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Warum immer mehr Hedgefonds in der Schweiz um Asyl bitten

Immer mehr Hedge-Fonds-Gesellschaften kehren London den Rücken und lassen sich in der Schweiz nieder. Der Trend dürfte sich weiter beschleunigen, sagen Beobachter. Sie verweisen auf die geänderten Regeln der britischen Regierung bei der Besteuerung nicht ansässiger Personen in Großbritannien ebenso wie auf jüngste Vorschläge des Europäischen Parlaments zur Regulierung von Hedge-Fonds in der EU.

“Sie können es als die beiden Säulen einer verhängnisvollen Entwicklung ansehen”, sagt David Butler, Gründer und Partner bei der Beratungsfirma Kinetic Partners LLP in London. Das “stete Rinnsal” werde sich bald in einen Strom der Abwanderung verwandeln, so Butler. Seit Großbritannien den neuen Spitzensteuersatz von 50 Prozent eingeführt habe, hätten sich die Anfragen bei ihm verzehnfacht, berichtet er.

Die EU wiederum verschärfe die Anstrengungen einer “allumfassenden Aufsicht” nach den Verlusten an den Märkten im Vorjahr. Der jüngste Vorstoß im europäischen Parlament sieht vor, Hedgefonds und Buyout-Gesellschaften mit einem Anlagevermögen von mehr als 100 Mio. Euro zu überwachen.

Die Richtlinie habe sich zu einer politisch motivierten Attacke gegen die erfolgreiche Finanzbranche in Großbritannien entwickelt, sagt Richard Perry, Partner bei der Londoner Anwaltskanzlei Simmons & Simmons. Sollte sie so umgesetzt werden, rechnet er damit, dass viele Hedgefonds sich außerhalb Europas niederlassen werden und das “Wachstum der Hedgefondsbranche in London erheblich gehemmt” wird.

Schätzungen zufolge werden etwa 80 Prozent der in Hedgefonds aus Europa veranlagten Gelder im Volumen von 400 Mrd. Dollar (301 Mrd. Euro) von London aus betreut. Es ergeben sich erhebliche Nachteile für Gesellschaften, die aus Großbritannien heraus ihre Geschäfte abwickeln, verglichen mit Zürich, Dubai oder New York, sagte Simon Walker vom britischen Verband der Buyout-Gesellschaften.

Wie viele Manager schließlich London verlassen werden, darüber gehen die Meinungen auseinander: Denn neben der Besteuerung und Fragen der Aufsicht gehe es um Fragen des täglichen Lebens in einer fremden Kultur.

In Genf etwa müsse man Französisch sprechen, denn anders als an der Côte dAzur komme man da nicht mit Englisch durch, sagt Joe Seet, der ehemaliger Hedge-Fonds-Manager und Gründer des Beratungshauses Sigma Partnership in London ist. Das erschwere einen Umzug. Seet verweist auf einen möglichen Vorteil für praktisch veranlagte Milliardäre in der Schweiz: Vermögende Privatpersonen handeln in einigen Schweizer Kantonen ihren Steuersatz mit den Behörden aus und legen dabei die erwarteten Ausgaben zugrunde – nicht die Einnahmen.

Nach Einschätzung von David Butler von Kinetics gibt es nun nichts mehr, was Londoner Hedge-Fonds-Manager davon abhalte, auszubrechen und das Weite zu suchen, fügt er hinzu.

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