Ex-UBS-Vermögensverwalter gründen in Genf Bank für Superreiche

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Zwei ehemalige Vermögensverwalter der UBS haben in Genf eine Privatbank für Superreiche gegründet. Die Banque Pâris Bertrand Sturdza zielt auf Kunden, die eine Summe von 50 Mio. Franken anlegen wollen.

Die Banker Pierre Pâris und Oliver Bertrand wollen Anleger als Kunden gewinnen, die in der Finanzkrise bei Finanzdienstleistern mit einem breiteren Kundenspektrum Verluste erlitten haben - oder durch den Madoff- Skandal verunsichert sind, von dem allein in Genf acht Banken und Vermögensverwalter betroffen waren.

"Die Krise hat das Renommee der Banken beschädigt", sagt Pâris. Auch haben sehr wohlhabende Kunden nach seiner Ansicht besondere Bedürfnisse: "Für sehr grosse Vermögen braucht es ganz andere Dienstleistungen als sie von der UBS, Credit Suisse oder Pictet angeboten werden." Er und Bertrand waren bis Ende März geschäftsführende Direktoren bei UBS Wealth Management.

Um den entsprechenden Service bieten zu können, haben sich Pâris und Bertrand mit der Genfer Banque Baring Brothers Sturdza SA sowie Baring-Präsident Eric Sturdza und Vice President Raphael Jaquet zusammengetan. Es ist vorgesehen, unter anderem Backoffice-Funktionen mit Barings zu teilen, wobei auf jeden Fall die Unabhängigkeit gewahrt bleiben soll.

Die zehn grössten Privatbanken Genfs, darunter Lombard Odier Darier Hentsch & Cie. und Banque Privée Edmond de Rothschild, verzeichneten im vergangenen Jahr nach Bloomberg-Berechnungen einen Rückgang des verwalteten Vermögens von 23 Prozent auf 811 Mrd. Franken.

Banque Pâris Bertrand Sturdza hingegen hat erst am 28. April die Geschäfte aufgenommen und bereits eine nicht genannte Zahl von Kunden gewonnen. Der Sitz der Bank liegt in der Rue de Rive, 100 Meter vom Genfersee entfernt. Es ist geplant, auch in Zürich eine Niederlassung zu eröffnen.

Ferner soll das Dutzend angestellter Banker die Chance auf eine Partnerschaft und eine Beteiligung an der Bank erhalten, sagte Pâris.

"Bei einer grossen Bank wie der UBS werden gute Mitarbeiter frustriert, und bei den grossen Privatbanken wie Lombard Odier ist es äusserst schwierig für sie, zum Partner aufzusteigen."

So wird etwa Pictet, die grösste nicht börsennotierte Privatbank der Schweiz, bei rund 3.000 Mitarbeitern von sieben geschäftsführenden Partnern kontrolliert. Lombard Odier, die älteste Genfer Privatbank, hat acht geschäftsführende Partner.

Die Zahl der Mitglieder in der Schweizerischen Vereinigung unabhängiger Finanzberater (SVUF) ist seit Jahresbeginn um zehn Prozent auf mehr als 260 gestiegen, sagte SVUF-Präsident Daniel Glasner. Dabei machten Banker, die ihren Arbeitgeber verlassen haben, die Hälfte der Neuzugänge aus. "Da die Banken umstrukturieren, ist es unvermeidbar, dass nach und nach Manager weggehen", so Glasner.

Die Schweizer Bankenaufsicht Finma wiederum hat 2008 Lizenzen für vier neue Banken vergeben nach fünf im Vorjahr. Die Banque Pâris Bertrand Sturdza ist die erste Privatbank, die seit Bank of China vergangenen November eröffnet.

Die Entscheidung der Schweiz, Ausländer nicht länger vor dem Zugriff ihrer Steuerbehörden zu schützen, hält Pâris für kein wesentliches Problem: "Es gibt Herausforderungen, aber die Zukunft Genfs als Finanzplatz hängt nicht vom Bankgeheimnis ab", sagt er. "Genf wird überleben, da die Leute wegen der Qualität des hier gebotenen Service kommen."

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