Zürich schlägt London: Frankenstärke lässt Gehälter auf wundersame Weise steigen

eFC logo

In der Londoner City wird für gewöhnlich auf andere europäische Finanzplätze hinabgeblickt - dies gilt auch für Zürich oder Genf. Demnach erscheinen die eidgenössischen Finanzzentren bestenfalls als zweite Wahl.

"Genf und Zürich sind vergleichsweise kleine Finanzzentren im Vergleich zu London. Tatsächlich gibt es in der Schweiz nur verhältnismässig wenige Spitzenpositionen, in denen mehr als 150.000 Pfund gezahlt werden. London und New York sind die einzigen Märkte, die gross genug sind, um eine nennenswerte Anzahl dieser Stellen zu bieten", sagte der Managing Director des Headhunters Selby Jennigs Adam Buck der englischen Financial Times - einer Pflichtlektüre in der Londoner City.

Dabei befindet sich London eindeutig auf dem absteigenden Ast. Dafür ist nicht nur die Erhöhung des Spitzensteuersatzes für Gehälter über 150.000 Pfund auf 50 Prozent verantwortlich - ein Wert, der in der Schweiz nicht einmal in Albträumen vorkommt, sondern die akute Pfundschwäche.

Denn die aktuelle Häme in der City über den schwächelnden Euro verdeckt lediglich die Tatsache, dass das britische Pfund bereits zwei Jahre vor der Gemeinschaftswährung in die Knie gezwungen wurde.

Dies zeigt sich eindeutig an dem Wechselkurs des Schweizer Frankens zum Pfund. So wurden am gestrigen Donnerstag (20. Mai) 0,6054 Pfund für einen Franken bezahlt. Drei Jahre zuvor waren es lediglich 0,4126 Pfund gewesen. Seit dem Anbruch der Finanzkrise ist die britische Währung also um 31,8 Prozent gegenüber dem Franken abgestürzt.

Dies macht sich auch in den Portemonnaies der Bankbeschäftigten bemerkbar, wie zwei Beispielrechnungen verdeutlichen: So hat das internationale Recruitment-Unternehmen Robert Walters ein Jahresgehalt von 100.000 bis 160.000 Franken in 2010 für einen Fondsmanager mit 5 bis 7 Jahren Berufserfahrung ermittelt. Demnach war diese Summe vor drei Jahre gerade einmal 41.000 bis 66.000 Pfund wert. Heute sind es hingegen stolze 60.000 bis 97.000 Pfund.

Quelle: RobertWalters

Das gleiche Bild zeigt sich auch bei dem Jahresgehalt von 80.000 bis 160.000 Franken für einen Relationship Manager im Private Banking der Schweiz. Diese Summe war in 2007 gerade einmal 33.000 bis 66.000 Pfund wert. Dagegen beläuft sich diese Gehaltsspanne heute auf 48.000 bis 96.000 Pfund.

Quelle: RobertWalters

Demnach hat sich allein aufgrund der scharfen Verschiebungen auf dem Währungsmarkt die Attraktivität von Genf und Zürich deutlich zulasten Londons verschoben. Mit der geringeren Steuerlast und der stärkeren Währung ist die Schweiz mittlerweile auf der Überholspur. Dies musste letztlich auch Adam Buck in der Financial Times eingestehen. Denn Buck warnte ausdrücklich davor, dass der Wettbewerbsvorteil Londons gegenüber rivalisierenden Finanzzentren abnimmt.

Close