aber der Unterschied wird kleiner."

Warm anziehen müssen sich dagegen die Beschäftigten bei Hedgefonds. "Während das traditionelle Asset Management keine Problem hat, bekommen viele Hedgefonds, die sich vor allem über die Performance-Fee finanzieren, Probleme", weiss Headhunter Guggenbühl.

Grossanbieter wie die Man Group in Pfäffikon werden vermutlich gestärkt aus der Krise hervorgehen. Dagegen dürften Anbieter, die zu hohe kreditfinanzierte Wetten eingegangen sind und von Handelsbeschränkungen wie dem Leer-Verkaufs-Verbot auf dem falschen Fuss erwischt wurden, auf der Strecke bleiben.

Ob und wie viele der 500 in der Schweiz domizilierten Hedgefonds davon betroffen sein werden, steht derzeit in den Sternen. Der Branchenverband ist jedenfalls zuversichtlich, dass 2009 eine "markante Erholung möglich ist". Den rund 5.000 Mitarbeitenden wäre das zu wünschen.

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