Welche Folgen die BNP Paribas-Rekordbusse für Schweizer und deutsche Beschäftigte hat

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Die Informationen über die Rekordbusse der BNP Paribas zu illegalen Handelsfinanzierungsgeschäften mit dem Sudan und dem Iran verdichten sich. Demnach muss die französische Grossbank 8,9 Mrd. Dollar (6,5 Mrd. Euro) an die US-Justizbehörden abführen. Dies wäre die höchste jemals von einer Auslandsbank in den USA geforderte Busse. Bereits im Mai musste die Credit Suisse wegen der Beihilfe zur Steuerhinterziehung von US-Bürgern eine Busse von 2,6 Mrd. Dollar (1,9 Mrd. Euro) zahlen. Doch auch im Falle der BNP Paribas führen die Wege in die Schweiz. Konkret:

Laut dem Wall Street Journal (WSJ) konnten die US-Behörden illegale Geschäfte vornehmlich mit dem Sudan über 30 Mrd. US-Dollar (22 Mrd. Euro) nachweisen. Hauptsächlich ging es dabei um die Abwicklung sudanesischer Rohölexporte, aber auch um Geschäfte mit dem Iran. Damit habe die BNP Paribas bewusst die US-Sanktionen gegen das nordafrikanische Land unterlaufen.

BNP Paribas-Chef scheint Einigung zu begrüssen

Damit sind die Franzosen ein grosses Risiko eingegangen. Denn nach dem US-Justizsystem können die Bussen bis zum Doppelten der illegalen Umsätze betragen. Dies wären immerhin bis zu 60 Mrd. US-Dollar (44 Mrd. Euro). Ausserdem riskiert die Bank einen langjährigen Ausschluss vom Dollarclearing. Da der US-Dollar immer noch die wichtigste Weltwährung ist und die Handelsfinanzierung ein wichtiges Standbein der BNP Paribas darstellt, bedrohte der Rechtsstreit die Existenz der BNP Paribas.

Daher verteidigte BNP Paribas-Chef Jean-Laurent Bonnafé die absehbare Einigung bereits in einem Brief an die Mitarbeiter. „Ich möchte klar sagen: Wir werden hart bestraft“, schrieb Bonnafé. „Störungen sind vorgekommen und Fehler wurden gemacht.“ Weiter sagte Bonnafe laut der Online-Platform i-Tele: „Es handelt sich um eine gute Nachricht für alle unsere Teams und Kunden und es wird die Unsicherheiten von uns nehmen, die auf unserem Unternehmen lasten.“

Standort Genf in Umgehung der Sanktionen verstrickt

Doch so ganz ungeschoren werden einige Teams nicht davonkommen. Denn laut dem WSJ umfasst die Einigung mit der US-Justiz die Trennung von 30 Mitarbeitern. Betroffen davon scheint laut Bloomberg das Dollarclearing am Standort Genf zu sein. An dem Finanzplatz werden wesentliche Teile des internationalen Rohstoffhandels namentlich auch mit Rohöl abgewickelt, woran die BNP Paribas mit ihrer Handelsfinanzierung intensiv beteiligt ist. Bloomberg zitiert einen Insider, wonach die illegalen Transaktionen besonders die Geschäftsbereiche Öl- und Gas und den Standort Genf betrafen. Damit dürften die Karrieren einiger Genfer Mitarbeiter der BNP Paribas ein abruptes Ende finden.

Bereits 250 neue Mitarbeiter in Deutschland „an Bord"

Doch welche Auswirkungen hat die Rekordbusse auf die Wachstumsstrategie in Deutschland?  Der damalige Personalchef der Grossbank Carsten Esbach kündigte im vergangenen Jahr gegenüber eFinancialCareers an, 500 neue Stellen in Deutschland schaffen zu wollen. Dabei beabsichtigte BNP Paribas vor allem sein Mittelstandsgeschäft zu stärken. Obgleich der Standort Deutschland nicht an der Umgehung der US-Sanktionen beteiligt sein dürfte, könnte die hohe Busse doch die Wachstumsstrategie in Deutschland bremsen.

BNP Paribas in Deutschland wollte sich zu der Angelegenheit nicht äussern. Allerdings sei die Mitarbeiterzahl der Grossbank in Deutschland durch die Übernahme des Depotbankengeschäfts der Commerzbank und von III-Investments bereits auf rund 4000 angestiegen.  Auch der organische Personalaufbau komme gut voran. „Von dem angestrebten Aufbau von 500 neuen Stellen bis 2016 sind auch schon die Hälfte an Bord", sagte ein Unternehmenssprecher.

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