☰ Menu eFinancialCareers

Ist die Schweiz ein Zufluchtsort für geschasste Londoner Banker?

eFinancialCareers hat Experten gefragt, was an den Gerüchten dran ist, dass im Zuge der Finanzkrise mehr Banker als früher von London in die Schweiz umsiedeln. Hier Ergebnis:

Stefan Bächer, Partner bei Guggenbühl & Bächer Recruitement in Zürich, kennt keine Schweizer Bank, die vor kurzem Banker von London in die Schweiz geholt habe.

“Die Unsicherheit in der Schweiz ist enorm”, sagte Bächer zu eFinancialCareers. “So lange die Debatte um das Bankgeheimnis und angebliche Steuerhinterziehung anhält, werden Banken und andere Finanzdienstleister wie Hedgefonds abwarten und den Markt beobachten.” Im übrigen würden die meisten Banken wie gehabt Positionen im Middle Office und im mittleren Management abbauen.

Philippe Legallo, Headhunter bei Sources Expert in Genf, hat ebenfalls eine Abwarten-und-Tee-trinken-Strategie in der Finanzbranche ausgemacht.

“Genf geht es nicht besser als London”, so Legallo. Niemand wisse, ob sich das Klima bald bessern oder im Gegenteil noch einmal verschlechtern werde. Deshalb seien die Aktivitäten auf dem Banker-Arbeitsmarkt praktisch eingefroren. Im übrigen dürften viele Londoner Banker schon wegen der notwendigen Französisch-Kenntnisse Schwierigkeiten bekommen, einen Job am Genfer Finanzplatz zu finden. Außerdem hätten viele britische Banker spezielle Fähigkeiten, die die Arbeitsuche bei einer Schweizer Privatbank erschwerten.

Legallo hat beobachtet, dass derzeit die meisten Stellenangebot im Privatkundengeschäft (“Retail Banking”) zu finden sind. Dagegen gibt es im Asset Management, aber erst recht bei Hedgefonds nicht nur einen Einstellungsstopp, sondern angesichts dramatisch geschrumpfter zu verwaltender Vermögen stünden Kostensenkung und Entlassungen auf der Tagesordnung.

Mit einiger Verwunderung habe Legallo vor kurzem während eines Gesprächs mit einem Goldman-Sachs-Banker zur Kenntnis genommen, dass die Stimmung am Finanzplatz London sogar besser zu sein scheint, als in Genf. Vermutlich, weil die Einstellungs-Kurve in New York und London wegen der früher vorgenommenen Kostensenkungsprogramms anderen Finanzplätzen voraus eilt, so Legallo.

Das Echo bei den beiden Grossbanken fällt dagegen differenzierter aus. Credit Suisse will bereits vor (!) Ausbruch der Finanzkrise einen kleinen Wanderungstrend von London in die Schweiz festgestellt haben. Marcus Hofer, Chef-Rekruter für das Investmentbanking sagte zu eFinancialCareers, dass er heute mehr Bewerbungen von englischen Bankern “mit einer beeindruckenden Erfolgsbilanz” bekommt als vor Ausbruch der Krise.

Da viele Arbeitsplätze im Investmentbanking hoch spezialisiert seien, würde die Credit Suisse von diesem Trend nach größerer Auswahl sicher profitieren, so Hofer. Den tausenden Bankern, die in London seit Ausbruch der Finanzkrise ihre Jobs verloren haben, kann die Credit Suisse aber nur begrenzt helfen. Bei der Credit Suisse ziehen nach seiner Schätzung pro Jahr lediglich rund 100 Investmentbanker von der britischen Hauptstadt in die Alpenrepublik.

Auch die UBS will von einem Trend “Zurück nach Zürich” nichts wissen. Es sei noch viel zu früh zu sagen, ob Hedgefonds Britannien wegen der Steuererhöhungen in großer Zahl den Rücken kehren und Asyl in der Schweiz suchen werden, sagte ein Insider, der seinen Namen nicht gedruckt sehen möchte.

Außerdem sei nun einmal London das europäische Zentrum fürs Investmentbanking. Bereits vor der Krise sei die Zahl der Investmentbanking-Positionen in der Schweiz überschaubar gewesen. Und da in der Schweiz derzeit selbst viele Private Banker entlassen würden, sprecht eigentlich nichts dafür, warum nun ausgerechnet arbeitslose britische Private Banker in der Schweiz eine neue Stelle finden könnten.

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier