IT-Spezialisten: Gute Aussichten in der Finanzbranche

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Basel II, standardisierte Bankprozesse, Angriffe auf Online-Angebote der Banken und sogar Massnahmen zur Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung: Eine Vielzahl von Aufgaben beschäftigen seit Monaten die IT-Spezialisten in der Finanzbranche. Dies führt zu steigender Nachfrage nach IT-Fachkräften -nicht nur in der Bankenbranche.

In den ersten fünf Monaten des Jahres sind laut des jüngsten Stellenindexes des Personaldienstleisters Adecco, einer Auswertung von Jobofferten in 40 nationalen Printmedien in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Computerwoche, die Zahl der freien IT-Stellen in den ersten fünf Monaten des Jahres gegenüber dem Vorjahr von 6.900 auf 8.487 gestiegen. Dies ist ein Anstieg von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dabei gehört Adecco zufolge der Finanzsektor zu den Branchen, die mehr IT-Posten besetzen wollen.

Auch die Freiberufler der IT-Branche sind in der Finanzbranche sehr beliebt. Banken und Versicherungen bleiben dem Projektportal Gulp Information Services zufolge die wichtigsten Auftraggeber für die IT-Freelancer: Eine Umfrage unter 2.826 IT-Spezialisten ergab, dass mehr als 23 Prozent der von den Freelancern bearbeiteten Projekte für Finanzinstitute durchgeführt wurden.

Nachwuchs droht auszubleiben

Die ansteigende Zahl der Aufgaben für IT-Personal trifft auf eine stagnierende Entwicklung des Personalangebots. Das schliesst Jörg Menno Harms, Vizepräsident des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM), aus den zurückgehenden Absolventenzahlen der Informatikstudiengänge in Deutschland.

Mittelfristig benötigten die IT-Firmen und die IT-Abteilungen in Unternehmen anderer Branchen pro Jahr zwischen 15.000 und 17.000 Absolventen. Doch die Zahl der Erstsemester in den Informatik-Studiengängen ist Harms zufolge von 38.000 im Jahr 2000 auf 28.600 im Jahr 2004 gesunken - und rund 50 Prozent der Anfänger würden erfahrungsgemäss ihr Studium abbrechen. "Ab 2008 wird die Nachfrage in den Unternehmen die Zahl der Absolventen wieder übertreffen", warnt Harms.

Steigende Gehälter

Grössere Nachfrage trifft verknapptes Angebot - da bleiben höhere Preise für die "Ware" IT-Fachkraft nicht aus. Folgerichtig können sich die Angestellten unter den IT-Fachleuten über mehr Geld im Portmonee freuen. Dies fördert die Vergütungsstudie "Führungs- und Fachkräfte in der Informationstechnologie 2005" der Managementberatung Kienbaum zutage.

An der Kienbaum-Studie beteiligten sich 205 Unternehmen. Sie lieferten den Vergütungsexperten von Kienbaum Daten von 5.262 IT-Führungs- und -Fachkräften. Dabei wurden 32 branchentypische Positionen untersucht.

Das Ergebnis: Eine deutsche Führungskraft in der Informationstechnologie verdient ein durchschnittliches Jahresgesamtgehalt von 96.000 Euro. Eine Fachkraft kommt auf 56.000 Euro. Insgesamt fallen die Gehaltssteigerungen mit 3,4 Prozent für Führungskräfte und 3,0 Prozent für Fachkräfte im laufenden Jahr deutlich höher aus als im Vorjahr.

2004 erzielten die Führungs- und Fachkräfte Kienbaum zufolge lediglich ein Plus von 2,1 bzw. 2,0 Prozent. Die schwache Entwicklung aus dem letzten Jahr bestätigt auch die Entgeltstudie 2004 der IG Metall. Demzufolge gab es im Jahr 2004 für viele IT-Beschäftigte gar keine oder nur geringe Gehaltserhöhungen. Lediglich in tarifgebundenen Betrieben gab es laut IG Metall im Jahr 2004 dank der geltenden Tarifverträge kleinere Gehaltserhöhungen. Einzig die Bereiche Beratung/Consulting und Marketing verzeichneten über alle Berufsgruppen hinweg Erhöhungen der Durchschnittsgehälter

Die ganz schlechten Zeiten scheinen auf lange Sicht vorbei zu sein. "Die IT-Branche unterliegt seit jeher einem permanenten Veränderungsdruck und hat in den vergangenen Jahren einen Paradigmenwechsel vollzogen", meint Christian Näser, Projektleiter der Studie bei Kienbaum.

"Der Rechenzentrumsbetrieb mit einem Rollenverständnis als Automatisierer und Kostenfaktor hat sich als Businesstreiber zum Unternehmensrückgrat entwickelt. Diese Business-Orientierung spiegelt sich in einer veränderten Wertigkeit von Stellen und Positionen wider, die ihren Niederschlag auch in der Vergütung findet."

Grosse Unternehmen bezahlen deutlich besser

Mit welchen Bezügen IT-Manager rechnen können, hängt der Kienbaum-Studie zufolge von verschiedenen Faktoren ab: Neben hierarchischer Stellung und Personalverantwortung ist die Unternehmensgrösse entscheidend. In einer grossen Gesellschaft kann der Leiter "Informationsverarbeitung und Organisation" bis zu 50 Prozent mehr verdienen als sein Kollege in einem kleineren Unternehmen. Durchschnittlich verdient ein solcher Leiter inklusive aller Zulagen 118.000 Euro jährlich. Ein Systemprogrammierer kommt hingegen auf ein Jahresgesamtgehalt von 59.000 Euro.

Bei den IT-Fach- und Führungskräften zeigt sich ein klarer Trend zur Höherqualifizierung. Das formale Ausbildungsniveau der Mitarbeiter steigt und ist immer häufiger die Voraussetzung, um die Chance auf einen anspruchsvollen und höher dotierten Arbeitsplatz zu sichern oder zu erhöhen. So verdient ein Leiter IT-Anwendungsentwicklung mit Promotion 44.000 Euro mehr als der Kollege mit einem technischen Fachhochschulabschluss.

Erfolgsabhängige Vergütung

"Ein wesentliches Instrument betrieblicher Vergütungspolitik ist die variable Vergütung. Die Kopplung von Unternehmenserfolg und Vergütung fördert die Identifikation mit dem Unternehmen und motiviert zu besonderen Leistungen", meint Näser. In diesem Jahr erhalten rund 61 Prozent der Führungskräfte variable Leistungen von durchschnittlich 14.300 Euro zusätzlich zum Festgehalt. Deutlich geringer fällt der Anteil bei den Fachkräften aus: Lediglich 39 Prozent erhalten einen Bonus in einer durchschnittlichen Höhe von 4.600 Euro.

Auch die IG-Metall-Studie entdeckt den Trend, immer grössere Anteile des Einkommens variabel zu gestalten und teilweise vom Unternehmenserfolg abhängig zu machen. Bei den variablen Einkommen zeigten sich bereits 2004 grosse Unterschiede zwischen den Unternehmen. Besonders hohe variable Einkommensanteile weist der Gewerkschaft zufolge der Bereich Beratung/Consulting auf.

Insgesamt stellt die Studie heraus, dass variable Einkommensbestandteile in verschiedenen Formen inzwischen in allen Jobkategorien vorkommen - selbst im Bereich der Fertigung, allerdings auf niedrigem Niveau. Jedoch wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die variablen Vergütungsanteile bei Angestellten tarifgebundener Unternehmen nur zusätzlich zu den garantierten Basiseinkommen gezahlt würden.

Laut Kienbaum gehören aber auch nicht-monetäre Zusatzleistungen zum üblichen Vergütungspaket. Weit verbreitet ist der Dienstwagen, der zumeist auch privat unbegrenzt zur Verfügung steht - 43 Prozent der Führungs- und 15 Prozent der Fachkräfte profitieren von dieser Sonderleistung. "Um Motivationspotenziale der Zusatzleistungen möglichst kosteneffizient auszuschöpfen, werden Anreizsysteme zunehmend individueller gestaltet, zum Beispiel durch so genannte Cafeteria-Systeme, bei denen der Mitarbeiter aus verschiedenen Vergütungsbestandteilen auswählen kann", stellt Näser fest.

USA als Alternative

Wer flexibel ist und nicht warten will, bis sich hierzulande die Jobchancen deutlich erhöhen, sollte über eine Bewerbung in den USA nachdenken. Eine Studie der Marktforschungsinstituts Gartner Group hat jüngst gezeigt, dass insbesondere in der US-amerikanischen Finanzbranche neue Arbeitsplätze für IT-Fachkräfte entstehen.

Das ergab die Studie "IT Market Compensation", in der 160 Unternehmen und Institutionen mit insgesamt rund 50.000 IT-Angestellten zu den von ihnen in den kommenden zwölf Monaten geplanten Personalentscheidungen befragt wurden.

Im Finanzsektor planen den Gartner-Experten zufolge rund 63 Prozent der Befragten Neuanstellungen für ihre IT-Bereiche. 22 Prozent der Finanzunternehmen wollen die Anzahl ihres IT-Personals sogar um mehr als 10 Prozent steigern. Die branchenübergreifend begehrtesten Fähigkeiten, die bei IT-Fachkräften gesucht werden, sind Kenntnisse in Microsoft.Net, Java, Visual C#.Net, Oracle, SAP, Peoplesoft, J2EE und XML oder XML Web Services. Gesucht werden insbesondere Datenbank- und Netzwerkadministratoren, Projektmanager und Sicherheitsspezialisten.

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