Deutsche Bank hebt den Cash-Anteil am Bonus an

eFC logo

Die Deutsche Bank hat ihr Bonusprogramm restrukturiert, um die Personalkosten im Laufe der nächsten Jahre zu senken.

Dieser Schachzug soll dem Personal einen kurzfristigen Anreiz geben, das vom Vorstandschef Ackermann ausgegebene Ziel einer 25%-igen Eigenkapitalrendite zu erreichen. Zudem verschafft die Massnahme der Bank höheren Spielraum bei der Freisetzung von Personal, da dieses nun nicht mehr aus langfristigen Aktienoptionsprogrammen herausgekauft werden muss. Dennoch erwarten die Analysten letzte Woche einhellig, dass Ackermann sein 25%-Ziel nicht erreichen wird.

Die Entscheidung bezüglich des Bonusprogramms darf aber auch als eine Reaktion auf interne Befürchtungen verstanden werden, die Deutsche Bank-Aktie bilde aufgrund ihrer verhältnismässig schwachen Performance keinen effizienten Leistungsanreiz.

Vor zwei Jahren hatte die Deutsche Bank noch eine umstrittene Neubewertung vieler Mitarbeiteroptionen vorgenommen, nachdem der Aktienkurs stark gefallen war. Im letzten Jahr stieg die Aktie um 4,6% und notiert, obwohl sich der Kurs gegenüber Anfang 2003 inzwischen fast verdoppelt hat, noch immer mehr als 40% unter ihren Höchstständen aus 2001.

Eine Rolle gespielt haben dürfte auch die Tatsache, dass ein Grossteil der Führungskräfte noch 3 bis 5 Jahre in bestehenden Aktienprogrammen gebunden sind und zusätzliche Belegschaftsaktien den Anteil der privaten Aktionäre verwässern würde.

Vergangene Woche hatte Deutsche Bank-Finanzvorstand Clemens Börsig die Entscheidung verkündet, den Anteil der Aktienoptionen an den Gehältern zu senken. In diesem Monat wird die Bank 15 Millionen eigene Aktien mit einem Wert von rund 1 Milliarde Euro als Teil des Bonus an ihre Belegschaft vergüten. 100 Millionen davon werden auf das vierte Quartal dieses Jahres entfallen, die restlichen 900 Millionen werden auf die kommenden 5 Jahre verteilt.

Die Bank teilte der Belegschaft Einzelheiten über ihre Bonifizierungen am Freitag mit, einen Tag nachdem Ackermann den Abbau von 6.400 Arbeitsplätzen angekündigt hatte. Die höhere Cash-Komponente war eine erfreuliche Nachricht für diejenigen, die ihren Job behalten werden. Dagegen haben in den vergangenen Jahren andere europäische Banken den Aktienanteil ihrer Bonusprogramme erhöht, um der Kultur der Kapitalbeteiligung von Angestellten nachzueifern, die die grossen US-Banken vorleben.

Aus Führungskreisen der Deutschen Bank verlautet dazu: "Man kann das Ganze als Versuch betrachten, ein gutes Jahr zu haben und Teile der Hypothek zurückzuzahlen. Belegschaftsaktien werden über Jahre aufgebaut und verschaffen der Bank mehr Flexibilität und niedrigere langfristige Kosten. Belegschaftsaktien haben viele Vorteile, aber wenn es zu viele davon gibt werden sie zu einer Belastung."

2003 gab die Deutsche Bank 773 Millionen Euro für Aktienoptionsprogramme aus, die sich in den vergangenen Jahren angehäuft haben, 65% mehr als im Jahr davor.

Nach Bankangaben wird der Herauskauf von freigesetztem Personal aus Aktienoptionsprogrammen etwa 200 Millionen Euro zu den erwarteten Gesamtkosten für das Restrukturierungs- und Stellenkürzungsprogramm von 1,2 Milliarden Euro beitragen. "Es ergibt Sinn die Aktienprogramme zurückzufahren, wenn man sich dadurch Bewegungsfreiheit für die Zukunft sichern kann," so eine Führungskraft der Deutschen Bank.

Angesichts der Analystenreaktionen auf die Bilanzzahlen für 2004 wird die Deutsche Bank hinsichtlich Kostensenkungen jegliche Hilfe brauchen, die sie kriegen kann. Zusätzlich zu den angekündigten Stellenkürzungen peilt Ackermann ein rund 4%-iges Umsatzwachstum an, um das Ziel einer Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25% zu erreichen. Keiner der 8 von Financial News befragten Analysten allerdings mag daran glauben. Durchschnittlich wird eine Eigenkapitalrendite von 21% erwartet. Die optimistischste Erwartung kamen dabei mit 22% von Fox-Pitt, Kelton, JP Morgan und Merrill Lynch, während Bear Stearns eine Eigenkapitalrendite von lediglich 19% erwartet.

Beliebte Berufsfelder

Loading...

Jobs suchen

Artikel suchen

Close