GASTKOMMENTAR: Nur eine Minderheit der Beschäftigten im Finanzsektor verfügt über eine präzise Selbsteinschätzung

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Unsere Forschungen weisen darauf hin, dass die meisten Beschäftigten aus den Finanzdienstleistungen ihre Fähigkeiten entweder über- oder unterschätzen.

Wir legen eine Stichprobe von 105 erfahrenen, ausgebildeten Beschäftigten aus den Finanzdienstleistungsberufen zugrunde, wovon viele hohe Positionen im Banking einnehmen. Wir haben die Unterschiede untersucht zwischen der Selbsteinschätzung der einzelnen Personen, den USD/Euro-Wechselkurs vorherzusagen, und zwischen der tatsächlichen Qualität dieser Prognosen.

Die Ergebnisse waren recht erhellend. Demnach überschätzen 51 Prozent der untersuchten Gruppe ihre Fähigkeiten, 36 Prozent unterschätzten sie und lediglich 12 Prozent verfügten über eine realistische Sichtweise.

Dies macht bis zu einem gewissen Grad Sinn. Denn es ist schwierig, den Markt systematisch outzuperformen, was auch gleichermassen die Einschätzung der eigenen Vorhersagequalitäten erschwert. Daher sind die Selbsteinschätzungen notwendigerweise voreingenommen und zu einem grossen Teil zufällig.

Doch die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten scheint bei den eher unerfahrenen Beschäftigten aus unserer Stichprobe vorgeherrscht zu haben, während erfahrenere Beschäftigte eher zu einer Unterschätzung ihrer Fähigkeiten tendieren.

In unserer Referenzsituation von Professionellen mit durchschnittlichen Vorhersagen und acht Jahre längerer Berufserfahrung gab es eine 12 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit zu einer Selbstüberschätzung und eine 10 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für eine Selbstunterschätzung.

Überdies fanden wir Hinweise darauf, dass Fondsmanager ihre Fähigkeiten weniger überschätzen als Analysten aus dem Research. Dieses Phänomen führen wir auf die Tatsache zurück, dass Fondsmanager ein unmittelbareres Feedback auf ihre Performance-Einschätzung erhalten.

Zusammenfassend scheinen nur wenige Beschäftigte aus den Finanzdienstleistungen über eine realistische Sichtweise ihrer Fähigkeiten zu verfügen. Im Durchschnitt schätzen sich Leute mit schlechten Prognosen besser ein, als sie tatsächlich sind, und Leute mit guten Prognosen halten sich indes für schlechter. Falls die Selbstüberschätzung vermindert werden soll, dann ergeben sich zwei Schlussfolgerungen: Stellen Sie erfahrenes Personal ein und geben Sie ihnen ein kontinuierliches Feedback.

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