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MBA oder CFA? Was die Karriere besser voranbringt

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Grundverschieden und doch ganz ähnlich. Wer nach Studium und einigen Jahren Berufserfahrung den Karriereturbo zünden möchte, steht vor einer schwierigen Entscheidung: Bringt ein MBA oder ein CFA mehr für die Karriere?

Dabei handelt es sich eigentlich um inhaltlich ganz unterschiedliche Qualifikationen. Der Master of Business Administration (MBA) vermittelt Kenntnisse in General Management, Mitarbeiterführung und Strategie. Der Chartered Financial Analyst (CFA) stellt hingegen eine Rundum-Sorglos-Fortbildung zu Finanzen, Finanzmärkten und der Vermögensanlage dar. Beide Programme sind sehr aufwendig. Wir haben die entscheidenden Gründe pro und contra zusammengetragen.

Der CFA ist zum Schnäppchenpreis zu haben, ein Spitzen-MBA kostet einen Porsche Carrera

Bei den Kosten kann der CFA punkten. Die Ausgaben für die drei Prüfungen sowie das Lernmaterial beziffert die Geschäftsführerin der CFA Society Germany Susan Spinner auf 3000 bis 4000 Dollar. Kommerzielle Vorbereitungskurse kosten jedoch extra.

Dagegen kann der Preis eines MBA einer renommierten Business School durchaus auf dem Niveau eines Porsche Carrera liegen. So veranschlagt die Harvard Business School z.B. 106.800 Dollar. Beim IMD in Lausanne sind es 85.000 Franken.

Die Fortbildung muss zur Persönlichkeit passen

Laut Headhunter Andreas Christl von Talentspy in München hänge die richtige Wahl stark von der jeweiligen Persönlichkeit ab. Wer Führungstalent und erste Führungserfahrungen mitbringe und auch eine „General Management“-Laufbahn anstrebe, für den sei zumeist der MBA die richtige Option. Für mehr zahlenverliebte und wissenschaftlich orientierte Finanzprofis sei wahrscheinlich der CFA die bessere Wahl.

Die Qualifikation muss zur Vorbildung passen

Die richtige Entscheidung hänge auch von der Vorbildung hab. „Wenn jemand ein BWL-Studium von einer gewöhnlichen Uni mitbringt und dann einen MBA macht, dann gibt es beträchtliche Überschneidungen“, erläutert Christl. „Falls jemand hingegen einen Bachelor von z.B. der WHU in Koblenz besitzt und dann dort einen MBA macht, dann baut dies eher aufeinander auf.“ Für Absolventen der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer falle der Lerneffekt naturgemäss höher als für Betriebswirte aus.

Der CFA eignet sich für eher jüngere, der MBA für erfahrenere Kandidaten

Laut dem ehemaligen Vizepräsidenten der Frankfurt School of Finance & Management Ingolf Jungmann bereite ein CFA mit seinen breiten Finanzinhalten auf verschiedene Fachkarrieren in den Finanzdienstleistungen vor. Anders jedoch, wenn ein Spezialist zu einer Führungskraft befördert werde. „Für den macht ein MBA sehr viel Sinn“, sagt Jungmann. Dort werde General Management und Leadership gelehrt. „Ein MBA vermittelt ein Gesamtverständnis für unternehmerisches Handeln“, betont Jungmann. Falls der Finanzprofi kein vorheriges wirtschaftswissenschaftliches Studium mitbringe, könne ein Teilnehmer dabei auch Grundkenntnisse in BWL- und VWL erwerben.

Dagegen sind die MBA-Teilnehmer in Deutschland im Schnitt 35 Jahre und älter. Ein MBA setze einen vorherigen akademischen Abschluss sowie im Falle der beiden Programme der Frankfurt School Berufserfahrung von zwei bis fünf Jahren voraus. Mit einem MBA wollten die Finanzprofis den Sprung vom Spezialisten zur Führungskraft schaffen.

CFA ist weltweit anerkannt

Unterdessen betont Spinner, dass der CFA weltweit gleichwertig sei: „Der MBA stellt einen grossen Karrierevorteil dar, wenn man ihn bei einer der Top-20 Business Schools absolviert hat.“ Bei weniger renommierten Schulen falle auch der Vorteil geringer aus. „Egal, wo Sie den Charter gemacht haben, überall wird er als gleich hochwertig anerkannt“, sagt die Geschäftsführerin der CFA Society Germany.

Im Asset Management ist ein CFA Trumpf

Aktienanalyse und Portfolio Management gehören seit jeher zu den zentralen CFA-Berufsfeldern. Kein Wunder, dass die Qualifikation bei Union Investment begehrt ist. Doch selbst hier haben MBA-Absolventen Chancen. „Je nach Stelle und Funktion ist der MBA für uns relevant, jedoch spielt der CFA für uns als Kapitalanlagegesellschaft eine deutlich wichtigere Rolle – insbesondere natürlich im Portfolio Management. Wir haben dort den CFA als Standardausbildung etabliert und erwarten, dass die Portfolio Manager den CFA absolvieren“, sagt Frank Besemer, Leiter Personalentwicklung bei Union Investment. „Wir unterstützen dies mit der Bezahlung dieser Ausbildung und mit Freistellungen. Rund 60 Prozent unserer Mitarbeiter im Portfolio Management besitzen bereits den CFA.“

In der Strategieberatung hilft nur ein MBA

Für eine Karriere in der Strategieberatung empfiehlt Christl den MBA. Dort seien einfach Kenntnisse in General Management, Strategien und Führung vermittelt. Ausserdem könnten Teilnehmer dort wichtige Kontakte sammeln. Alles Dinge, die in der Strategieberatung zum täglichen Brot gehören. Ein CFA würde hier kaum weiterhelfen. Bei den Big 4 sei hingegen der CFA weiter verbreitet.

Für eine Führungskarriere ist ein MBA die richtige Wahl

Headhunter Andreas Jäger von Korn / Ferry International in Frankfurt vermittelt vor allem Führungskräfte, namentlich auch im M&A-Bereich. Für eine Führungsposition zähle ein MBA einfach mehr, besonders wenn er an einer angesehenen Business School erworben wurde. „Eine renommierte Business School bietet ein hochkalibriges Karrierenetzwerk an.“ Dies böte ein CFA nicht. „Das ist eher eine fachliche Veredelung für Spezialisten“, ergänzt Jäger.

Seine Kunden würden nur selten nach einem CFA fragen. Da in einigen Bereichen ein CFA jedoch schon ein Standard ist, könne die Qualifikation durchaus relevant werden, wenn ein Kandidat den CFA nicht hat. „Ein CFA ist ein Zeichen von Kredibilität“, ergänzt Jäger. Der Personalberater empfiehlt MBA-Interessenten das Programm idealerweise im Ausland zu absolvieren. „Internationalität ist für viele meiner Klienten sehr wichtig.“

Spinner meint indes, ein CFA stehe auch vielen Managern in der Finanzbranche gut an. Die Finanzkrise habe gezeigt, wie wichtig ein Verständnis der komplexen Produkte sei. Darüber hinaus seien CFA-Absolventen mittlerweile in den unterschiedlichsten Funktionen tätig. Sie fänden sich gerade in Deutschland besonders häufig bei den Big 4, aber auch in den Finanzabteilungen grosser DAX- und MDAX-Unternehmen.

CFA plus MBA ist ein „Volltreffer“

Jungmann empfiehlt schon angehenden Finanzprofis möglichst frühzeitig mit einem CFA zu beginnen. So würden im Master of Finance der Frankfurt School 70 Prozent der Inhalte des CFA Level I vermittelt. „Da kann man einen CFA quasi mitschultern“, sagt Jungmann. Tatsächlich steigt die Zahl der Studenten unter den CFA-Kandidaten rasant an. Laut der CFA Society Germany hatten sich in 2009 drei Studenten für die Prüfung zum CFA-Level III angemeldet; in 2014 waren es bereits 39 – dazu müssen sie die beiden ersten Examen bereits in der Tasche haben. Ein Absolvent eines Master of Finance könne sich mit einem zusätzlichen CFA von den Mittbewerbern abheben.

Diese jungen CFA-Absolventen hätten alle Möglichkeiten später noch einen MBA zu absolvieren, meint Jungmann. Noch sei allerdings die Zahl der MBA-Teilnehmer an der Frankfurt School mit einem CFA gering. Doch aufgrund des Trends zu immer höheren Bildungsabschlüssen rechnet Jungmann mit einem Anstieg der Zahl von CFA-Charterholdern unter den MBA-Absolventen. „Das ist dann ein Volltreffer.“ Tatsächlich besitzen bereits mindestens 100 der rund 2300 Charterholder in Deutschland auch einen MBA.

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